Neue Studie zu Unternehmensübernahmen

London, 21. April 2020 – Aufgrund der von COVID-19 ausgelösten wirtschaftlichen Turbulenzen wird die Zahl von Unternehmensübernahmen infolge von Ausgliederungen steigen. Die Käufer sollten dabei jedoch Vorsicht walten lassen: Eine aktuelle Untersuchung in Auftrag der TMF Group zeigt, dass rund ein Fünftel aller Ausgliederungen von Unternehmensteilen zu Verlusten in Millionenhöhe geführt haben. Die befragten Manager von Private Equity-Firmen waren zu 34% und strategische Investoren zu 27% mit ihrer jüngsten Transaktion unzufrieden. Fast alle Investoren berichten von Kostensteigerungen von zehn Prozent und mehr. Trotzdem stehen potenzielle Käufer mit vollen Kassen bereit.

„Kurzfristig erwarten wir zwar aufgrund der Corona Krise einen deutlichen Rückgang der Transaktionen. Für kapitalkräftige Unternehmen und Private-Equity-Firmen wird es danach aber große Chancen geben. Gerade letztere verfügen nach eigenen Angaben über Kapitalzusagen auf Rekordniveau“, so Mark Weil, CEO der TMF Group. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise sind Unternehmen weltweit gezwungen, ihre Geschäfte zu vereinfachen und ihre Bilanzen zu entlasten. Die Abspaltung von Geschäftseinheiten und der Verkauf von Vermögenswerten sind daher für viele Unternehmen unvermeidlich. Die zunehmende Unsicherheit reduziert die finanzielle Flexibilität. Damit steigt zusätzlich der Druck, eine mögliche Ausgliederung optimal zu nutzen.?

Sowohl für Private-Equity- als auch strategische Investoren ist der Erwerb von Unternehmensteilen wirtschaftlich sehr attraktiv insbesondere auch nach Corona. Die Studie belegt jedoch erhebliche Probleme bei der Abwicklung der Transaktionen. Rund ein Drittel der grenzüberschreitenden Ausgliederungen haben nicht die Erwartungen der Investoren erfüllt. Führungskräfte bei Private-Equity-Firmen waren zu 34% und strategische Investoren zu 27% mit ihrer jüngsten Transaktion unzufrieden. 24% bzw. 19% sagten zudem, dass Budgetüberschreitungen die Transaktion erheblich beeinträchtigt hätten.

Auf Seiten der Private-Equity-Firmen gab die klare Mehrheit (92%) an, dass die Verzögerungen zu deutlich höheren Kosten geführt hätten, die rund 10 % oder mehr des ursprünglichen Wertes der Transaktion ausgemacht hätten. In 30% der Fälle sogar Steigerungen von mehr als 16 %. Ähnlich die Zahlen bei strategischen Investoren auf Unternehmensseite: Hier gaben 85% bzw. 38% an, dass sich die Zusatzkosten um 10% bzw. um 16% oder mehr erhöht hätten. Wenn man bedenkt, dass die meisten Ausgliederungen einen Wert von über 50 Millionen US$, einige sogar von mehr als 1 Milliarde US$ hatten, wird die Relevanz dieser Kostensteigerungen deutlich.

Die Erfahrungen der in der Studie befragten Unternehmen zeigt: Die größte Herausforderung, eine grenzüberschreitende Ausgliederung erfolgreich durchzuführen, ist der richtige Umgang mit den rechtlichen und regulatorischen Fragenstellungen. Dies gaben 52% der Unternehmen und 48% der Private-Equity-Firmen an. Auf Platz zwei folgte die Inkompatibilität der Geschäftsmodelle, die von 43% bzw. 46% genannt wurden.

Ein wesentlicher Grund ist die geografische Komplexität, vor allem dann, wenn das Herauslösen von Unternehmensteilen aus einem Mutterkonzern mehrere Länder und damit mehrere Rechtssysteme betrifft, in denen der Käufer nicht über ausreichende lokale Kenntnisse verfügte. Nahezu 60% der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre jüngste Übernahme vier oder mehr Länder umfasste (10% davon sogar in 10 bis 19 Ländern). Bei den jüngsten, von Private-Equity-Firmen durchgeführten Transaktionen, waren in 42% der Fälle vier oder mehr Länder involviert.

Diejenigen Investoren, die nur eine begrenzte oder keine Präsenz auf dem lokalen Markt des Zielunternehmens hatten, zeigten die schlechteste Erfolgsraten. Tatsächlich gaben 38% der Befragten an, die unter dieses Kriterium fielen, dass ihre jüngste Ausgliederung ihre allgemeinen strategischen Ziele weitgehend verfehlt hätten. Weiter sagten ebenfalls 38%, dass es deutlich länger gedauerte hätte, bis die Transaktion einen unternehmerischen Wert geschaffen hat.

Ein weiterer Erfolgsfaktor, so die Untersuchung, ist es Fachwissen und die notwendigen Ressourcen so früh wie möglich ins Boot zu holen. In den Fällen, bei denen es zu Verzögerungen bei der Umsetzung gekommen ist, gaben 78% der befragten Unternehmen und 64% der Private-Equity-Firmen an, dass die Überschreitung und die damit verbundenen zusätzlichen Kosten hätten vermieden werden können, wenn sie besser vorbereitet gewesen wären.

„Die Ausgliederung eines Unternehmens aus seiner Muttergesellschaft mit dem Ziel eine wirtschaftlich und juristisch eigenständige Einheit zu schaffen, ist höchst komplex vor allem wenn dabei mehrere Rechtssysteme berücksichtigt werden müssen“, fasst Mark Weil zusammen. „Je nach Region sind die Prozesse sehr unterschiedlich. Während es in einigen Ländern möglich ist beispielsweise sechs für die Transaktion notwendige Prozesse parallel abzuarbeiten, müssen diese Aufgaben in anderen Ländern nacheinander erledigt werden. Unsere Studie zeigt wie wertvoll eine gründliche Vorbereitung ist, bevor man eine grenzüberschreitende Ausgliederung angeht. Vor allem der Zugang zu lokalem Knowhow und Erfahrung ist entscheidend, um erfolgreich zu sein. Budgetüberschreitungen mögen alltäglich sein, können aber mit den richtigen Leuten und dem richtigen Prozess vermieden werden.?

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