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Interview: Die Unternehmensnachfolge entscheidet nicht der Chef allein!

Meist durchläuft der Betrieb bereits in diesem Stadium einen bedeutenden Wandel und die Nachfolgersuche bietet viel Konfliktpotential in der Familie. Gescheiterte Nachfolgeprozesse führen nicht selten zu Krisen oder auch Unternehmensinsolvenzen. Wir sprachen mit der erfahrenen Managementtrainerin Angelica Egerth.

Das Institut für Mittelstandsforschung IfM in Bonn schätzt, dass für den Zeitraum 2018 bis 2022 etwa 150.000 Unternehmen zur Übergabe anstehen und die Hälfte der Unternehmer die Unternehmensnachfolge familienintern entscheiden werden. Leider gehen mindestens ein Drittel der Chefs die Nachfolgefrage erst spät an und versuchen es dann auch noch im Alleingang.

Wann sollte man sich im Familienunternehmen der Nachfolgefrage stellen?

Angelica Egerth: Familienunternehmer sollten sich die Frage der Nachfolge möglichst früh stellen, um auch eine Lösung für den Notfall bereit zu halten (siehe Banken, Zulieferer, Kunden etc.), um alle Möglichkeiten berücksichtigen zu können. Zudem geht es um das Heranführen und das Ausbilden der zukünftigen Unternehmensleitung und/oder einer externen Führungskraft. Um eine reibungslose Übergabe des Betriebes zu ermöglichen ist es ratsam, ausbaufähige Strukturen zu schaffen. Es gilt vorbehaltlich zu prüfen, ob Tochter oder Sohn tatsächlich interessiert und geeignet wären oder ob man eine externe Führungskraft benötigt. Bei allen Antworten auf die Nachfolgefrage ist der Blick auf den weiteren Erfolg des Unternehmens entscheidend – unabhängig von emotionalen Entscheidungswünschen.

Was muss ein Unternehmerkind unbedingt mitbringen?

Angelica Egerth: Es ist der besondere Antrieb, der den jungen Menschen auszeichnen sollte. Die wissenschaftliche Forschung lehrt uns, dass die Motive für unseren inneren Antrieb bereits nach circa sechs bis sieben Lebensjahren ausgeprägt sind. Nicht jeder Mensch hat das Bedürfnis gut führen zu wollen, sprudelt vor Energie und Kreativität und möchte sich dem Sturm der Zeiten stellen.

Wer sollte sich einbringen, wenn es um eine familieninterne Nachfolge geht?

Angelica Egerth: Ich sehe da die Eltern mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen auf ihre Kinder in einer ebenso wichtigen Funktion, wie den potentiellen Nachfolger. Meist kennt die Mutter die sozialen und charakterlichen Eigenschaften und Fähigkeiten der Kinder besser, während der Vater sich mehr auf die Kriterien konzentriert, die im Alltag der Unternehmensführung den Erfolg ausmachen können. Die potentielle Nachfolgergeneration selbst hat womöglich noch eine ganz andere Meinung zu ihrer Eignung.
Wenn rivalisierende, potentielle Nachfolger in der Familie erfahren, dass Vater und Mutter unterschiedliche Kinder in der Rolle des Nachfolgers sehen, kann es unter Umständen zu bösen Erbfolgeauseinandersetzungen kommen. Die unterschiedliche Herangehensweise der Beteiligten in dieser Frage birgt oft großes Konfliktpotential bis hin zur Vertagung der Nachfolgefrage. Hier ist ein guter Coach als Mediator gefragt und kann mit seiner Sicht von außen oft viel bewirken und zum Familienfrieden beitragen.

Wie ist das bei der Nachfolgeentscheidung für einen Externen?

Angelica Egerth: Auch hier sollte man „die Frau an seiner Seite“ nicht außen vor lassen. Meist hat sie im Betrieb mitgearbeitet und/oder ihren Mann bei wichtigen Entscheidungen beraten und unterstützt. Wenn es nun auch um einen externen Nachfolger geht, empfiehlt es sich trotzdem ihre Meinung einbeziehen. Sie hat im Laufe der Jahre viel Erfahrung gesammelt, was das Unternehmen und seinen Chef ausmacht, bringt aber zusätzlich emotionale Qualitäten ein, die nicht nur für Konfliktlösungen gut sind. Und, als starke Frau hinter ihrem Mann hat sie die Macht, seine Entscheidungen zu beeinflussen. Die Rolle der Dame des Hauses in dieser Frage sollte kein Berater und Unternehmercoach unterschätzen.

Können Sie uns ein paar Tipps zu dieser Thematik geben?

Angelica Egerth: Aber ja, das mache ich gerne. Jeder Unternehmer sollte einen Plan A und B der Firmenweiterführung bereithalten. Denn sollte der eigene Nachwuchs für sich selbst eine andere Lebensentscheidung treffen, braucht es eine Alternative. Ich rate dringend, einen Zeitbedarf von etwa zwei bis fünf Jahren zu kalkulieren und bereits im Vorfeld denkbare Situationen zu testen.

– Schon wenn es um Urlaubsverantwortlichkeiten geht, sollte man das Thema Nachfolge angehen
– Unterscheiden Sie Gesellschafter- und Unternehmerseite
– Steuerliche und erbrechtliche Fakten sind rechtzeitig zu klären
– Betrachten Sie das Unternehmen unabhängig von der Familie und umgekehrt
– Setzen Sie sich bereits jetzt mit Ihrer Zukunft danach auseinander
– Die Kriterien für Nachfolgekandidaten sind für interne und externe Nachfolger die gleichen
– Der Nachfolger soll eigene unternehmerische Entscheidungen treffen und verantworten
– Haben Sie stets eine Alternative zur familiären Nachfolge
Und natürlich gibt es für alle Fragen zum Generationswechsel auch noch mich, die gerne mit Rat und Tat unterstützt. Behalten Sie den Familienfrieden im Blick und lassen Sie sich begleiten, es lohnt sich!

Wir bedanken uns für das informative Gespräch. Weitere Informationen dazu finden Sie unter: www.egerth.de
*Der Abdruck ist frei. Wir bitten um ein Belegexemplar.

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