Die Euphorie ist verschwunden, Ernüchterung
macht sich breit. Zwei Jahre nach Beginn der Revolutionen in Ägypten,
Libyen und Tunesien ist vom Freudentaumel der Menschen nicht mehr
viel zu spüren. Vielmehr kommt zunehmend die Befürchtung auf, dass
dem „arabischen Frühling“ nicht der Aufbruch, sondern eine lange Zeit
der politischen Unsicherheit folgen könnte. Die zweiten Jahrestage
der „Arabellion“ werden weniger mit Jubel, sondern mit
Demonstrationen begangen. Politisches Chaos und eine instabile
Sicherheitslage allerorten. Der demokratische Übergang stockt. Die
von ihren Tyrannen befreiten Gesellschaften sind tief gespalten in
säkulare und religiöse Lager. Die weit verbreitete Armut, welche eine
zentrale Antriebsfeder des Umsturzes war, nahm leider bisher auch
unter den neuen Machthabern nicht spürbar ab. Frustration heizt das
Klima auf. Geht die Revolution jetzt nach hinten los? Steuert
Nordafrika auf einen „arabischen Herbst“ zu? Die heftigen
gesellschaftlichen Debatten und Demonstrationen stehen dafür, dass
sich doch etwas bewegt. Symbolisieren ein Stück Hoffnung. Weil sie
ein Signal sind, dass viele Menschen die Träume von einer besseren
Zukunft noch nicht beerdigt haben. Ob sich dabei am Ende tatsächlich
Demokratie und Freiheit durchsetzen, werden vermutlich erst die
nächsten Jah-re zeigen. Und natürlich muss sich auch Europa fragen,
was es zum Erfolg der Reformen auf der anderen Seite des Mittelmeeres
beitragen kann. Politische Entwicklungshilfe? Soziale Projekte?
Wirtschaftliche Unterstützung? Ja, alles richtig, soweit es an
Demokratie und Menschenrechte gebunden wird. Aber vor allem sollten
die Europäer nicht, wie im Revolutionsüberschwang geschehen, zu viel
erhoffen – erst recht keine schnellen Fortschritte -, sondern sich in
Geduld üben.
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