Unternehmen binden immer mehr Kapital – und das immer länger

PwC-Studie zum Working Capital Management (WCM) in der DACH-
und Benelux-Region: Netto-Umlaufvermögen steigt 2018 um 8,7 Prozent / Bestands-
und Forderungsreichweite entwickeln sich negativ / Verbesserungen zum Vorjahr im
Verbindlichkeitenprozess / PwC-Experte: „Mit einem digitalen Ansatz lässt sich
das WCM signifikant verbessern.“

Die Working-Capital-Performance von Unternehmen aus der DACH-Region und den
Benelux-Ländern hat sich erneut verschlechtert: Im Jahr 2018 ist das
Netto-Umlaufvermögen (Net Working Capital, NWC) um 8,7 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr gestiegen, während die Umsätze im Schnitt nur um 4 Prozent zulegten.
Insbesondere bei der Forderungs- und Bestandsreichweite schneiden die
Unternehmen schwächer ab, zeitgleich zeichnet sich beim Umgang mit
Verbindlichkeiten ein positiver Trend ab. Zu diesen Ergebnissen kommt eine
Analyse, für die PwC den Umgang mit dem Working Capital von 622 Unternehmen aus
der DACH-Region und den Benelux-Ländern analysiert hat.

Kapitalbindungsdauer steigt auf 53,5 Tage

Die analysierten Unternehmen hatten 2018 rund 459 Milliarden Euro an Kapital
gebunden – das waren 37 Milliarden Euro mehr als 2017. Parallel dazu ist die
Kapitalbindungsdauer um weitere zwei Tage gestiegen – auf insgesamt 53,5 Tage.
Im Vergleich zu 2014 hat sich diese zentrale Kennzahl sogar um 5,5 Tage
verschlechtert: Damals betrug die Kapitalbindungsdauer im Schnitt 48 Tage.
Dieser Negativtrend zeigt sich auch, wenn man die deutschen Unternehmen isoliert
betrachtet: Die Kapitalbindungsdauer in deutschen Firmen ist in den vergangenen
fünf Jahren um neun Tage gestiegen und liegt nun bei 54 Tagen.

Working Capital Management als Hebel zur Wertsteigerung

„Wenn die Wirtschaft schwächelt, steigt der Kostendruck. Vor diesem Hintergrund
rückt das Thema Working Capital Management als wichtiger Hebel im
Wertschöpfungsprozess an die Spitze der Agenda der Finanzchefs. Das gilt umso
mehr vor dem Hintergrund der digitalen Transformation, für die Unternehmen in
neue Technologien investieren müssen. Und dafür braucht es finanzielle Mittel,
die sich auch aus dem Netto-Umlaufvermögen gewinnen lassen“, kommentiert Rob
Kortman, Leiter Working Capital Management bei PwC Deutschland.

Raum für Verbesserungen sieht der PwC-Experte insbesondere im Bereich Bestands
-und Forderungsreichweite. Bei diesen beiden Kennzahlen hat sich die Performance
der Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren deutlich verschlechtert: Die
Bestandsreichweite (Days Inventory On-Hand, DIO), also der Zeitraum zwischen
Wareneingang und Entnahme, stieg von 57,6 Tagen im Jahr 2014 auf 66,3 Tage im
Jahr 2018 (Deutschland: 65 Tage). Die Forderungsreichweite (Days Sales
Outstanding, DSO), also die Spanne zwischen Bestelldatum und Zahlungseingang,
lag 2018 bei 50,3 Tagen – das waren vier Tage mehr als im Jahr 2014.

Optimierung der Verbindlichkeiten weitgehend ausgeschöpft

Ein positiver Trend lässt sich bei den Verbindlichkeiten (Days Payables
Outstanding, DPO) erkennen. Die Periode zwischen Rechnungsdatum und Bezahlung
ist in den vergangenen Jahren um 6,6 Tage gestiegen – auf 61,5 Tage
(Deutschland: 58 Tage). Kortman begründet diese Entwicklung folgendermaßen:
„Viele Unternehmen haben ihre Verbindlichkeiten in den vergangenen Jahren
zulasten ihrer Zulieferer optimiert. Der hohe Druck auf die Lieferanten lässt
sich allerdings nicht weiter verschärfen – auch aus regulatorischen Gründen. In
diesem Bereich sind also kaum mehr Steigerungen möglich.“

Unternehmen müssen sich nun darauf konzentrieren, ihre Lagerbestände zu
optimieren und ihre Forderungen schneller einzutreiben. Die Forderungsreichweite
lässt sich verbessern, indem Firmen den Zeitpunkt der Rechnungsstellung
optimieren und ein proaktives Forderungsmanagement betreiben. Zudem komme es
darauf an, die Durchlaufzeiten im Vorratsvermögen zu reduzieren, indem
Unternehmen die operative Effizienz ihrer Lieferketten in den Fokus rücken, so
der PwC-Experte.

Innovative Technologien unterstützen bei Verbesserung des WCM

Bei dieser Aufgabe kann die Digitalisierung wertvolle Dienste leisten: „Bei der
Optimierung des Umlaufvermögens wird es immer wichtiger, das Potenzial
innovativer Technologien wie Data Analytics, Künstlicher Intelligenz und Robotic
Process Automation (RPA) zu nutzen“, so die Einschätzung von Kortman. „Durch
Datenanalysen und Künstliche Intelligenz lassen sich etwa Vorhersagemodelle um
zentrale Kennzahlen – wie die aktuelle Nachfrage – ergänzen. Auf dieser Basis
können Unternehmen die Präzision von Vorhersagen verbessern und ihre Bestände
optimieren“, so der Experte weiter.

Negativ-Trend in der Automobilbranche

Deutliche Unterschiede im Umgang mit dem Umlaufvermögen zeigen sich je nach
Branche und Unternehmensgröße. Im Anlagenbau konnten die Unternehmen ihre
Kapitalbindungsdauer seit 2014 um 14 Tage drücken. In der Automobilbranche hat
sich die Leistung der Unternehmen im Bereich WCM dagegen verschlechtert: Die
Kapitalbindungsdauer stieg dort in den vergangenen fünf Jahren um zehn Tage.

Abstand zwischen großen und kleinen Unternehmen schrumpft

Auch die Größe eines Unternehmens wirkt sich auf die Leistung im Bereich Working
Capital Management aus. Die Schere geht jedoch nicht mehr ganz so weit
auseinander wie noch vor fünf Jahren: 2018 betrug die Differenz zwischen großen
und kleinen Unternehmen bei der Kapitalbindungsdauer 30 Tage, 2014 waren es noch
35 Tage. Unterschiede zeigen sich in allen Bereichen der Prozesskette. „Größere
Unternehmen profitieren von ihrer Marktmacht, sie können günstigere Konditionen
mit Zulieferern aushandeln – und sie organisieren ihre Lieferketten häufig
effizienter“, so Kortman. Der wichtigste Treiber für die Performance beim
Working Capital Management sei die Bestandsreichweite. Und bei dieser Kennzahl
schneiden große Unternehmen im Schnitt um 23 Tage besser ab als kleine Firmen.
„Mittelgroße und kleinere Unternehmen stehen auch weiterhin vor der
Herausforderung, ihre Lieferkettenprozesse zu optimieren – und dabei auch die
Stärken innovativer Technologien zu nutzen“, so das Fazit des PwC-Experten.

Hier geht es zur Studie:
www.pwc.de/de/deals/unternehmen-schwaecheln-beim-working-capital-management.html

Über PwC:

PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und
wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 276.000 Mitarbeiter in 157 Ländern tragen
hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen
Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei. Die Bezeichnung PwC
bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich
selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter
www.pwc.com/structure.

Pressekontakt:

Franziska Weyer
PwC Communications
Tel.: (0211) 981 – 76 11
E-Mail: franziska.weyer@pwc.com

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/8664/4533051
OTS: PwC Deutschland

Original-Content von: PwC Deutschland, übermittelt durch news aktuell

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