
KI-Agenten verlassen gerade die Experimentierphase. Im Finanzsektor analysieren bereits spezialisierte Agenten Märkte, unterstützen die Betrugserkennung und automatisieren Compliance-Prozesse. In anderen Unternehmen werden ganze Workflows auf mehrere spezialisierten Agenten verteilt. Software wartet längst nicht mehr nur auf Eingaben: Sie beobachtet, entscheidet und handelt selbstständig.
Für die IT-Sicherheit hat diese Entwicklung zwei Seiten. Auf der einen Seite gewinnen Security-Teams mehr Automatisierungsmöglichkeiten im Angriffs- und Schwachstellenmanagement. Auf der anderen Seite wachsen dieselben Möglichkeiten auch bei Angriffstechniken. Laut der Darktrace-Studie „The State of AI Cybersecurity 2026“ berichten bereits 87 Prozent der befragten Unternehmen von einem Anstieg KI-gestützter Angriffe.
Diese Entwicklung verändert vor allem die Angriffsgeschwindigkeit. Schwachstellen lassen sich schneller finden, Angriffsschritte automatisiert vorbereiten und bekannte Schwächen zügiger ausnutzen.
Für Security-Teams entsteht daraus ein ernstzunehmendes Risiko: Ein punktueller Pentest zeigt immer nur den Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt. Verändert sich die Umgebung kurz danach, kann auch das Risikobild bereits wieder ein anderes sein.
Don t get us wrong: Ein klassischer Pentest hat weiterhin seine klare Stärke. Menschen verstehen Kontext. Gute Pentester und Pentesterinnen erkennen ungewöhnliche Geschäftslogiken, denken kreativ und verfolgen Angriffspfade, die kein starres Prüfschema vorsieht. Die Herausforderung ist aber die Taktung des Pentests.
Unsere IT-Umgebungen werden laufend aktualisiert, APIs ergänzt, Cloud-Ressourcen verändert und Konfigurationen angepasst. Ein manueller Pentest kann tief prüfen – aber eben nur das, was zum vereinbarten Zeitpunkt im Scope liegt.
Die Debatte „manuell oder automatisiert?“ greift deshalb zu kurz. Wichtiger ist, welche Form des Testens zu welchem Use Case passt. Menschliche Pentester liefern Tiefe und Kontext. Agentische Verfahren spielen ihre Stärke dort aus, wo Frequenz, Skalierung und wiederholbare Validierung gefragt sind. Klassische manuelle Tests sind typischerweise punktuell angelegt, während automatisierte Verfahren laufend oder bei Bedarf ausgeführt werden können.
Agentisches Pentesting ist mehr als automatisiertes Scanning
Automatisierung gehört schon seit Jahren zum Pentesting. Scanner und Skripte arbeiten allerdings meist nach vordefinierten Abläufen: prüfen, Ergebnis liefern, fertig.
Agentische Systeme können auf das reagieren, was sie während eines Tests vorfinden. Führt ein Angriffspfad nicht weiter, probieren sie einen anderen. Öffnet eine Schwachstelle einen neuen Zugang, können sie diesen in die nächsten Testschritte einbeziehen.
Vereinfacht gesagt: Die Automatisierung arbeitet nicht nur eine Liste ab, sondern passt ihr Vorgehen an den Verlauf des Tests an.
Das hilft auch bei Fragen, die viele Security-Teams nur zu gut kennen: Welche Findings verdienen zuerst Aufmerksamkeit? Kann eine Schwachstelle tatsächlich ausgenutzt werden? Welche weiteren Systeme werden dadurch erreichbar? Und entsteht daraus ein Angriffspfad mit relevantem Risiko?
Diese zusätzliche Validierung durch agentisches Pentesting macht aus einer langen Schwachstellenliste eine deutlich brauchbarere Entscheidungsgrundlage. Pentesting entwickelt sich so von einer punktuellen Sicherheitsaufnahme zu einer kontinuierlicheren offensiven Validierung.
KI ersetzt den Pentester nicht – sie verändert seine Rolle
Wer daraus einen Wettbewerb „Mensch gegen KI“ macht, zieht aus der Entwicklung den falschen Schluss. Die sinnvollere Perspektive ist Arbeitsteilung, wie sie Adam Smith bereits im 18. Jahrhundert beschrieben hat. Agenten übernehmen Breite, Frequenz und wiederholbare Validierung. Menschen bleiben dort entscheidend, wo Geschäftskontext, außergewöhnliche Logik, Governance und Risikobewertung gefragt sind.
Das gilt umso mehr für autonome Systeme. Klare Grenzen, nachvollziehbare Ergebnisse und Möglichkeiten zum menschlichen Eingreifen gehören zur technischen Qualität eines agentischen Pentests. Ohne diese Leitplanken wird Autonomie selbst zum Risiko.
„Wir sollten agentisches Pentesting nicht als günstigere Kopie des klassischen Pentests betrachten“, erklärt Florian Kraus, General Manager DACH bei der DAGMA GmbH. „Der eigentliche Mehrwert liegt in einem anderen Sicherheitsmodell: Sicherheitslücken kontinuierlich entdecken, ihre tatsächliche Ausnutzbarkeit prüfen und kritische Angriffspfade schließen, bevor Angreifer sie nutzen. Unser Partner Hadrian verbindet dafür kontinuierliches Exposure Management mit automatisiertem, agentischem Pentesting – also präventive Sicherheit statt nachträglicher Bestandsaufnahme.“
Als Boutique-Distribution für Cybersecurity mit Sitz in Berlin und Teil der DAGMA Sp. z o.o., die 1987 in Katowice gegründet wurde, unterstützt die DAGMA GmbH mit fast 40 Jahren Markterfahrung Partner und Kunden bei der Auswahl und Umsetzung moderner Sicherheitslösungen. Das Portfolio umfasst bewusst ausgewählte europäische und internationale Hersteller mit klarer technologischer Differenzierung. Neben der Distribution bietet DAGMA umfassende Unterstützung entlang des gesamten Projektzyklus: von Presales, Consulting und Schulungen bis hin zu technischem Support.
Weitere Informationen unter https://dagma-security.eu