Sparbuch, ETF oder Krypto-

Sparbuch, ETF oder Krypto-
 

Die Geldanlage in Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Noch nie war der Zugang zu Kapitalmärkten so einfach wie heute. ETFs lassen sich innerhalb weniger Minuten per Smartphone besparen, Kryptowährungen können direkt über Apps gehandelt werden und digitale Plattformen ermöglichen den Vermögensaufbau nahezu ohne Einstiegshürden. Was auf den ersten Blick wie eine Demokratisierung der Geldanlage erscheint, birgt jedoch gleichzeitig eine erhebliche Herausforderung. Genau diesen Widerspruch beschreibt die aktuelle Roland-Berger-Studie sehr treffend: Während der Zugang zu Kapitalmärkten kontinuierlich einfacher wird, entwickelt sich das Finanzwissen vieler Anleger deutlich langsamer. Viele Menschen treffen heute eigenständig Anlageentscheidungen, ohne die Chancen, Risiken und langfristigen Auswirkungen vollständig einschätzen zu können.

Aus Sicht der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH bestätigt diese Entwicklung zahlreiche Erkenntnisse aus unseren eigenen Studien. Denn auch unsere NextGen Studie 2026 zeigt, dass insbesondere jüngere Kunden offen für neue Anlageformen sind und digitale Lösungen selbstverständlich nutzen. Gleichzeitig wünschen sie sich Orientierung, Transparenz und persönliche Unterstützung bei wichtigen Finanzentscheidungen.

Mehr Auswahl bedeutet nicht automatisch bessere Entscheidungen

Noch vor wenigen Jahren standen für viele Privatkunden hauptsächlich Sparbuch, Tagesgeld oder klassische Investmentfonds zur Verfügung. Heute reicht die Palette von ETFs über Robo-Advisor bis hin zu Kryptowährungen, Private Markets oder tokenisierten Vermögenswerten. Diese Vielfalt eröffnet enorme Chancen, aber sie erhöht aber gleichzeitig auch die Komplexität. Denn jede zusätzliche Anlageklasse verlangt ein besseres Verständnis von Risiko, Diversifikation, Anlagehorizont und persönlichen Zielen. Genau hier sieht Roland Berger den größten Handlungsbedarf. Viele Anleger überschätzen ihre eigene Finanzkompetenz oder verzichten aus Unsicherheit vollständig auf Kapitalmarktinvestitionen. Beides führt langfristig häufig zu suboptimalen Entscheidungen.  Aus unserer Sicht entsteht daraus eine zentrale Aufgabe für Banken und Sparkassen: Sie müssen künftig weniger Produkte verkaufen und deutlich stärker Orientierung bieten.

Finanzbildung wird zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor

Ein besonders interessanter Aspekt der Roland-Berger-Studie betrifft das Finanzwissen der Bevölkerung. Ein erheblicher Teil der Befragten konnte grundlegende Fragen zu Inflation, Diversifikation oder dem Zinseszinseffekt nicht korrekt beantworten. Gleichzeitig investieren viele Menschen bereits selbstständig in komplexe Anlageformen. Diese Erkenntnis deckt sich nahezu vollständig mit den Ergebnissen zahlreicher Studien, die wir in den vergangenen Monaten analysiert haben.

Ob Finanztip, Allianz Vorsorge Index, BankingClub, Börsen-Zeitung, IU, Der Bank Blog oder unsere eigene NextGen Studie. Immer wieder zeigt sich dasselbe Bild: Das Interesse an Geldanlage und Altersvorsorge steigt. Das Wissen wächst jedoch nicht im gleichen Tempo (mit). Gerade deshalb gewinnt Finanzbildung zunehmend strategische Bedeutung.

Aus diesem Grund entwickeln wir derzeit mit dem Financial Education Measurement Index (FEMI) erstmals einen systematischen Qualitätsmaßstab dafür, wie Banken Finanzbildung tatsächlich vermitteln. Denn Finanzbildung sollte künftig genauso messbar werden wie Beratungsqualität.

Die klassische Kundensegmentierung stößt an ihre Grenzen

Roland Berger stellt außerdem die traditionelle Einteilung von Bankkunden nach Alter oder Vermögen infrage. Entscheidend seien künftig vielmehr Faktoren wie Finanzwissen, digitale Affinität, Anlageverhalten und individuelle Betreuungsbedürfnisse. Diese Einschätzung können wir aus unserer täglichen Praxis ausdrücklich bestätigen. Unsere Bankentests zeigen seit Jahren, dass zwei Kunden mit identischem Einkommen völlig unterschiedliche Beratungsbedürfnisse haben können. Während der eine Kunde bereits mehrere ETF-Portfolios verwaltet, benötigt der andere Kunde zunächst grundlegende Informationen über Inflation oder Vermögensaufbau. Eine standardisierte Beratung wird dieser Vielfalt immer seltener gerecht. Genau deshalb gewinnt Individualisierung entlang der gesamten Customer Journey erheblich an Bedeutung.

Beratungsqualität beginnt lange vor der Produktempfehlung

In vielen Diskussionen über Anlageberatung wird noch immer sehr stark über Produkte gesprochen. Dabei entscheidet sich die Qualität einer Beratung deutlich früher. Bereits die Gesprächsvorbereitung, das Kennenlernen des Kunden, die Analyse seiner Lebenssituation und die gemeinsame Definition seiner Ziele bilden die Grundlage jeder späteren Empfehlung.

Unsere Testreihen BESTE BANK vor Ort, SEHR GUT in der Baufinanzierung sowie unsere Private-Banking-Analysen zeigen regelmäßig, dass genau diese frühen Gesprächsphasen erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Instituten offenbaren. Gute Beratung bedeutet nicht, möglichst viele Produkte zu kennen. Gute Beratung bedeutet vielmehr, den Menschen zu verstehen. Erst danach sollte über konkrete Lösungen gesprochen werden.

Die Zukunft gehört hybriden Beratungsmodellen

Eine weitere spannende Erkenntnis der Roland-Berger-Studie lautet, dass digitale Kompetenz keineswegs den Wunsch nach persönlicher Beratung ersetzt. Gerade bei größeren Anlageentscheidungen wünschen sich viele Kunden weiterhin den persönlichen Austausch mit einem kompetenten Berater. Digitale Kanäle und persönliche Beratung schließen sich daher nicht aus, sondern ergänzen sich sinnvoll.

Auch unsere NextGen Studie 2026 kommt zu einem sehr ähnlichen Ergebnis. 67 Prozent der jungen Erwachsenen wünschen sich ausdrücklich eine Kombination aus persönlicher Beratung und digitalen Investmentmöglichkeiten. Nur eine kleine Minderheit bevorzugt ausschließlich eine (rein) digitale Beratung. Diese Zahlen widerlegen eindrucksvoll die häufig geäußerte Annahme, dass persönliche Beratung für jüngere Generationen an Bedeutung verliere. Im Gegenteil: Sie verändert lediglich ihre Rolle.

KI macht eine gute Beratung noch besser

Auch Roland Berger sieht in Künstlicher Intelligenz erhebliche Potenziale für die Individualisierung der Beratung. KI kann große Datenmengen auswerten, Kunden segmentieren und Berater im Gespräch unterstützen.  Unsere eigene Position geht dabei noch einen Schritt weiter.

KI wird die Beratung nicht ersetzen. Sie wird die Voraussetzungen schaffen, damit Berater sich stärker auf das konzentrieren können, was Maschinen nicht leisten: Vertrauen aufbauen und emotionale Entscheidungen begleiten. Komplexe Zusammenhänge verständlich erklären und Versorgungslücken sichtbar machen. Gerade bei der privaten Altersvorsorge sehen wir hierin einen der größten Mehrwerte der kommenden Jahre.

Altersvorsorge braucht Orientierung statt Produktvielfalt

Die Diskussion um das geplante Altersvorsorgedepot zeigt sehr deutlich, wohin sich der Markt entwickelt. Doch mit jeder zusätzlichen Möglichkeit steigt auch der Bedarf an qualifizierter Beratung. Unsere aktuellen Untersuchungen zeigen deshalb, dass die eigentliche Herausforderung nicht in fehlenden Produkten liegt. Sie liegt darin, Menschen dabei zu unterstützen, aus der Vielzahl der Möglichkeiten die individuell passende Lösung auszuwählen. Genau an dieser Stelle entscheidet sich künftig die Beratungsqualität.

Fazit: Die Gewinner der Zukunft verkaufen nicht einfach mehr Produkte

Die Roland-Berger-Studie liefert einen wichtigen Impuls für die gesamte Finanzbranche. Der Kapitalmarkt wird digitaler, vielfältiger und individueller. Gleichzeitig wächst der Bedarf an verständlicher Einordnung, Finanzbildung und persönlicher Begleitung.

Aus Sicht der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH bestätigt diese Entwicklung den Weg, den wir seit Jahren konsequent verfolgen. Beratungsqualität beginnt nicht mit der Produktempfehlung. Sie beginnt mit dem Verständnis für den Menschen. Sie entsteht durch strukturierte Analysen, nachvollziehbare Beratungsgespräche, verständliche Finanzbildung und eine konsequente Ausrichtung an den individuellen Zielen des Kunden. Besonders deshalb werden künftig nicht diejenigen Institute erfolgreich sein, die das größte Produktangebot besitzen.

Erfolgreich werden jene Banken und Sparkassen sein, denen es gelingt, digitale Möglichkeiten, persönliche Beratung, Finanzbildung und messbare Beratungsqualität intelligent miteinander zu verbinden. Denn in einer Welt mit nahezu unbegrenzten Anlagemöglichkeiten wird Orientierung zum wertvollsten Produkt überhaupt.

Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH zählt zu den führenden unabhängigen Testinstituten für Beratungsqualität und Kundenorientierung in der deutschen Finanzbranche. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen wissenschaftlich fundierte Analysen, Praxistests und Studien zu den Themen Beratung, Service, Digitalisierung, Baufinanzierung, Vermögensberatung, Finanzbildung und Kundenerlebnis.

Mit ihren bundesweiten Testreihen wie „BESTE BANK vor Ort“, „SEHR GUT in der Baufinanzierung“, den Private-Banking-Tests sowie den NextGen-Analysen untersucht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung jährlich mehrere tausend Kundenkontakte und digitale Berührungspunkte. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen sowohl Verbrauchern als Orientierungshilfe als auch Finanzinstituten als Grundlage zur Weiterentwicklung ihrer Beratungs- und Servicequalität.

Darüber hinaus veröffentlicht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung regelmäßig Fachbeiträge, Studien und Marktanalysen zu aktuellen Entwicklungen im Banking und engagiert sich insbesondere für die Stärkung der Finanzbildung sowie die Förderung einer kundenorientierten Beratungskultur.

Getreu dem Unternehmensmotto „Weil wir Qualität prüfen.“ verfolgt sie das Ziel, Qualität sichtbar, vergleichbar und nachhaltig wirksam zu machen.