KI-Boom macht Faktor Mensch unverzichtbar — Unternehmen müssen sich vorbereiten

KI-Boom macht Faktor Mensch unverzichtbar — Unternehmen müssen sich vorbereiten
Menschliche Fertigkeiten werden immer entscheidender. © Foto von Brooke Cagle auf Unsplash
 

Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht nur eine weitere Innovationswelle, sondern Teil des tiefgreifendsten Wandels in der Art und Weise, wie wir leben und arbeiten. Das Tempo dieses Wandels ist bemerkenswert: Ganze Berufsbilder werden in Echtzeit neu gestaltet und ebenso schnell entstehen neue. Infolgedessen hängt der geschäftliche Erfolg zunehmend davon ab, ob Unternehmen ihren Mitarbeitern dabei helfen können, im Einklang mit der Technologie zu arbeiten.

Eine neue Studie von IWG unterstreicht, warum der Faktor Mensch im Bereich KI so unverzichtbar ist. Die überwiegende Mehrheit (90%) der Personalverantwortlichen ist der Ansicht, dass die fehlende Priorisierung menschlicher Fähigkeiten ein Risiko für Innovation darstellt. Dies spiegelt sich auch in der„Human Skills Economy“ (Wirtschaft der menschlichen Fertigkeiten) wider, in der Empathie, Urteilsvermögen, Kreativität und Führungsqualitäten für die Unternehmensleistung von zentraler Bedeutung sind.

Aufstieg der KI: Eine neue Realität in der Arbeitswelt

KI ist mittlerweile fest in den täglichen Arbeitsabläufen von Unternehmen verankert. Laut einer Umfrage von IWG unter Hunderten von HR- und Recruiting-Führungskräften nutzen bereits 73% der hybriden Teams Tools wie ChatGPT, und 82% der Unternehmen bieten KI-Schulungen an. Allerdings geben HR-Führungskräfte an, dass sie ihre Vorbereitungen beschleunigen müssen, um Schritt zu halten. Weniger als die Hälfte (45%) ist zudem überzeugt, die Qualifikationslücke effektiv schließen zu können, was darauf hindeutet, dass eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen bei der effektiven Nutzung von KI noch hinterherhinkt.

Die Bedeutung technischer Kompetenzen spiegelt sich auch in Deutschland wider. Eine separate Umfrage der International Workplace Group unter 502 deutschen Führungskräften ergab, dass 77 % der Befragten der Ansicht sind, dass fortgeschrittene technologische Kompetenzen wie KI, Datenanalyse und Programmieren mittlerweile entscheidend für den Aufstieg in Führungspositionen sind, während fast ein Drittel (32 %) diese Kompetenzen deutlich höher bewertet als traditionelle Hochschulabschlüsse.

Menschen + KI: Das neue Leistungsmodell

Angesichts der sich verschärfenden Lage auf dem Arbeitsmarkt – insbesondere im Berufseinsteigerbereich – sind Arbeitgeber gezwungen, zu überdenken, was Leistung wirklich ausmacht. Untersuchungen von Randstad und dem Institute of Student Employers zeigen, dass die Zahl der offenen Stellen für Berufseinsteiger zwischen Januar 2024 und Ende 2025 weltweit um 29% zurückgegangen ist, wodurch die Messlatte für die Unterscheidung zwischen Bewerbern höher gelegt wurde.

Zwar bringt die Generation Z einen klaren Vorteil in Bezug auf technologische Kompetenz mit, doch reichen Fähigkeiten allein nicht mehr aus. Der eigentliche Unterscheidungsfaktor ist KI-Kompetenz: die Fähigkeit, KI-Tools sinnvoll in der täglichen Arbeit einzusetzen, um Produktivität zu steigern und neue Denkweisen zu erschließen. Tatsächlich zeigen Untersuchungen der International Workplace Group, dass fast zwei Drittel der jüngeren Mitarbeiter bereits älteren Kollegen dabei helfen, KI zu nutzen – vom praktischen Coaching bis hin zur Einbindung von Tools in alltägliche Arbeitsabläufe. Vor diesem Hintergrund entsteht ein neues Erfolgsmodell, bei dem KI technische und wiederholbare Aufgaben übernimmt, während menschliche Fähigkeiten den Einfluss, die Führungsqualitäten und den langfristigen Wert bestimmen.

Deutsche Arbeitgeber passen ihre Personalstrategien bereits entsprechend an. Eine Studie der International Workplace Group zeigt, dass 74 % der deutschen Führungskräfte aktiv danach streben, ihre Führungsteams mit mehr Technologie- und KI-Kompetenz zu verstärken, während mehr als ein Viertel (26 %) angibt, Fachkräfte aus dem Technologiebereich unter 30 Jahren früher als üblich in Führungspositionen zu befördern.

Personalverantwortliche wissen genau, wo Menschen unverzichtbar bleiben:
– 65% sind überzeugt, dass KI menschliche Empathie niemals nachahmen kann
– 64% glauben, dass sie bei komplexen Entscheidungsprozessen unzureichend ist
– Für 53% bleiben Führungsqualitäten eine einzigartige menschliche Eigenschaft

Gleichzeitig verschieben sich die Grenzen kontinuierlich. Nur noch 40% der Befragten glauben, dass Kreativität eine rein menschliche Domäne bleiben wird. Dies zeigt, wie rasant Unternehmen die Trennlinie zwischen Mensch und Maschine neu definieren.

Unersetzbare Faktoren: Der bleibende Wert menschlicher Fähigkeiten

Selbst angesichts zunehmender Automatisierung werden menschliche Qualitäten zum beständigsten Wettbewerbsvorteil. Zwar sortieren 40% der Personalverantwortlichen Bewerber ohne KI-Kompetenz direkt aus. Gleichzeitig geben jedoch zwei Drittel (66%) an, dass Soft Skills bei der Einstellung mittlerweile das wichtigste Kriterium sind, noch vor Berufserfahrung, Fachwissen oder Ausbildung.

Dieser Trend bricht starre Raster auf. So berücksichtigen 45% der Arbeitgeber heute bewusst den Kontext von Karrierewechseln oder Lücken im Lebenslauf, um die Persönlichkeit und den Gesamtweg eines Bewerbers besser zu verstehen.

Dabei erweist sich das hybride Arbeiten als idealer Katalysator für diese Entwicklung. So sind in Deutschland 81 % der Führungskräfte überzeugt, dass Unternehmen, die hybrides Arbeiten anbieten, einen klaren Vorteil bei der Gewinnung von Tech-Talenten haben. Mehr als sieben von zehn (71 %) sind zudem der Meinung, dass das Gehalt allein nicht mehr ausreicht, um Top-Talente zu halten, was die wachsende Bedeutung von Arbeitskultur, Flexibilität und einer mitmenschlichen Führung unterstreicht.

Zunehmend werden diese Umgebungen als Orte angesehen, wo wichtige menschliche Eigenschaften wie Vertrauen, Mentoring, Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung aktiv gefördert und gestärkt werden.

Klare Haltung ist entscheidend

Die Umgestaltung der Arbeitswelt durch KI erfordert von Unternehmen eine klare Haltung. Erfolg hängt heute nicht mehr nur von der Einführung neuer Technologien ab, sondern auch davon, die menschlichen Fähigkeiten zu stärken und dafür zu sorgen, dass Technologie und Mensch als echte Teamkollegen zusammenarbeiten.

Die Zukunft gehört Unternehmen, die KI integrieren und gleichzeitig Umgebungen schaffen, in denen der Faktor Mensch gezielt zum Tragen kommt.

Mark Dixon, CEO & Gründer der International Workplace Group, äußert sich wie folgt dazu: „Jeder große technologische Wandel hat unsere Art zu arbeiten neu definiert – vom Aufkommen des Internets über E-Mails bis hin zu Smartphones. Bei der KI ist das nicht anders, doch was diesen Moment besonders macht, sind die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Wandels. Einige Aufgabenbereiche werden sich weiterentwickeln oder verschwinden, während völlig neue entstehen werden.

Wie immer werden diejenigen Unternehmen ins Hintertreffen geraten, die sich dem Wandel widersetzen. Ein entscheidender Vorteil wird jenen gehören, die die Effizienz der KI mit den einzigartigen menschlichen Fähigkeiten verbinden, die für Innovation, Führung und Wachstum sorgen.“

Methodik:
Die IWG Studie zur „Human Skills Economy“ wurde im April 2026 von Mortar Research durchgeführt und richtete sich an 510 in den USA ansässige Personal-, Rekrutierungs- und Einstellungsmanager.
Die deutschen Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 502 Führungskräften (auf Vorstandsebene und höher) in Deutschland, die im März 2026 von Mortar Research im Auftrag der International Workplace Group (IWG) durchgeführt wurde.