
Dies ist keine religiöse Abhandlung, sondern eine Diskussion über die Vorstellungen, die der Mensch seit ca. 3000 Jahren von dem sogenannten Bösen hegt. Denn die Vorstellung und die Wortschöpfung des Bösen finden nirgends in der Natur eine Entsprechung, weil sie eine willkürliche ideologische Schöpfung des Kulturmenschen ist. Der Mensch hat dadurch bereits von Beginn der Kulturbildung an seine natürlichen Fähigkeiten der Phantasie übertrieben und missbraucht und sich darüber in einer immer widernatürlicher, absolutistischer und megalomanischer werdenden Kulturgestaltung verirrt. Daher ist sowohl der Begriff des Bösen als auch des Guten zu einer künstlichen, übernatürlichen Polarität im menschlichen Bewusstsein geworden, die nur wenig mit der Natur zu tun hat. Auf diese Weise hat sich der Mensch nach und nach ein künstliches Kulturwesen verwandelt und sich durch eine entsprechend fortschrittliche Kulturentwicklung immer weiter von der Natur entfernt.
Das, was der Mensch noch heute unter einer Sünde versteht, ist die Folge einer missbräuchlich eingesetzten menschlichen Phantasie, die sich bis heute vor allem über die Auswirkungen der monotheistischen Religionsformen durch den göttlichen Befehl „Mache dir die Erde Untertan“ vollzieht. Dadurch ist der Mensch heute an einen Punkt gelangt, an dem er die Natur der Erde fortschrittlich überfordert und im Begriff ist, die menschliche Natur in etwas Automatisches und damit relativ unlebendiges zu verwandeln. Dabei huldigt der Kulturmensch allem seinen traditionellen übernatürlichen philosophischen Vorstellungen von der Perfektion, vom Absoluten und vom Unfehlbaren, die allesamt der menschlichen Phantasie entsprungen sind.
Was der Mensch daher heute mehr als alles andere benötigt ist ein Bedauern, eine innere Reue und eine Trauer darüber, dass er den natürlichen Pfad seiner ursprünglichen Entwicklung verlassen hat, um sich zunehmend in seiner eigenen immer bodenloser werdenden Phantasie zu verirren. Dadurch ist er heute im Begriff in einer zwanghaften Art das zu entwickeln, was wir als eine Kulturhölle bezeichnen können. Die heutige schwarze Blüte von destruktiven, selbstzerstörenden Vorstellungen und Verhaltensweisen, die zunehmend einer bodenlosen Gewalt das Wort reden und damit nach einer destruktiven „Erlösung“ streben sind alles extremistische Symptome einer fortschrittlichen kulturellen Fehlentwicklung.
Bislang glauben noch zu viele Menschen, dass man mit einem kitschigen Positivismus und Idealismus in der Art eines „Neusprech“ die für jeden Menschen zunehmenden kulturellen Alltagsprobleme mildern oder gar lösen kann. Zudem hoffen viele Menschen darauf, dass von irgendwoher ein Erlöser kommt und kommen dadurch nicht oder nur ungern auf die Idee, dass sie sich möglicherweise selbst erlösen müssen, weil der Mensch die heutige Kulturentwicklung durch sein „normal“ gewordenes übernatürliches Denken und Handeln selbst verursacht. Was der Einzelne dadurch unweigerlich fördert, ist die eigene Ohnmacht und eine ungehindert fortschreitende schleichende Zerstörung des Natürlichen und Sozialen in seinen Gemeinschaften.
Es ist ausgesprochen tragisch, dass im Weltbild der meisten heutigen Menschen die Idee, dass jeder Mensch für sich selbst und für seine Kulturen eine natürliche Selbstorganisation erreichen muss außen vor bleibt. Dadurch klammern sich viele Menschen an einem bodenlosen Konsum, als einer der letzten Möglichkeiten eine natürliche Freiheit und eine persönliche Kreativität und Individualität auszuleben. Die Hoffnung des heutigen Menschen ist dadurch bereits degeneriert und erheblich geschwunden, weshalb viele Menschen nicht mehr daran glauben, dass es der Mensch jemals schaffen wird, eine erträgliche biologische Kulturgestaltung zu erreichen. Ohne ein solches natürlich organisiertes Gemeinschaftsleben kann jedoch das besondere natürliche Wesen des Menschen seine Erfüllung nicht erreichen.
Für eine solche Erfüllung muss sich der Mensch heute für die natürliche Realität und Wahrheit öffnen und so wahrhaftig werden, dass das Natürliche dem Menschen dabei helfen kann, seine kulturelle Fehlentwicklung zu überwinden. Dafür gilt es auch die Destruktivität, mit welcher die traditionellen kulturellen Religionsstifter eine widernatürliche, verängstigende und alle Menschen schwach machende Religion erfunden haben bewusst zu identifizieren, in Frage zu stellen und den Blick nach Innen und auf die menschliche Natur in sich selbst zu richten. Dadurch kann der Mensch lernen, wieder aktiv auf seine innere natürliche Stimme zu hören. Auf diesem Weg kann der heutige Mensch die grundlegend pervertierte Kulturkonstitution der letzten 5000 Jahre wieder von ihrem bodenlos destruktiv gewordenen idealistischen Kopf auf die gesunden Füße eines relativen, natürlichen Denkens stellen.
Sobald sich der Mensch ernsthaft mit den von ihm selbst geschaffenen Kulturproblemen auseinandersetzt und begreift, von welch einer widernatürlichen Wesensart diese Probleme sind, kann er auch die biologische Einsicht von Ursache und Wirkung für diese Probleme erreichen. Eine solche Entwicklung ist notwendig, damit der Mensch aus einem eigenen natürlichen Denken und Handeln heraus die menschliche Selbstorganisation wieder in Ordnung bringt. Erst eine solche Agenda ermöglicht dem heutigen Menschen ein aktives und bewusstes Drängen darauf, dass seine Kulturen dazu übergehen, nach einer natürlichen Ordnung und Freiheit in einer einander ergänzenden Weise streben.
Die universale Natur kennt nur eine wesentliche Polarität, die einander vervollständigenden lebendigen Pole der natürlichen Ordnung und der natürlichen Freiheit (Chaos), deren relative natürliche Gegensätze eine ständige lebendige Dynamik entfalten. Durch diese dynamische universale Verfassung wurde auch eine biologische, materielle Lebensorganisation möglich, wie wir sie auf der Erde finden. Wer dieses universale Wesen begriffen hat, dem wird klar, dass jede „Verbesserung“ dieser natürlichen Grundordnung durch den Menschen innerhalb der Standeskulturen der letzten 5000 Jahre durch eine absolutistische Diktatur so oder so destruktive Konsequenzen für die Selbstorganisation des Menschen zeitigen musste.
Dies gilt heute im besonderen Maße für alle fanatischen menschlichen Bestrebungen wie etwa dem einseitigen kapitalistischen Streben nach einer effektiven Wirtschaftsleistung durch eine absolute Ordnung, die den Ausgleich einer natürlichen Ökonomie durch das Verwirklichen einer ausreichenden Elastizität (Flexibilität, Freiheit) vergisst und in jeder Form einer direkten oder indirekten Kulturdiktatur ausschließt. Die heutige einseitige idealistische Fixierung der Wirtschaft auf die Ziele der maximalen Effektivität wird in der Regel durch ein unnatürliches, suchtartiges menschliches Streben nach einer übernatürlichen Macht und nach einem übernatürlichen Reichtum verursacht. Dadurch konzentriert sich der materielle Reichtum und die kulturelle Macht heute bei nur wenigen Menschen, so dass viele „einfache“ Menschen zu wenig Einfluss und Vermögen haben, weil die natürlichen Ressourcen begrenzt sind. Für diese destruktiven Kultur-Phänomene praktizieren heute zu viele Menschen eine liberale „Toleranz“ und erlauben es dadurch allen Menschen, den gesunden maßvollen Ausgleich der natürlichen Ordnung und der natürlichen Freiheit in allen Kulturen nach Belieben zu missachten.
Diese Missachtung ist bereits so groß, so generell und so selbstverständlich geworden, dass der Begriff der Freiheit allzu oft als ein Freibrief für ein parasitäres oder ein anderes asoziales Verhalten in die Wirkung kommt. Die natürliche Freiheit benötigt für ihre konstruktive Verwirklichung den ausgleichenden natürlichen Gegenpol der natürlichen Ordnung. Die natürliche Ordnung ist für alle Menschen eine unabdingbare sichere Basis, durch die ein Mensch erst seine mentalen und emotionalen Flügel ausbreiten und das Risiko der Freiheit kosten und genießen kann. Ohne eine natürliche Ordnung wird die Freiheit zu einer Beliebigkeit, durch die sich der Mensch in einem Labyrinth der Willkür verlieren kann. Eine natürliche soziale Ordnung gibt daher bereits dem Kind die innere Sicherheit, die es braucht um den Mut zu entwickeln, die natürliche Freiheit, Kreativität und Individualität der menschlichen Natur zu erfahren.
Eine zu strenge absolutistische Ordnung, wie sie seit 5000 Jahren in den menschlichen Kulturen „normal“ ist, reduziert oder verhindert das Erleben von natürlicher Freiheit. Dies macht deutlich, dass die wesentliche Kunst für eine glückliche menschliche Selbstorganisation von der Kunst jedes Menschen abhängt ein natürliches Gleichgewicht von Ordnung und Freiheit innerhalb seiner persönlichen und in seiner gemeinschaftlichen Organisation aufrecht zu erhalten.
Um ein solches natürliches Gleichgewicht nachhaltig aufrecht erhalten zu können, ist es für den heutigen Menschen wichtig zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass der Mensch – ein außergewöhnlich sozial sich organisierendes Wesen – über die letzten 5000 Jahre eine Standeskultur am Leben erhalten hat, die aus wenigen megaparasitär sich organisierenden Herrschern und vielen Diener- und Sklavenmenschen besteht.
Der Grund hierfür ist einfach und begründet auch heute noch alle Fehlannahmen, Irrtümer und widernatürlichen Kulturprozesse des Menschen. Er besteht in der Entdeckung, dass eine übernatürliche Übertreibung gleichgültig wie falsch sie auch immer in ihrem Gehalt oder in der Darstellung der Realität sein mag einen religiösen, ideologischen oder emotionalen Einfluss zu erzeugen kann, der die relative geistige und emotionale Verfassung der menschlichen Natur überfordert und übergeht und dadurch auch überwältigen kann. In dem Begriff überwältigen steckt der Begriff der Gewalt als einem realen Ereignis, weshalb eine übertriebene, übernatürliche, absolutistische oder gar fanatische Einflussnahme als eine gewaltsame unnatürliche Einflussnahme vom heutigen Menschen begriffen werden muss, damit der Einzelne faktisch nachvollziehen kann, was für grundsätzliche Folgen eine solche Einflussnahme hat.
Ein absolutistisches oder gar fanatisches religiöses, ideologisches oder emotionales Denken und Verhalten verursacht in denen, die damit konfrontiert werden, nicht ohne Grund eine übernatürliche Angst, die auch panische oder allergische Reaktionen zur Folge haben kann, je nachdem wie sehr ein solches Verhalten die natürlichen Grenzen des menschlichen Sozialverhaltens überschreitet. Insbesondere Kinder sind dafür anfällig, da sie im Gegensatz zu den Tieren eine lange Zeit von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld völlig abhängig bleiben.
Bis heute ist es so geblieben, dass die gegenüber der natürlichen sozialen Verfassung des Menschen unnatürlichen, absolutistischen, abartigen und fanatischen, mit einer Gewaltbereitschaft vorgebrachten Behauptungen eine durchschlagende Wirkung auf das natürliche menschliche Gemüt haben. Dadurch entsteht für die Betroffenen ein innerer Konflikt und der regelrechte Versuch die letztlich destruktiven geistigen oder emotionalen Einwirkungen wieder loszuwerden, was nur schlecht bis gar nicht gelingt. Der Mensch kann wie alle natürlichen Lebewesen der Erde nur relative natürliche Botschaften und Einflüsse verarbeiten und ist auf unnatürliche, übernatürliche, absolutistische, abartige und fanatische Einwirkungen der ideologischen, emotionalen und auch der körperlichen Art nicht vorbereitet und damit diesen Einflüssen auch nicht gewachsen. Darin liegt im Grunde das ganze Elend inbegriffen, dass sich der Mensch seit der Erfindung der megalomanischen Standeskulturen in Mesopotamien, in Ägypten in Indien und in China selbst verursacht und heute auf eine tragische Weise „fortschrittlich“ potenziert.
Der Grund für diese Verirrung des Menschen ins Haltlose und Bodenlose war der Beginn eines absolutistischen menschlichen Strebens nach Macht und Vermögen, das nicht länger auf eine soziale und symbiotische menschliche Natur Rücksicht nehmen wollte und auf eine absolutistische asoziale und parasitäre Weise erfolgt ist. Bis heute gilt dabei, dass sich kein Mensch, der einen anderen Menschen über den Tisch ziehen oder zu seinem Diener machen will, eine symbiotische Beziehungsform der Kameradschaft, der Freundschaft oder gar der Liebe zu diesem Menschen leisten kann. Die Folge daraus ist die in der Regel versteckt erfolgende Agenda einer parasitären Beziehungsentwicklung, die sich darauf ausrichtet eine Kameradschaft, Freundschaft oder Liebe nur vorzuspielen, was sich in der Regel auf dem Weg einer positivistischen „Alles ist gut Beziehung“ und durch die Produktion von schönen Illusionen und übertriebenen Schmeicheleien vollzieht.
Es ist daher für den heutigen Menschen wichtig zu begreifen, dass ein parasitär sich organisierender Mensch keine echten Gefühle in seinen Wirt investiert, weil er ansonsten einen inneren Widerspruch zu seiner Überlebensstrategie generiert und eine folgenschwere schizophrene Entwicklung innerhalb seiner Selbstorganisation riskiert.
Was daher durch die ersten megalomanischen Standeskulturen entstanden ist, ist die Verwandlung der relativen sozialen symbiotischen Orientierung des Menschen in einen absolutistischen Parasitismus, der bis heute unehrliche, kitschige und tyrannische zwischenmenschliche Beziehungen am laufenden Band produziert. Viele der betroffenen Beziehungen sind von einer übernatürlichen Dramaturgie geprägt und tendieren dadurch mit der Zeit dazu, völlig unerträglich zu werden, da man eine derartige Gewaltbeziehung allenfalls durch eine sado-masochistische Beziehungsgestaltung am Leben erhalten kann. Dies führt zu einem eigenständigen „fortschrittlichen“ Teufelskreis innerhalb der Beziehung, der in der Regel ein heilloses gewaltsames Ende findet, sei es durch Wortgefechte, durch einen emotionalen Krieg oder durch körperliche Gewalttaten.
Wir können heute in den Versuchen des israelischen Volkes in Babylon, sich aus der Hoffnungslosigkeit und Depression durch einen religiösen Glauben an einen einzigen allmächtigen Gott zu retten, den Beginn einer übernatürlichen religiösen Dramaturgie erkennen. Diese Dramaturgie findet in der Bibel ihre direkte Dokumentation und kann den Leser heute nach wie vor überwältigen und mental fesseln. Eine solche Dramaturgie, die dazu tendiert alle Erzählungen auf eine übernatürliche Weise zu übertreiben, reicht wie alles Übernatürliche, Absolutistische und Fanatische aus, den relativen, biologisch arbeitenden Verstand des Menschen zu überfordern, zu überwältigen und auszuschalten.
Je nachdem wie sehr und wie weit die menschliche Phantasie dabei den natürlichen Rahmen des biologischen Denkens und Handelns verlässt und sich zu einer überirdischen phantastischen Ideenentwicklung von der Welt verleiten lässt, entsteht für den Menschen die Gefahr der Verirrung in bodenlos werdende phantastische Vorstellungen.
Ein Beispiel dafür ist die heutige Überzeugung vieler Menschen, dass alles erlaubt ist was jeweils „himmlisch“ ist. Bis heute übersieht der Mensch dadurch, dass seine himmlischen Betrachtungen und seine Phantasien von einer paradiesischen Welt, die irdische Welt unbewusst ständig abwerten und im Weltbild des Menschen erniedrigen. Dadurch ist der Mensch in einer überaus leichtsinnigen Weise dahin gekommen, die Natur der Erde zu einem Produktions-Sklaven zu degradieren und nach einem parasitären Paradies auf der Erde zu streben, durch das der Mensch heute seine biologischen Lebensgrundlagen in einer fortschrittlichen Weise unterminiert.
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