Wachstumsjahr für bayerische Volksbanken und Raiffeisenbanken

Für die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern war das Jahr
2019 von Wachstum geprägt. Trotz der konjunkturellen Abschwächung verzeichneten
die Kreditgenossenschaften wie schon in den Vorjahren eine deutlich gestiegene
Kreditnachfrage. Das gab der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) am Dienstag bei
seiner Bilanzpressekonferenz in München bekannt.

Das Volumen der ausgereichten Kredite erreichte ein neues Rekordniveau und hat
nochmals um 6,3 Prozent auf knapp 109 Milliarden Euro zugelegt. Auch die
Kundengelder sind um 5 Prozent auf 136,6 Milliarden Euro angewachsen. Die
Bilanzsumme der im GVB zusammengefassten 227 Volksbanken und Raiffeisenbanken
stieg von knapp 168 Milliarden Euro Ende 2018 auf rund 176 Milliarden Euro zum
Ende des vergangenen Jahres. Das entspricht einem Plus von 4,9 Prozent. Trotz
des schwierigen Gesamtumfelds erwirtschafteten die Banken vor Steuern ein
Ergebnis von rund 1,65 Milliarden Euro.

“Der Wachstumskurs der vergangenen Jahre setzt sich fort”, kommentierte
GVB-Präsident Jürgen Gros die aktuellen Zahlen. “Das Vertrauen in die Solidität
der Volksbanken und Raiffeisenbanken ist ungebrochen”, ergänzte er.

Sondereffekte führen zu Ergebnissteigerung

Das Ergebnis vor Steuern legte im vergangenen Jahr um 32,5 Prozent auf rund 1,65
Milliarden Euro zu. Die Ergebnissteigerung ist vor allem auf zwei Effekte
zurückzuführen: Den Größten hatte die Erholung an den Aktien- und
Anleihemärkten. “Alleine durch eine Neubewertung von Wertpapieren verzeichnen
die Genossenschaftsbanken eine Zuschreibung in Höhe von 154 Millionen Euro,
nachdem im Vorjahr noch Wertberichtigungen von minus 310 Millionen Euro zu Buche
geschlagen waren”, erklärte Gros. Dabei handele es sich aber in erster Linie um
reine Buchkorrekturen. “Die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken holen
hier das wieder auf, was sie im Vorjahr an Abschreibungen hinnehmen mussten”,
erklärte Gros.

Der zweite Ergebnistreiber war das Provisionsgeschäft. Hier konnten die
Genossenschaftsinstitute eine Steigerung von fast 10 Prozent auf knapp 1,2
Milliarden Euro vorweisen.

Das Zinsergebnis gab dagegen nochmals nach und belief sich auf 2,93 Milliarden
Euro. Das ist ein Rückgang um 26 Millionen Euro. Aufgrund regulatorischer
Vorgaben mussten die Banken Wertberichtigungen in Höhe von 34 Millionen Euro im
Kreditbuch vornehmen.

Einlagenzufluss ist ungebrochen

Der Einlagenzufluss bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken setzte sich 2019
ungebrochen fort. Insbesondere Firmenkunden legten vermehrt Geld bei den
Kreditgenossenschaften ein. Die Einlagen in diesem Bereich erhöhten sich um 6,3
Prozent auf 36,3 Milliarden Euro. Doch auch Privatkunden trugen zum Wachstum
bei. Deren Einlagen stiegen um 5,1 Prozent auf 90,4 Milliarden Euro. Einlagen
der öffentlichen Haushalte wuchsen hingegen nur leicht, um 0,8 Prozent auf 8
Milliarden Euro.

Dass die Einlagen nicht noch stärker gewachsen sind, ist der Tatsache
geschuldet, dass Kunden zunehmend renditestärkere Anlagen neben Girokonto und
Sparbuch wählen. Das zeigt sich daran, dass das Anlagevolumen bei
Verbundpartnern (Union Investment, R+V Versicherung sowie Bausparkasse
Schwäbisch Hall) um 13,3 Prozent zulegte. Das Gesamtvolumen der Kundenanlagen
belief sich im abgelaufenen Jahr auf 226,1 Milliarden Euro, ein Plus von 8,1
Prozent.

Kreditpartner der Häuslebauer und des Mittelstands

Das Kreditgeschäft wird in hohem Maße vom anhaltenden Boom am Bau getragen.
Privatkunden haben 48,5 Milliarden Euro bei Volksbanken und Raiffeisenbanken
ausgeliehen (+ 5,7 Prozent), ein Großteil davon, circa 42,7 Milliarden Euro,
sind Immobilienkredite.

Noch stärker ist die Kreditnachfrage von Unternehmen gestiegen – um 7 Prozent
auf knapp 57 Milliarden Euro. “Die schwächelnde Konjunktur des vergangenen
Jahres spüren wir im Kreditgeschäft der Mitgliedsbanken nicht”. Das liegt nach
Gros– Worten daran, dass die Unternehmenskunden der Kreditgenossenschaften
weniger vom volatilen Exportgeschäft abhängig seien und von der stabilen
Binnenkonjunktur profitierten.

Zusammen mit ihren Verbundpartnern verzeichnen die Volksbanken und
Raiffeisenbanken in Bayern ein Kreditvolumen von circa 129 Milliarden Euro, ein
Plus von 7 Prozent.

EZB-Politik weiterhin herausfordernd

“Die guten Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Banken
insbesondere aufgrund der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) vor
gewaltigen Herausforderungen stehen”, betonte Gros. “Wir müssen weiter von einem
langfristig niedrigen Zinsumfeld ausgehen, denn nach Prognosen der EZB wird das
Inflationsziel von unter, aber nahe 2 Prozent noch bis mindestens zum Jahr 2024
verfehlt.” Daran wird voraussichtlich auch die angekündigte Überprüfung der
EZB-Instrumentarien durch die neue Präsidentin Christine Lagarde nichts ändern.

In der andauernden Niedrigzinsphase wird insbesondere der Einlagenüberschuss zum
Problem. Zwar sei es den bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken 2019
gelungen, ihr Einlagenwachstum nahezu vollständig in neue Kredite umzuwandeln.
Dennoch verzeichneten sie 2019 einen Einlagenüberhang in Höhe von fast 28
Milliarden Euro. “Im aktuellen Anlageumfeld wird das immer mehr zur Belastung”,
erklärte Gros. Denn die Möglichkeiten zur Anlage seien begrenzt. In erster Linie
böten sich dazu Staats- und Unternehmensanleihen an. Diese rentierten aber bei
Null beziehungsweise negativ oder seien so risikobehaftet, dass sie für eine
Anlage ausschieden. Auch für das Parken der Gelder bei der Zentralbank fielen
Strafzinsen an, wenn Freigrenzen überschritten werden.

Hinzu komme, dass im Kreditgeschäft die Margen der Banken unter Druck geraten.
“Neukredite verzinsen sich niedriger als nach und nach auslaufende Altkredite”,
sagte Gros. Die Kosten für Bearbeitung und Risikovorsorge blieben dagegen
konstant.

Negativzinsen für Privatkunden kaum ein Thema

Von Negativzinsen bleiben Privatkunden bisher weitgehend verschont. Zwei Drittel
der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Bayern haben diese gar nicht eingeführt
und das verbleibende Drittel lediglich für eine kleine, vermögende Kundengruppe.
Entsprechende Konditionen für Neukunden dienen dazu, Bestandskunden zu schützen,
sofern nur das Ziel verfolgt wird, Geld auf dem Konto zu parken.

Nach Hochrechnungen des GVB sind derzeit deutlich weniger als 0,5 Prozent der
Privatkunden überhaupt betroffen. “Der durchschnittliche Privatkunde einer
Volksbank oder Raiffeisenbank hat weniger als 20.000 Euro auf seinem Konto
liegen. Das ist weit unterhalb der Grenzen, bei denen man anfängt, über
Negativzinsen nachzudenken”, stellte Gros klar. Die Banken seien stets darauf
erpicht, im Einvernehmen mit dem Kunden alternative Anlagen zu finden. Dies
könnten Aktien, Fonds oder Versicherungen sein.

Bei Firmenkunden und öffentlichen Anlegern zeichnet sich ein etwas anders Bild.
Hier gehören Negativzinsen und Verwahrentgelte seit Längerem zur gängigen
Praxis. Das lässt sich unter anderem mit den höheren Einlagesummen erklären.

Banken nicht als “Öko-Sheriffs” missbrauchen

Zu großen Umwälzungen werden die EU-Pläne zu “Green Finance” führen. Die Politik
will über die Banken Lenkungseffekte zum ökologischen Umbau der Wirtschaft
erzielen und die Kreditinstitute damit als “Öko-Sheriffs” missbrauchen.
Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind wichtige Ziele. “Es ist zu begrüßen, wenn
klar definiert ist, was als nachhaltig anzusehen ist”, sagte Gros. Das helfe
auch den Banken, die Kunden gezielt beraten zu können, die ihr Geld in
nachhaltige Anlagen investieren wollen.

Auf die Kreditvergabe sowie das Geschäft des Mittelstands kämen aber womöglich
gewaltige Umwälzungen zu. Die Kreditvergabe der Banken soll sich zukünftig ganz
wesentlich auf Klima- und Umweltverträglichkeit der Kreditnehmer konzentrieren.
Die bisherige Logik, Kredite anhand ihres Risikos zu bewerten, würde
aufgeweicht, wenn plötzlich weitere, mindestens gleichberechtigte Kriterien
hinzutreten. Dabei ist bislang unbeantwortet, ob grüne Investitionen per se ein
geringeres Risiko in sich bergen als herkömmliche. “Damit setzt man falsche
Investitionsanreize im Finanzwesen. Das wäre dann das Gegenteil von
Finanzstabilität und würde ein richtiges und wünschenswertes Ziel durch die
Bildung neuer Blasen ad absurdum führen”, fasste Gros zusammen.

“Green Finance” hat zudem gravierende Auswirkungen auf die Kreditversorgung
mittelständischer Unternehmen. Diese müssten ihre gesamten Geschäfte und die
ihrer Zulieferer auf Übereinstimmung mit Nachhaltigkeitszielen überprüfen. Das
könnte Unternehmen unter Druck setzen und den Mittelstand überfordern. Wenn sie
die Nachhaltigkeitsanforderungen nicht erfüllen, drohen ihnen Nachteile bei der
Kreditvergabe. Ähnliche Anforderungen kommen auch auf die Banken selbst zu, die
die ökologische Nachhaltigkeit ihres Geschäftsbetriebs nachweisen müssten, was
mit erheblichem bürokratischen Aufwand einherginge. Umso wichtiger ist es daher,
dass die Detailregelungen mit Augenmaß ausgelegt werden.

“Das, was Banken und Mittelstand jetzt bevorstehen könnte, würde regulatorisch
fast alles in den Schatten stellen, was wir in den vergangenen Jahren gesehen
haben”, warnte Gros. “Banken würden damit zu Handlangern der Politik”,
kritisierte der GVB-Präsident: “Es ist zu bezweifeln, ob allen Akteuren die
Folgen der Nachhaltigkeitspolitik bewusst sind.”

Die komplette elektronische Pressemappe zur Bilanzpressekonferenz:
https://www.gv-bayern.de/presse

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V. (GVB) vertritt seit mehr als 125 Jahren
die Interessen bayerischer Genossenschaften. Zu seinen 1.212 Mitgliedern zählen
227 Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie 985 Unternehmen aus Branchen wie
Landwirtschaft, Energie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen. Sie bilden mit
rund 50.000 Beschäftigten und 2,9 Millionen Anteilseignern eine der größten
mittelständischen Wirtschaftsorganisationen im Freistaat. (Stand: 31.12.2019)

Pressekontakt:

Dr. Gerald Schneider
Pressesprecher

Telefon: +49 89 / 2868 – 3402
Telefax: +49 89 / 2868 – 3405

E-Mail: presse@gv-bayern.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/24076/4542459
OTS: Genossenschaftsverband Bayern

Original-Content von: Genossenschaftsverband Bayern, übermittelt durch news aktuell

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