Saarbrücker Zeitung: DIW-Chef Fratzscher kritisiert Vorstoß der Metall-Arbeitgeber gegen Flächentarif

Der Präsident des Deutschen Instituts
für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Kritik
des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall an angeblich überzogenen
Tarifforderungen der IG Metall für unbegründet. “In der Metall- und
Elektroindustrie wird sicher gut verdient. Zugleich ist diese Branche
aber sehr wettbewerbsfähig”, sagte Fratzscher der “Saarbrücker
Zeitung” (Mittwoch-Ausgabe). “Maßlos hieße, nicht mehr
wettbewerbsfähig zu sein. Doch das ist nicht der Fall”.

Fratzscher erinnerte an den aktuellen Tarifvertrag in der Branche,
der eine Lohnsteigerung um 4,3 Prozent, plus Sonderzahlungen, über
eine Laufzeit von 27 Monaten vorsehe. “Bei einer Inflation von 1,5
Prozent pro Jahr kann man da wirklich nicht von einer exzessiven
Größenordnung reden”, meinte der Ökonom.

Zugleich warnte er vor einer wachsenden Tariflosigkeit in
Deutschland. “Es ist eine verhängnisvolle Entwicklung, dass
inzwischen nur noch etwa die Hälfte aller Arbeitsverträge einem
Tarifvertrag unterliegt.” Das führe dazu, dass die Schwächsten noch
mehr geschwächt würden. “Wenn man sich die Lage der Unternehmen in
Deutschland insgesamt anschaut, dann ist die schleichende Aushöhlung
der Tarifbindung durch die Arbeitgeberseite nicht nachvollziehbar”,
erklärte Fratzscher. So sei der Anteil der Wirtschaftsleistung, der
an die Beschäftigten per Lohnzahlung gehe, in Deutschland
mittlerweile stärker gesunken als in fast allen anderen
Industrieländern. “Insofern haben wir hier auch einen Nachholbedarf”,
meinte der DIW-Chef.

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