
Weilrod, 22. Mai 2026 – Sechs von zehn KI-Projekten in deutschen Unternehmen werden laut einer Gartner-Prognose bis Ende 2026 abgebrochen oder eingestellt. Eine im Mai veröffentlichte Erhebung der Plattform Digital Chiefs nennt einen weiteren Befund: Nur 14 Prozent der Unternehmen haben eindeutig definiert, wer in der Organisation für KI-Governance verantwortlich ist. Mit Inkrafttreten der ersten Hochrisiko-Vorschriften des EU AI Act am 2. August 2026 wird dieses Vakuum justiziabel.
Christoph Jimenez Ramos, Interims-Programmleiter und Governance-Architekt für komplexe IT-Vorhaben, kommentiert die Lage mit einem Bild aus seiner Bühnenarbeit: „KI ist der größte Elefant, den deutsche Unternehmen je versucht haben, durch eine normale Tür zu drücken. Der Elefant ist nicht das Problem. Die Tür ist es.“
Mit der Tür meint er die Steuerungsstruktur, in der ein KI-Vorhaben heute landet. Wer entscheidet über Anwendungsfälle, wer über Skalierung, wer über Abbruch? Wer trägt die Qualitätsverantwortung, wenn ein Modell falsche Ergebnisse liefert? Wer behält die Hoheit über das Wissen, wenn der externe Implementierungspartner geht? Drei Fragen, auf die viele Boards aktuell keine klare Antwort haben – und die der EU AI Act nicht mehr offenlässt.
Die strukturelle Diagnose hinter dieser Beobachtung ist nicht neu. Bereits 2018 veröffentlichte Jimenez Ramos in IT-Finanzmagazin und auf der Sopra Steria-Plattform digitale-exzellenz.de Beiträge, in denen er argumentierte, dass Software-Qualität nicht im Testlabor entsteht, sondern in der Steuerungsstruktur des Projekts. Was damals für Banken-Releases und Versicherer-Migrationen galt, gilt für KI heute doppelt: Probabilistische Systeme bestrafen schwache Governance schneller und teurer als deterministische.
„Qualität ist keine Methode. Sie ist eine Führungsentscheidung“, so Jimenez Ramos. „Wer drei Jahre lang IT-Projekte mit Entscheidungsstau und verteilter Verantwortung gefahren hat, baut auf dieser Basis keine funktionierenden KI-Initiativen. Er baut teurere Fehlversuche.“
Die Konsequenz aus seiner Sicht ist nicht ein neues KI-Tooling, sondern ein nüchternes Aufräumen vor dem Start: Entscheidungsmatrix klären, Qualitätsverantwortung in die Steuerung verlagern, Abhängigkeit von externen Partnern zeitlich befristen. Drei Schritte, die nichts mit KI zu tun haben – und genau deshalb über den Erfolg jeder KI-Initiative entscheiden.
Eine ausführliche Darstellung dieser Position findet sich im Executive Briefing „Qualität als Führungsentscheidung“ auf https://christophjimenezramos.de/executive-briefing/qualitaet-als-fuehrungsentscheidung/.
Über Christoph Jimenez Ramos
Christoph Jimenez Ramos ist Interims-Programmleiter und Governance-Architekt für komplexe IT- und Transformationsprojekte. Seit über 25 Jahren begleitet er Konzerne und mittelständische Unternehmen in kritischen Projektphasen, seit April 2025 selbständig unter eigenem Namen. Mit seiner Methode ZeroFire (Kommen. Lösen. Befähigen. Gehen.) bringt er festgefahrene IT-Vorhaben wieder in Bewegung – und zieht sich zurück, sobald die Steuerung intern wieder trägt. Mehr unter https://christophjimenezramos.de.