
Indien will wirtschaftliches Wachstum, technologische Entwicklung und Investitionen – und sieht Europa als wichtigen wirtschaftlichen und politischen Partner. Differenzen gibt es vor allem bezüglich Russlands – für die große Mehrheit der Inder weiter ein verlässlicher und strategisch wichtiger Freund. Das sind erste Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Kalinga Kusum Foundation unter indischen Entscheidern und Meinungsführern.
Bundeskanzler Friedrich Merz besucht Indien, das zunehmend als zentraler Akteur der künftigen Weltordnung gilt. Kurz danach findet in Neu-Delhi der EU-Indien-Gipfel statt, bei dem ein Freihandelsabkommen unterzeichnet werden soll. Eine aktuelle Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung zeigt: Die Hoffnung auf eine vertiefte Partnerschaft Indiens mit Deutschland und der EU ist berechtigt – aber an klare Erwartungen geknüpft.
Europa ist Modell – aber kein Sicherheitsanker
Die Studie zeigt eine bemerkenswerte Nähe Indiens zu Europa bei Werten und Wirtschaftsordnung. Europa wird von den Befragten als der Partner wahrgenommen, der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und wirtschaftliche Ordnung am besten verkörpert. Mehr als die Hälfte der Befragten hält die Soziale Marktwirtschaft für das am besten geeignete Wirtschaftsmodell für Indien – deutlich vor weniger regulierten und vor staatsgelenkten Modellen. Auch bei Bildung und Karriere ist Europa die erste Wahl. Studium und berufliche Perspektiven werden eher in der EU angestrebt als in den USA, in China oder in Russland.
Gleichzeitig fallen die sicherheitspolitischen Erwartungen an Europa äußerst gering aus. Im Falle eines militärischen Konflikts rechnen 64 Prozent der Befragten mit Unterstützung durch Russland – die EU spielt mit unter zwei Prozent praktisch keine Rolle. Auch werden Sanktionen gegen Russland von einer klaren Mehrheit der Befragten abgelehnt.
Europa als Entwicklungs- und Industriepartner
Als zentrale Angebote Europas an Indien identifizieren die Befragten wirtschaftliche Zusammenarbeit, technologische Kompetenz und industrielle Expertise sowie Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel. Drei Viertel befürworten ein Freihandelsabkommen mit der EU als strategische Antwort auf Handelskonflikte mit den USA.
Deutschland im Fokus
Deutschlands Stärken und Schwächen werden in der Umfrage von indischen Eliten klar benannt. Als Herausforderungen gelten vor allem die sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA, wirtschaftliche Abschwächung, demografischer Wandel sowie die langsame Digitalisierung. Gleichzeitig sehen viele Befragte Deutschland als wichtigen Technologie- und Industriepartner – insbesondere in den Bereichen Energie, Umwelttechnik und nachhaltige Industrieentwicklung.
„Indien ist für Deutschland und Europa eine große Chance. Entscheidend ist, dass wir uns als fairer und zuverlässiger Partner erweisen, der die indische Seite versteht und respektiert, so wie wir Verständnis und Respekt für unsere Perspektive erwarten“, sagt Michael Georg Link, Außenpolitikexperte der FDP. „Um als Partner für Indien interessant zu sein, müssen wir in Europa unsere Hausaufgaben machen. Wir müssen bürokratischen Ballast abwerfen, unsere Unternehmen stärken und eine Kultur schaffen, die technische Innovationen und wirtschaftliche Initiative ermöglicht und belohnt“, fordert Link. Denn „nur mit einer starken, dynamischen Wirtschaft sichern wir unser politisches Gewicht und unseren Einfluss in der Welt.“
Zur Studie: Die Umfrage der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Kalinga Kusum Foundation (KKF) wurde im Dezember 2025 vom indischen Meinungsforschungsinstitut Rajneethi durchgeführt. Befragt wurden 1.396 Entscheiderinnen und Entscheider sowie Meinungsführer in 25 indischen Städten. Der vollständige Bericht erscheint Ende Januar 2026.
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