Digitalisierung im Rechnungswesen: Vom Dokument zum Datensatz – und warum das ganze Unternehmen betroffen ist

Digitalisierung im Rechnungswesen: Vom Dokument zum Datensatz – und warum das ganze Unternehmen betroffen ist
Jochen Treuz – Experte für die Digitalisierung im Rechnungswesen (© Jochen Treuz)
 

Vom Dokument zum Datensatz
In der Praxis zeigt sich schnell, dass die Auswirkungen deutlich weiter reichen. Mit der elektronischen Rechnung verändert sich ein grundlegender Aspekt der Unternehmensprozesse: der Umgang mit Daten.

Elektronische Rechnungen enthalten strukturierte Informationen zu Geschäftspartnern, Leistungen, Steuern und Zahlungsbedingungen. Diese Daten können automatisiert geprüft, verarbeitet und weiterverwendet werden.

Die Rechnung wird damit von einem Dokument zu einem Datensatz innerhalb digitaler Unternehmensprozesse.

Diese Entwicklung verändert die Rolle des Rechnungswesens grundlegend.

Strukturierte Rechnungsdaten verändern Prozesse
Sobald Rechnungen als strukturierte Daten vorliegen, können sie direkt in Unternehmenssystemen verarbeitet werden. Prüfungen, Buchungen und Weiterverarbeitungen lassen sich teilweise automatisieren.

Damit verschiebt sich der Fokus vieler Projekte. Während früher häufig einzelne Dokumente im Mittelpunkt standen, rücken heute Datenstrukturen, Schnittstellen und Prozessketten in den Vordergrund.

Die Frage lautet daher nicht mehr nur, wie eine Rechnung erstellt oder empfangen wird. Entscheidend ist, wie Rechnungsdaten in die digitalen Prozesse eines Unternehmens eingebunden sind.

ERP-Systeme als zentrale Plattform
Eine Schlüsselrolle spielen dabei ERP-Systeme. Sie verbinden Rechnungswesen, Einkauf, Vertrieb, Lager, Projektmanagement und Controlling miteinander.

Sobald Rechnungsdaten automatisiert verarbeitet werden sollen, müssen auch andere Unternehmensbereiche ihre Daten und Prozesse entsprechend strukturieren. Bestellungen, Leistungsbeschreibungen, Stammdaten oder Projektinformationen werden Teil derselben digitalen Prozesskette.

Folge: Die Digitalisierung des Rechnungswesens führt dazu, dass auch andere Unternehmensbereiche ihre Prozesse digitalisieren müssen.

Business Intelligence: Aus Daten werden Steuerungsinformationen
Mit der Einführung oder Weiterentwicklung von ERP-Systemen entstehen zugleich neue Möglichkeiten für Auswertungen.

Business-Intelligence-Tools (BI-Tools) greifen auf Daten aus ERP-Systemen zu und ermöglichen es, Kennzahlen, Entwicklungen und Zusammenhänge schneller zu analysieren und darzustellen.

Während Auswertungen früher häufig erst am Monats- oder Quartalsende vorlagen, können Daten heute zeitnäher und oft auf Knopfdruck genutzt werden. Für Controlling und Geschäftsleitung entsteht damit eine neue Grundlage für Entscheidungen.

KI im Rechnungswesen: parallele Entwicklung
Beim Thema Künstliche Intelligenz lässt sich derzeit eine parallele Entwicklung beobachten.

Zum einen werden durch Softwareanbieter schrittweise KI-Funktionen in bestehende Anwendungen integriert. ERP-Systeme, Dokumentenmanagementlösungen und Buchhaltungssoftware erweitern ihre Systeme um KI-gestützte Klassifizierungen, Prognosen oder Assistenzfunktionen.

Zum anderen stehen Unternehmen vor der Aufgabe, sich strukturiert mit dem Einsatz von KI zu beschäftigen. Neben den technischen Fragen geht es auch um organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen.

Dazu gehören unter anderem:

* klare Prozessdefinitionen
* Verantwortlichkeiten für KI-gestützte Entscheidungen
* Anforderungen aus Datenschutz und EU-KI-Verordnung
* Fragen der Mitbestimmung.

Gleichzeitig müssen Unternehmen auch Risiken berücksichtigen, etwa fehlerhafte Ergebnisse, mangelnde Nachvollziehbarkeit oder falsche Trainingsdaten.

Digitalisierung des Rechnungswesens als Unternehmensprojekt
Die Einführung der elektronische Rechnungsabwicklung und die damit mögliche weitere Digitalisierung des Rechnungswesens werden häufig als isoliertes IT-Thema betrachtet. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell ein größerer Zusammenhang.

Elektronische Rechnungen liefern strukturierte Daten, die in ERP-Systemen weiterverarbeitet werden können. Auf dieser Grundlage greifen Reporting- und Controlling-Systeme auf konsistente Datenbestände zu und ermöglichen schnellere Auswertungen und Analysen. Gleichzeitig setzen KI-Anwendungen genau diese Datenbasis sowie klar definierte Prozesse voraus.

Die Digitalisierung des Rechnungswesens betrifft neben der Buchhaltung auch alle anderen Unternehmensbereiche. Um Rechnungsdaten automatisiert verarbeitet zu können, müssen auch Einkauf, Vertrieb oder Projektmanagement ihre Prozesse und Datenstrukturen entsprechend digital organisieren. Damit entsteht eine Entwicklung, die über das Rechnungswesen hinausreicht.

Die Digitalisierung des Rechnungswesens ist damit in den meisten Fällen ein Digitalisierungsprojekt für das gesamte Unternehmen.

Seminare zur Digitalisierung im Rechnungswesen
Mit diesen Zusammenhängen beschäftigen sich auch zwei ganztägige Seminare zur Digitalisierung im Rechnungswesen, die im 14. April 2026 und 20. April 2026 stattfinden. Veranstalter ist die Akademie Heidelberg bzw. die Bildungseinrichtungen verschiedener IHKs (Arnsberg, Bonn, Darmstadt, Mannheim, Heilbronn, Siegen).

Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Fragen:

* Welche Rolle spielt die E-Rechnung für digitale Prozesse?
* Welche Bedeutung haben ERP-Systeme für durchgängige Abläufe?
* Wie entstehen aus Rechnungsdaten aussagekräftige Auswertungen?
* Welche Voraussetzungen sind notwendig, um KI im Rechnungswesen sinnvoll einzusetzen?

Ziel der Seminare ist es, die Zusammenhänge zwischen E-Rechnung, ERP-Systemen, Datenqualität, Reporting, Business Intelligence und KI verständlich darzustellen.

Weiterführende Seminarinformationen: https://www.treuz.de/seminare-digitalisierung-im-rechnungswesen/

Hinweis: Jochen Treuz steht Redaktionen gerne als Interviewpartner und Gastautor zur Verfügung.