neues deutschland: Kommentar zum gescheiterten Friedensabkommen in Afghanistan

Das Friedensabkommen zwischen USA und Taliban ist keine vier Tage
alt, da haben Letztere angekündigt, den Kampf gegen die Regierung in Kabul
wieder aufzunehmen. Zuvor wurde, als Bedingung Washingtons, gerade einmal eine
Woche reduzierter Gewalt vereinbart. Die ist jetzt vorbei, und die Taliban
wissen: Spätestens seit der Vertragsunterzeichnung am Samstag haben sie freie
Hand. Man kann zwar nicht behaupten, die Taliban hätten sich davor
zurückgehalten. Nach 19 Jahren Krieg, 2400 toten US-amerikanischen Soldaten und
zwei Billionen US-Dollar, die Washington in den afghanischen Boden versenkt hat,
wollen die USA nur noch raus, und zwar schnell. Entsprechend konnten die Taliban
bei den zweijährigen Friedensverhandlungen in Katar die meisten Bedingungen
diktieren. Ihre zentrale Forderung: Keine Verhandlungen mit der
“Marionettenregierung” in Kabul. Washington willigte ein. Und so durfte jene
Regierung, die im Zuge der “Operation Enduring Freedom” 2001 nach
US-amerikanischen Verständnis im “befreiten Land” eingesetzt wurde, zuschauen,
wie die USA mit dem Erzfeind den eigenen Untergang besiegelte. Das Abkommen wird
den Abzug aller US-Truppen aus Afghanistan bewirken. Aber eines wird es sicher
nicht bringen: Frieden.

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