Entlastung, die keine ist/Christoph Ahlhaus, Bundesgeschäftsführer des BVMW, erklärt, weshalb Tankrabatt und 1000-Euro-Prämie im Mittelstand für Unmut sorgen. / Gastbeitrag der Fuldaer Zeitung

Entlastung, die keine ist/Christoph Ahlhaus, Bundesgeschäftsführer des BVMW, erklärt, weshalb Tankrabatt und 1000-Euro-Prämie im Mittelstand für Unmut sorgen. / Gastbeitrag der Fuldaer Zeitung
 

Christoph Ahlhaus ist seit 2023 Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft: „Mit großem Anspruch hat die Bundesregierung Entlastungsmaßnahmen angekündigt – doch in der Praxis bleiben sie weit hinter dem zurück, was mittelständische Unternehmen jetzt dringend brauchen. Statt eines durchdachten Reformpakets erleben wir Stückwerk: kurzfristig, zeitlich begrenzt und ohne langfristigen Planungshorizont.

Gerade im Mittelstand sorgt das für erheblichen Unmut. Viele Betriebe kämpfen mit hohen Energiepreisen, steigenden Sozialabgaben und wachsender Bürokratie. In dieser Situation sind Maßnahmen gefragt, die strukturell wirken und Vertrauen schaffen. Was stattdessen vorgelegt wurde, wirkt wie ein Minimalkompromiss nach dem Gießkannenprinzip.

Ein Beispiel ist der befristete Tankrabatt. Für zwei Monate soll die Mineralölsteuer um 17 Cent pro Liter gesenkt werden. So verständlich der Wunsch nach schneller Hilfe für die Verbraucher ist: Eine derart kurzfristige Maßnahme droht, in ihrer Wirkung zu verpuffen. Was fehlt, sind verlässliche Perspektiven statt politischem Aktionismus.

Noch kritischer sehen viele Mittelständler die geplante Entlastungsprämie. Die Idee, Beschäftigten bis zu 1.000 Euro als steuerfreie Einmalzahlung zukommen zu lassen, ist angesichts steigender Preise nachvollziehbar. Doch dass diese Zahlung von den Arbeitgebern getragen werden soll, setzt völlig falsche Signale. In vielen Betrieben entsteht so ein Erwartungsdruck, der kaum mit der wirtschaftlichen Realität vereinbar ist. Eine aktuelle Umfrage unter unseren mittelständischen Mitgliedsunternehmen zeigt daher deutlich: Rund 90 Prozent lehnen eine solche Prämie klar ab.

Das eigentliche Problem liegt tiefer. Die Politik sendet Signale, die an der Realität vieler Unternehmen vorbeigehen. Während Betriebe auf sinkende Abgaben, wettbewerbsfähige Energiekosten und weniger Bürokratie angewiesen sind, werden stattdessen neue Belastungen auf Arbeitgeber verlagert. Das untergräbt Vertrauen und verstärkt die Investitionszurückhaltung.

Dabei ist die Bereitschaft im Mittelstand groß, Verantwortung zu übernehmen und zur Stabilisierung beizutragen. Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren bewiesen, wie anpassungsfähig und resilient sie in Krisenzeiten reagieren. Gleichzeitig erwarten sie zu Recht verlässliche politische Rahmenbedingungen statt zusätzlicher Unsicherheit.

Entscheidend ist jetzt ein klarer wirtschaftspolitischer Kurs, der die versprochene Wirtschaftswende endlich auf den Weg bringt. Glaubwürdige Wirtschaftspolitik entsteht nicht durch Ankündigungen zulasten der Unternehmen, sondern durch unmittelbare Wirkung im betrieblichen Alltag. Bleibt diese Wirkung aus, wird aus wachsender Unsicherheit ein dauerhafter Standortnachteil für den Mittelstand.“

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Fuldaer Zeitung
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