Rheinische Post: Kommentar: Ungerechtes System

Die Durchfallerzahlen im Abitur sind immer noch
niedrig. Einer von 26 Prüflingen fällt bundesweit durch. Das ist kein
Grund zur Aufregung. Auch dass die Quote in NRW leicht gestiegen ist,
muss die Abiturienten nicht verunsichern. Der Anstieg liegt im Rahmen
der üblichen Schwankungen – die Notenvergabe ist nun einmal nicht
objektiv, da können sich von Jahr zu Jahr schon einmal Schwankungen
ergeben. Das wird umso deutlicher beim Vergleich der Bundesländer.
Nach wie vor ist der Abiturdurchschnitt entscheidend davon abhängig,
wo ein Schüler seine Prüfung ablegt. Die Universitäten haben die
Unterschiede bereits eingepreist – sie bewerten die Abschlussnoten je
nach Herkunft des Bewerbers unterschiedlich. Dass dies kein
befriedigender Zustand ist, leuchtet ein. Ein stärkerer Zentralismus
in der Schulpolitik kann in Deutschland allein aus historischen
Gründen aber auch nicht gewollt sein. Richtig ungerecht würde es nun,
wenn Lehrer aus Bundesländern, deren Abitur als vergleichsweise
einfach gilt, ab sofort strenger benoten würden.

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