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Auch bei gleicher Beteiligung am Arbeitsmarkt: Frauen im höheren Erwerbsalter übernehmen häufiger die Pflege von Angehörigen als Männer

Zum Internationalen Frauentag am 8.3.2021

Bekanntlich übernehmen Frauen häufiger und in größerem Umfang die Pflege und Unterstützung von gesundheitlich eingeschränkten Angehörigen. Daniela Klaus und Claudia Vogel untersuchten, ob das stärkere Engagement von Frauen darauf zurückgeht, dass sie im Vergleich zu Männern weniger stark am Arbeitsmarkt beteiligt sind. Es zeigte sich jedoch, dass die stärkere Übernahme familialer Pflege sich nicht auf die geschlechtsspezifische Arbeitsmarktbeteiligung zurückführen lässt: Auch wenn Frauen in gleichem Umfang erwerbstätig sind und einen vergleichbaren beruflichen Status aufweisen, übernehmen sie diese Aufgaben weiterhin mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als Männer.

Für Deutschland liegt bislang keine empirische Arbeit vor, welche die Übernahme von Unterstützungs- und Pflegeaufgaben in der späten Erwerbsphase in Abhängigkeit von der Arbeitsmarktbeteiligung untersucht. Die vorliegende Studie auf Grundlage von Längsschnittdaten des Deutschen Alterssurveys (DEAS) betrachtet dazu zwei zentrale Merkmale der Arbeitsmarktbeteiligung im Alter von 40 bis 65 Jahren: Erwerbsumfang und berufliche Qualifikation. Sie kommt zu folgenden Befunden:

Für Männer wie für Frauen gleichermaßen gilt: Der Erwerbsumfang reduziert die Übernahme von Pflege und Unterstützung. Je mehr Stunden sie für die bezahlte Arbeit aufwenden, desto seltener übernehmen sie Unterstützung und Pflege und desto weniger Stunden wenden sie dafür auf.

Auch die berufliche Qualifikation spielt eine Rolle: Je höher ihr Berufsstatus ist, desto häufiger pflegen sowohl Männer als auch Frauen, jedoch wenden sie dafür auch desto weniger Stunden auf.

Dennoch zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen sind im Durchschnitt in deutlich geringerem Stundenumfang erwerbstätig (20 versus 31 Wochenstunden), ihr beruflicher Status liegt allerdings nur geringfügig unter dem der Männer. Und: erwerbstätige Frauen pflegen öfter und in größerem Umfang als erwerbstätige Männer.

Aber weder der im Durchschnitt deutlich geringere Erwerbsumfang der Frauen noch ihr geringerer beruflicher Status sind dafür verantwortlich, dass sie Andere häufiger unterstützen oder pflegen. Die Studie zeigt: Auch wenn Frauen im gleichen Umfang erwerbstätig sind und einen vergleichbaren beruflichen Status aufweisen, übernehmen sie diese Aufgaben häufiger als Männer. Für 55-jährige Frauen beispielsweise beträgt die Wahrscheinlichkeit Pflegeaufgaben zu übernehmen 22% gegenüber 14% für gleichaltrige Männer.

Ähnlich sieht es bei dem investierten Zeitumfang aus: Dass Frauen mehr Zeit für Unterstützung und Pflege aufwenden als Männer, geht nur zu einem kleinen Teil darauf zurück, dass sie sich weniger umfangreich am Arbeitsmarkt beteiligen. Über alle betrachteten Altersjahre liegt der Unterschied bei durchschnittlich etwa drei Wochenstunden.

Das lässt vermuten: Würden Frauen genauso häufig wie Männer in Vollzeit erwerbstätig sein, würden sie trotzdem mehr Pflege und Betreuung von Angehörigen leisten. Entsprechend muss von anderen Ursachen ausgegangen werden. Vermutlich kommen bei Entscheidungen zur Übernahme von Unterstützungs- und Pflegetätigkeiten im privaten Umfeld eine geschlechtsspezifische Sozialisation sowie andere erwerbs- und familienbiografische Aspekte zur Wirkung.

Unterschiede in der Übernahme bezahlter und unbezahlter Arbeit gehen mit starken sozialen Ungleichheiten einher, etwa mit geringeren Alterseinkommen und höheren Armutsrisiken für Frauen und laufen dem gesellschaftlichen und politischen Ziel der Geschlechtergerechtigkeit zuwider.

Die Studienergebnisse sind online verfügbar: Klaus, D. & Vogel, C. (2021): Geht das stärkere Engagement von Frauen in Pflege und Unterstützung auf ihre geringere Arbeitsmarktbeteiligung zurück? Ein Beitrag zur Gleichstellungsdebatte. Sozialer Fortschritt 70 (2021) 2, S. 53-108, https://doi.org/10.3790/sfo.70.2.53.

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. Im Rahmen der Studie werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Pressekontakt:

Stefanie Hartmann
Deutsches Zentrum für Altersfragen
Pressestelle
https://www.dza.de/presse.html
stefanie.hartmann@dza.de
Tel.: 030 / 260 740 25

Original-Content von: Deutsches Zentrum für Altersfragen, übermittelt durch news aktuell

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