Überschuldung in Deutschland: Erkrankung, Sucht oder Unfall lösen 18 Prozent der Fälle aus, Arbeitslosigkeit folgt mit 17 Prozent

Überschuldung in Deutschland: Erkrankung, Sucht oder Unfall lösen 18 Prozent der Fälle aus, Arbeitslosigkeit folgt mit 17 Prozent
 

Erkrankung, Sucht oder Unfall waren 2025 der häufigste Hauptauslöser einer Überschuldung in Deutschland. Laut dem Statistischen Bundesamt entfielen auf diesen Anlass 18 Prozent der Fälle und auf Arbeitslosigkeit rund 17 Prozent; veröffentlicht wurden die Werte am 15. Juli 2026. Grundlage sind die Angaben von 738 der rund 1.360 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen zu etwa 187.000 beratenen Personen. Wer ein kleines Darlehen plant, verschiebt damit die entscheidende Frage von der Summe zur Laufzeit, also dazu, was kurze und lange Laufzeiten unterscheidet.

Die häufigsten Auslöser liegen außerhalb des Konsums

Die Erhebung des Statistischen Bundesamtes fragt nach dem Hauptauslöser, also nach dem Ereignis, das die Zahlungsfähigkeit gekippt hat. Nach Angaben der Behörde ergibt sich daraus ein klares Bild. Ganz oben stehen dabei nicht Anschaffungen, sondern Einkommensbrüche: Krankheit, Sucht oder Unfall mit 18 Prozent, Arbeitslosigkeit mit rund 17 Prozent. Bei Alleinerziehenden war der Statistik zufolge in etwa 23 Prozent der Fälle die Trennung, die Scheidung oder der Tod der Partnerin oder des Partners der Auslöser.

Die Schuldenhöhe verteilt sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sehr ungleich:

alle beratenen Personen: durchschnittlich 34.650 Euro

Männer: 39.717 Euro, Frauen: 29.500 Euro

alleinerziehende Väter: 46.219 Euro, alleinerziehende Mütter: 34.386 Euro

Einpersonenhaushalte: 32.155 Euro

Laut dieser Erhebung lebten 52 Prozent der beratenen Personen allein. Ein Einkommensbruch trifft einen Haushalt ohne zweite Einkommensquelle unmittelbar, weil kein Puffer die Lücke überbrückt.

Die Gläubiger sind häufig nicht die Banken

Die Statistik weist auch aus, wem die beratenen Personen Geld schuldeten. Laut der Auswertung hatten 57 Prozent Zahlungsrückstände gegenüber der öffentlichen Hand, 47 Prozent gegenüber Telekommunikationsunternehmen. Rückstände entstehen dort selten in einer Summe, sondern über viele kleine, laufende Beträge.

„Die Zahlen widerlegen die bequeme Erzählung vom leichtsinnigen Schuldner. Was Haushalte umwirft, ist fast nie die geplante Anschaffung, sondern der Monat, in dem das Einkommen wegbricht“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Krankheit und Pflege treffen die Haushaltsrechnung zuerst

Ein Pflegefall in der Familie verändert zwei Größen gleichzeitig: Er erhöht die laufenden Kosten und senkt oft die Arbeitszeit derjenigen, die die Pflege übernehmen. Genau diese Kombination steht hinter dem Auslöser, der laut der Erhebung mit 18 Prozent an erster Stelle steht.

Vor einer Finanzierung lohnt deshalb der Blick auf die Reihenfolge: erst die Leistungen der Pflegeversicherung und mögliche Zuschüsse, dann die Finanzierungslücke, dann die Rate. Wie sich diese Reihenfolge in der Praxis auflöst, beschreibt eine Darstellung dazu, worauf es bei der Finanzierung von Pflegekosten ankommt im Fachportal der Provimedia GmbH.

Der Zins im Neugeschäft bleibt auf hohem Niveau

Die Kosten einer Finanzierung sind dabei kein Nebenschauplatz. Laut der Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank vom 2. September 2026 lag der effektive Jahreszinssatz einschließlich sonstiger Kosten für neue Konsumentenkredite an private Haushalte im Juli 2026 bei 8,58 Prozent, nach 8,35 Prozent im Juni. Das Neugeschäftsvolumen betrug im Juli rund 9,2 Milliarden Euro.

Der Unterschied nach Zinsbindung ist beträchtlich. Der Statistik zufolge lag der Effektivzinssatz im Juli 2026 bei einer Bindung von über einem Jahr bis zu fünf Jahren bei 7,05 Prozent und bei einer Bindung von über fünf Jahren bei 9,00 Prozent. Eine längere Laufzeit senkt die Rate und erhöht die Gesamtkosten, und beide Effekte fallen bei einem knappen Haushalt unterschiedlich schwer ins Gewicht.

Woran sich der nächste Jahrgang messen lässt

Die Bundesbank veröffentlicht die Zinssätze für August 2026 nach eigener Ankündigung am 1. Oktober 2026, das Statistische Bundesamt legt die Überschuldungsstatistik jährlich vor; 2025 war der zwanzigste Berichtsjahrgang. Die aussagekräftigere Zahl ist dabei nicht die mittlere Schuldenhöhe, sondern die Verteilung der Auslöser.

Für die eigene Planung folgt daraus ein nüchterner Prüfschritt: Eine Rate sollte auch dann tragbar bleiben, wenn ein Einkommen für einige Monate ausfällt. Wo das nicht gelingt, ist die Beratungsstelle der günstigere Weg als eine zweite Finanzierung.

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