WDR Fernsehen mit Schwerpunktabend zu ThyssenKrupp am 25. November 2020

Das Unvorstellbare scheint plötzlich denkbar – das Ende des deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Die Belegschaft bangt seit Monaten um ihre Arbeitsplätze, wütend über Fehlentscheidungen, die sie nun ausbaden muss. Sie haben immer gute Arbeit abgeliefert und waren stolz, zu ThyssenKrupp zu gehören. Und jetzt? Welche Chancen hat der Konzern jetzt noch? Und wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Anlässlich der Krise des seit über 150 Jahren untrennbar mit dem Ruhrgebiet und der deutschen Industriegeschichte verbundenen Stahlriesen zeigt das WDR Fernsehen am 25. November 2020 in einem Schwerpunkt zu Thyssenkrupp drei Dokumentationen.

22.15 – 23:00 Uhr

aus der Reihe “Die Story”: Thyssenkrupp – Stahlriese am Abgrund? Ein Film von Ingolf Gritschneder, Michael Heussen und Wolfgang Minder

Stahl, das war immer das Kerngeschäft von Thyssenkrupp. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat die aufwändige Produktion den Industriekonzern in die größte Krise seines Bestehens gestürzt. Seit Monaten gibt es aus der Essener Konzernzentrale unterschiedliche Signale, wie es weiter gehen könnte. Eine konkrete Aussage fehlt. Klar ist: die Coronakrise hat alles noch viel schlimmer gemacht.

160.000 Mitarbeiter weltweit machen sich Sorgen. Allein in Duisburg, Europas größtem Stahlstandort stehen über 18.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Überkapazitäten, Energiepreise, Umweltauflagen und übermächtige Konkurrenz aus Asien seien die Hauptursachen der Krise, heißt es. Aber stimmt das? Einiges deutet darauf hin, dass vor allem Managementfehler an der Entwicklung schuld sind. Mittlerweile steht Thyssenkrupp finanziell so sehr mit dem Rücken zur Wand, dass selbst der Verkauf der lukrativen Aufzugsparte keine Besserung gebracht hat. Nun dürfe es keine Denkverbote mehr geben, ließ die Vorstandsvorsitzende Martina Merz im Mai 2020 verlauten. Was genau das bedeuten soll? Eine Zerschlagung oder sogar ein Verkauf der gesamten Stahlsparte oder gibt es doch noch einen dritten, zukunftsweisenden Weg? Die Führungsetage klammert sich an eine technologische Lösung: den sogenannten grünen Stahl, die Co?-neutrale Stahlgewinnung mithilfe von Wasserstoff. Aber ist das realistisch?

Die WDR-Autoren Ingolf Gritschneder, Michael Heussen und Wolfgang Minder haben versucht, Einblicke in einen Konzern zu gewinnen, der in den letzten zehn Jahren mehr durch dauernde Personalwechsel und einen strategischen Zick-Zack-Kurs in die Schlagzeilen geriet als durch positive Geschäftszahlen. Wie erleben die Arbeiter und Angestellten den Niedergang von Thyssenkrupp, eines Unternehmens, in dem viele seit Generationen einen verlässlichen Arbeitgeber sahen? Der Film fragt, wo die 17 Milliarden aus dem Verkauf der zukunftsträchtigen Aufzugsparte geblieben sind, beleuchtet die Hintergründe aktueller Fusions-Szenarien und die Rolle der drei großen Player: der Konzernspitze, der Krupp-Stiftung als größtem Anteilseigner und des schwedischen Investors Cevian, der nach seinem eigenen Firmencredo “eine aktive Eigentümerposition” anstrebt.

Redaktion: Gudrun Wolter

23:00 – 23:45 Uhr

Thyssen Krupp – Ende Legende Ein Film von Winfried Oelsner

Wie konnte es soweit kommen? Der Niedergang des einstigen Vorzeigekonzerns liegt nicht nur im Auf und Ab der Konjunktur. Die Geschichte von Thyssenkrupp ist auch eine Geschichte von Größenwahn, internen Machtkämpfen, Korruption und Missmanagement.

Es war eine spektakuläre Übernahmeschlacht. 1997 versucht Krupp seinen Erzrivalen Thyssen zu übernehmen. Das Pikante: Krupp selbst ist da eigentlich schon ein Sanierungsfall und viel kleiner als Thyssen. Mit einem auf Pump finanzierten Kauf von Thyssen will Krupp sich retten. Thyssen ist überrumpelt. Empört spricht man von “Wildwest-Manieren”. Zehntausende Stahlarbeiter gehen gegen die feindliche Übernahme auf die Straße. Schließlich einigen sich die beiden Konzerne auf eine friedliche Fusion.

Es ist das Ende einer fast hundertjährigen Rivalität. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wird Krupp durch seine Stahl- und Kanonenproduktion zum Mythos. Aber auch die betriebliche Sozialpolitik und der Glanz der Familiendynastie prägen das Ruhrgebiet bis heute. Dennoch steht Krupp auch nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder vor der Pleite. Ganz anders Thyssen: Weniger glamourös, aber dafür dezentraler und moderner geführt, kommt der Konzern besser durch die Stahlkrisen der 70er und 80er Jahre.

Mit der Fusion 1999 will man gemeinsam auf dem Weltmarkt bestehen. Doch intern gehen die Machtkämpfe weiter. Viele Konzern-Teile arbeiten nur nebeneinander, manche sogar gegeneinander. Eine echte Integration findet nicht statt.

Dennoch geht es nach der Jahrtausendwende aufwärts. Ein globaler Stahlboom lässt die Manager träumen. Ein neues Stahlwerk in Brasilien und ein Walzwerk in den USA sollen Thyssenkrupp zurück in die Weltspitze führen. Doch die Projekte in Übersee entwickeln sich zum Desaster. Unter anderem wählt man in Brasilien einen Standort in einem Sumpfgebiet und muss mit Pfählen den Untergrund aufwendig stützen. Die Mehrkosten gehen in die Milliarden. Doch eine starre, hierarchische Unternehmenskultur, Seilschaften und Rivalitäten um die Konzernspitze verhindern offensichtlich ein Umdenken – bis es irgendwann zu spät ist. Am Ende kosten die Projekte mehr als zehn Milliarden Euro. Geld das Thyssenkrupp bis heute für Investitionen in andere Konzernsparten fehlt. Es ist eine der größten Fehlinvestitionen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Und der Anfang vom Ende. Nach dem Tod des alten Konzernpatriarchen Berthold Beitz 2013 spitzen sich die Konflikte weiter zu. Führungschaos, ständige Strategiewechsel und eine anhaltende Konjunkturkrise bringen den Konzern immer tiefer in die roten Zahlen.

Inzwischen wird sogar ein Komplettverkauf der Stahlsparte nicht mehr ausgeschlossen. Damit verlöre der Traditionskonzern endgültig seine Wurzeln. Es wäre das Ende einer über 200-jährigen Firmengeschichte, die Industrie und Wirtschaft hierzulande geprägt hat.

Redaktion: Matthias Werth / ESD: 19.10.2020 im Ersten

23:45 – 00:30 Uhr

Berthold Beitz – Ein Leben zwischen Pflicht und Freiheit Ein Film von Reinhold Böhm

Berthold Beitz war einer der wichtigsten Wirtschaftsführer Deutschlands. 46 Jahre führte er einen der größten und umstrittenen deutschen Konzerne – Thyssen Krupp. Untrennbar ist sein Name mit dem Unternehmen verbunden. In den fünfziger Jahren wurde Beitz Generalbevollmächtigter des letzten Alleineigentümers, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Nach dessen Tod im Jahre 1967 steuerte Beitz den Konzern in den schwierigen Zeiten der Stahlkrise. Mit Kompetenz und Charme schaffte er es, den Ruf der “Waffenschmiede” Krupp zu verändern und gleichzeitig das traditionelle Gewicht des Konzerns wieder herzustellen: Auch im Nachkriegsdeutschland hat die Villa Hügel zahllose bedeutende Besucher gesehen, Regierungschefs, gekrönte Häupter und Wirtschaftskapitäne. Bis zu seinem Tode war Berthold Beitz die “graue Eminenz” im ThyssenKrupp-Konzern, auch wenn das operative Geschäft längst in anderen Händen lag. Sein Engagement für die deutsche Wirtschaft, und darüber hinaus für die Ostpolitik ging so weit, dass Johannes Rau ihn in seiner Zeit als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens als “Außenminister ohne Gehalt” bezeichnete. Viele Entwicklungen im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen sind bis heute mit ihm verbunden. Der Stiftungszweck der Krupp-Stiftung, die Förderung von Wissenschaft, Bildung, Sport und Kunst, spiegelte sich im ganzen Leben von Beitz wider. Er unterstützte Universitäten, vor allem die in Bochum und Greifswald, und gründete die Kulturstiftung Ruhr. Der Neubau des Folkwang Museums in Essen wäre ohne den Mäzen Beitz und die Krupp-Stiftung nicht möglich gewesen.

In seinem langen Leben hat Berthold Beitz viele Ehrungen erhalten, auch das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Herausragend ist diejenige, die ihm der Staat Israel verliehen hat: Als “Gerechter unter den Völkern”, weil er während des Krieges als junger Industrieller in Galizien vielen Juden das Leben gerettet hat. Die Dokumentation erinnert an Berthold Beitz und zeichnet seinen Lebensweg nach. Kurz vor seinem Tode hatte Beitz dem WDR ein langes Interview gegeben und auf sein Leben zurückgeblickt.

Redaktion: Mathias Werth, Beate Schlanstein / ESD: 15.01.2020, WDR Fernsehen

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