Bedont: Wie aus einem Holzstuhl ein „A“ wird

Bedont: Wie aus einem Holzstuhl ein „A“ wird
Bedont (© )
 

Nürnberg. Beim Stuhl 20.20 von Bedont beginnt die Gestaltung mit einem Buchstaben. Das Designstudio Lorenz + Kaz nahm die vertraute, an ein kleines „h“ erinnernde Stuhlsilhouette als Ausgangspunkt und entwickelte daraus ein seitliches A-Profil. Die Rückenlehne sitzt dort, wo vordere und hintere Beine zusammentreffen. Dahinter steht eine Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Holz – und mit der Frage, wie sich ein Stuhl zusammensetzen lässt.

Wurzeln im wandernden Stuhlmacherhandwerk

Die italienische Marke führt ihre Geschichte auf Tiser zurück, einen Ortsteil von Gosaldo in den Dolomiten. Nach der eigenen Unternehmensdarstellung zogen ihre Vorfahren während der wärmeren Jahreszeiten als Stuhlmacher durch Europa. Hatten sie Kunden gefunden, fertigten sie deren Stühle vor Ort und kamen dabei in Scheunen oder Ställen unter. Bedont beschreibt seine Arbeit mit Holz als eine über drei Generationen gewachsene Tätigkeit. Die Fertigung wird dabei nicht als ausschließlich manuelle Arbeit verstanden: Handwerkliche Bearbeitung und moderne Maschinen ergänzen sich.

Massivholz ist nicht die einzige konstruktive Antwort

Wie unterschiedlich Holz innerhalb eines einzelnen Sitzmöbels eingesetzt werden kann, zeigt die ebenfalls von Lorenz + Kaz entworfene Familie Kalea. Ihr Gestell besteht aus Massivholz, die gebogenen Hinterbeine werden handwerklich gefertigt. Für Sitz und Rückenlehne kommt dagegen furniertes Mehrschichtholz zum Einsatz. Die Kollektion wurde für Restaurants und Cafés ebenso wie für private Essbereiche entwickelt.

Ein Holzstuhl muss also nicht durchgehend aus massiven Teilen bestehen. Für Möbelkäufer ist diese Unterscheidung aufschlussreicher als die pauschale Materialbezeichnung: Die sichtbare Holzart beschreibt noch nicht den gesamten Aufbau. Bei Kalea lohnt sich deshalb der getrennte Blick auf Gestell, Sitzfläche und Lehne. Wer Ausführungen vergleicht, sollte neben dem Holzton auch berücksichtigen, welche Bauteile massiv und welche mehrlagig aufgebaut sind.

Vier Schraubverbindungen und drei Sitzvarianten

Bei 20.20 gehen die Designer einen anderen Weg. Gerade und gebogene Mehrschichtholzteile mit Eschenfurnier bilden die Konstruktion. Der mehrlagige Aufbau ermöglicht laut Lorenz + Kaz zusammenhängende Formen an Stellen, an denen bei einer Massivholzkonstruktion Verbindungen zwischen Einzelteilen erforderlich wären.

Vier Schraubverbindungen zwischen Rückenlehne und Beinen ermöglichen es, den Stuhl zu zerlegen. Auch die Polsterung ist Teil des Konzepts: Essenza zeigt die ungepolsterte Ausführung, Pad ergänzt ein Sitzpolster, Soft zusätzlich eine gepolsterte Rückenlehne. Die charakteristische Grundform bleibt dabei erhalten. So unterscheiden sich die Varianten nicht durch eine vollständig andere Gestaltung, sondern durch die Ausführung von Sitz und Lehne.

Eine Möbelserie für unterschiedliche Sitzplätze

Andere Entwürfe richten den Blick stärker auf die Zusammenstellung eines Essbereichs. Zur Familie Shira gehören neben dem Stuhl eine gesonderte stapelbare Stuhlvariante, Barstühle, Hocker, eine Bank und ein Tisch. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen dem regulären Stuhl und der Stapelausführung: Die gemeinsame Serienbezeichnung allein beschreibt noch nicht sämtliche Funktionen eines Modells. Für Räume, in denen zusätzliche Sitzplätze nur zeitweise benötigt werden, ist gerade diese Differenzierung relevant.

Bedont-Produkte sind bei der Raum & Form Seidel GmbH über design-kiste.de erhältlich. Die Bedont-Übersicht auf design-kiste.de stellt unter anderem die Modelle Clip, Drive und Shira sowie ergänzende Tische und Sitzmöbel vor. Neben Stühlen gehören dort auch Barhocker, eine Bank und eine Liege zur vorgestellten Auswahl.

Ein zerlegbares A-Profil, ein Gestell mit gebogenen Hinterbeinen oder eine eigene Stapelausführung: Die Beispiele zeigen, dass hinter der Bezeichnung Holzstuhl bei Bedont unterschiedliche konstruktive Entscheidungen stehen. Wer diese mitbetrachtet, versteht nicht nur die Form, sondern kann auch die passende Ausführung für den eigenen Essplatz genauer bestimmen.