Unflexible Arbeitsgesetze, steigende Beiträge – wie unser System die Fleißigen ausbremst

Wer täglich mehr gibt als verlangt wird, merkt zuerst: Überstunden stapeln sich, Verantwortung wächst, aber das System geht nicht mit. Wer flexibel arbeiten möchte, bekommt gesetzliche Grenzen vor die Nase gesetzt. Wer mehr verdient, zahlt immer höhere Beiträge, ohne je das Gefühl zu haben, dass sich die eigene Leistung wirklich lohnt. Genau die Menschen, die Deutschland am Laufen halten, haben das Gefühl, ausgebremst zu werden.

Viele Fach- und Führungskräfte berichten, dass sie gerne viel arbeiten und Verantwortung übernehmen, sich dabei jedoch zunehmend durch gesetzliche und strukturelle Vorgaben ausgebremst fühlen. Zwar wird in Deutschland häufig von einer Leistungsgesellschaft gesprochen, gleichzeitig bestehen jedoch Regelungen, die zusätzlichen Einsatz eher erschweren als ermöglichen. Der folgende Beitrag zeigt, an welchen Stellen das System tatsächlich hakt und welche Reformen notwendig wären, damit sich Engagement in Deutschland wieder spürbar auszahlt.

Wenn Leistung zur Verwaltungsaufgabe wird

„Leistung wird in Deutschland nicht mehr gefördert, sondern verwaltet.“ Dieser Eindruck verdichtet sich bei vielen, die Verantwortung übernehmen und bewusst mehr leisten wollen. Zwar wird Leistung politisch regelmäßig betont, doch parallel entstehen Strukturen, die Eigeninitiative begrenzen und zusätzlichen Einsatz erschweren. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft damit eine wachsende Lücke.

Arbeitszeitrecht: Ein Gesetz aus einer anderen Arbeitswelt

Besonders deutlich zeigt sich dieser Widerspruch im Arbeitszeitrecht. Das heutige Arbeitszeitgesetz ist auf eine Industriearbeitswelt zugeschnitten, in der Anwesenheit und Taktung den Arbeitsalltag bestimmten. In einer wissens- und dienstleistungsgetriebenen Ökonomie verliert dieses Modell jedoch zunehmend an Passgenauigkeit.

Hochqualifizierte Beschäftigte, Führungskräfte und Unternehmer arbeiten projektbezogen, ergebnisorientiert und häufig international vernetzt. Dennoch stoßen sie an tägliche Höchstgrenzen, die mit der Realität moderner Arbeit nur bedingt vereinbar sind. Wer freiwillig mehr leisten möchte, bewegt sich dabei nicht selten in rechtlichen Grauzonen, während Arbeitgeber Haftungsrisiken tragen, obwohl Überlastung nicht das eigentliche Problem ist.

Flexibilität schützt hier nicht den Arbeitnehmer, sondern wird ihm faktisch vorenthalten. Eine Umstellung auf Wochen- oder Jahresarbeitszeiten würde der heutigen Arbeitsrealität näherkommen und Verantwortung dort verorten, wo sie hingehört.

Abgaben und Sozialstaat: Wenn Einsatz sich nicht mehr rechnet

Hinzu kommt die wachsende Belastung durch Abgaben und Sozialbeiträge. Gerade jene, die das System tragen, spüren, dass zusätzliche Leistung finanziell immer weniger Wirkung entfaltet. Sozialabgaben und Krankenversicherungsbeiträge steigen kontinuierlich, während Planbarkeit und Nettoeffekt sinken.

Arbeit wird dadurch unkalkulierbar teuer, Verantwortung zunehmend unattraktiv. Ein System, das Fleiß faktisch bestraft, verliert auf Dauer seine produktivsten Köpfe. Der Trend zur Abwanderung hochqualifizierter Fach- und Führungskräfte hat sich zuletzt spürbar verstärkt. Eine Deckelung der Sozialabgabenquote würde zumindest wieder Berechenbarkeit herstellen. Reichen die Einnahmen nicht aus, muss über den Leistungsumfang gesprochen werden – nicht reflexhaft über höhere Beiträge.

Krankenstand und Fairness: Ein Tabu mit Folgen

Auch der Umgang mit Krankmeldungen offenbart strukturelle Schieflagen. Deutschland weist im internationalen Vergleich sehr hohe Krankenstände auf. Das aktuelle System setzt dabei Anreize, die Missbrauch begünstigen und jene belasten, die zuverlässig arbeiten. Die Fleißigen finanzieren faktisch die Ausfälle derjenigen, die das System ausnutzen.

Karenztage bei Krankmeldungen, etwa eine Lohnfortzahlung erst nach drei oder fünf Tagen, würden diesen Fehlanreiz reduzieren, ohne ernsthaft Erkrankte zu gefährden. Internationale Erfahrungen zeigen, dass solche Regelungen zu sinkenden Krankenständen führen – und damit langfristig auch zu niedrigeren Sozial- und Krankenversicherungsbeiträgen.

Mehr Eigenverantwortung als ordnungspolitischer Kern

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Rolle von Eigenverantwortung im Sozialstaat. Zunehmend versucht das System, Fehlentwicklungen, die zuvor erst durch staatliche Umverteilung entstanden sind, durch immer neue Umverteilungsmechanismen zu reparieren, statt an den Ursachen anzusetzen. Dabei ersetzen Transfers keine funktionierenden Leistungsanreize.

Eine stärkere Eigenbeteiligung im Gesundheitssystem würde Verantwortung zurückgeben und bewussteres Verhalten mit seiner Gesundheit fördern. Wer für jede Behandlung zumindest anteilig selbst aufkommt, wägt Entscheidungen anders ab. Gesundheit wird damit nicht privatisiert, sondern ernst genommen. Weniger Zwang, weniger Umlagen und mehr individuelle Verantwortung könnten die arbeitende Mitte spürbar entlasten.

Ein System braucht Vertrauen in Leistung

Am Ende steht eine grundlegende Erkenntnis: Ein Staat, der Leistung vor allem verwaltet, statt sie zu ermöglichen, verliert Dynamik, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit. Wer Engagement einfordert, muss auch die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen es sich lohnt. Andernfalls bleibt die Leistungsgesellschaft ein Schlagwort, und die Motivation derjenigen, die sie tragen, schwindet weiter.

Über Johannes Fritz:

Johannes Fritz ist Bauunternehmer und Projektentwickler mit mehr als fünfzehn Jahren Erfahrung in der Immobilienbranche. Als langjähriges aktives CDU-Mitglied engagiert er sich politisch und kandidiert 2026 als Ersatzkandidat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Sein Fokus liegt auf der nachhaltigen Sanierung von Altbauten mit sozialem und ökologischem Mehrwert. Mehr unter johannesfritz.net.

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