Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR CDU-Schulprogramm Zerstritten BERNHARD HÄNEL

Die CDU steht vor einem revolutionären
Parteitag. Die Parteispitze ist entschlossen, im September ihre
geliebte Hauptschule zu Grabe zu tragen. Dass dabei die Realschule
gleich mitbeerdigt wird, ist selbstverständlich, wenn zwei
Schulformen fusionieren sollen. Doch wie die neue Oberschule
konzeptionell genau aussehen wird, ist noch nicht klar. Klar ist
aber, dass die verspätete Anpassung der Programmatik nicht bei allen
Christdemokraten auf Gegenliebe stößt. In Baden-Württemberg formiert
sich zäher Widerstand der Konservativen, die an der Hauptschule auf
Gedeih und Verderb festhalten wollen, weil sie um die Zuteilung von
Chancen über unterschiedliche Schulabschlüsse fürchten. Bewusst
negieren sie die Tatsache, dass auch im ländlichen Raum des Ländles
der Schülerrückgang so gravierend ist, dass ein zergliedertes
Schulsystem unhaltbar ist. Eltern und Schülern kann der Streit egal
sein, denn der CDU in Baden-Württemberg fehlt die
Gestaltungsmöglichkeit seit der letzten Landtagswahl. Wirklich
ärgerlich ist die antireformerische Haltung von CDU-Landeschef Thomas
Strobl für die Bundespartei. Kaum will sie ein wenig Fortschritt
wagen, schließen sich die Reihen der Erzkonservativen. Der Streit
zeigt: Die Union ist zerstrittener, als es die SPD je schaffte.

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