Change Management ohne Gesundheitsmanagement: Aktuelle BGM-Studie nimmt die digitale Transformation in den Blick

Die zunehmende Arbeitsverdichtung gepaart mit einer schlechten Führungskultur sind die zentralen Ursachen für psychische Belastungen und Erkrankungen in Unternehmen. Aber zu wenige Unternehmen schaffen es, psychisch belastende Faktoren im Rahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements nachhaltig zu betrachten und durch gezielte Maßnahmen zu minimieren. BGM wird auch nur selten mit Change Management in Verbindung gebracht. Das zeigt die Studie „BGM im Mittelstand 2019/2020“, die die Zeitschrift Personalwirtschaft zusammen mit dem Fürstenberg Institut, der ias-Gruppe und der Techniker Krankenkasse durchgeführt hat.
Bewegungsangebote dominieren
Schaut man auf die Top-Themen im BGM, sind es neben dem Arbeitsschutz vor allem Bewegungs-angebote, von denen Mitarbeiter profitieren. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden von gut 50 Prozent der Befragten angeboten. Das Thema Stressmanagement/Resilienz wird von 45 Prozent der Befragten in den Blick genommen.
Die psychische Gefährdungsbeurteilung gewinnt an Bedeutung
55 Prozent der befragten Unternehmen führen eine Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastungen (GB Psych) durch. Das sind zwar deutlich mehr im Vergleich zur Vorgänger-Studie 2015 (plus 20 Prozentpunkte), aber gemessen an den gesetzlichen Anforderungen zu wenig. Größere Unternehmen sind hier weiter (72 Prozent führen die Beurteilung durch). Allerdings: Nur 21 Prozent der Unternehmen, die die GB Psych umsetzen, berücksichtigen alle vom Gesetzgeber empfohlenen Prozessschritte.
Zusammenhang von digitaler Transformation und BGM wird unzureichend erkannt
Organisatorische Veränderungen, Arbeitsplatzunsicherheit, kürzere Innovationszyklen, höhere Lernanforderungen, neue Führungskonzepte – in fast der Hälfte der befragten Unternehmen stellen diese Punkte große Herausforderungen der Digitalisierung dar. Die digitale Transformation wird aber nur selten mit BGM in Verbindung gebracht. In nur 12 Prozent der befragten Unternehmen stellt die Begleitung der digitalen Transformation ein BGM-Ziel dar. Und fast die Hälfte der Befragten sagen, dass BGM bei einer organisatorischen Veränderung im eigenen Unternehmen keine wichtige Rolle spielt.
Immer noch zu viele Eintagsfliegen
Im Mittelstand fehlt zudem die strategische Ausrichtung des BGM. Nur 26 Prozent der befragten Unternehmen haben ein übergreifendes BGM-Konzept. 58 Prozent der Studienteilnehmer sind auch der Meinung, dass viele BGM-Maßnahmen nur Eintagsfliegen sind. Zudem mangelt es an klaren Zuständigkeiten und qualifizierten BGM-Beauftragten.

Zur Studie „BGM im Mittelstand 2019/2020“
Die Studienergebnisse basieren auf einer Online-Befragung, an der 284 Unternehmen teilgenommen haben. Zwei Drittel der Befragten arbeiten in Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern. Studienpartner sind das Fürstenberg Institut, die ias-Gruppe und die Techniker Krankenkasse. Marktforschungspartner ist die Lueerssen GmbH.

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