
Neun von zehn Fachleuten in der Softwareentwicklung arbeiten inzwischen mit KI-Assistenz. Das zeigt der am 23. September 2025 veröffentlichte Bericht des Forschungsprogramms DevOps Research and Assessment (DORA) bei Google Cloud zur KI-gestützten Softwareentwicklung, für den rund 5.000 Fachleute befragt wurden. Eine Analyse desselben Teams vom 10. März 2026 benennt die Kehrseite: Die beim Schreiben gesparte Zeit wandert in das Prüfen. Die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen setzt an dieser Stelle ein Werkzeug zur Absicherung von Codeänderungen ein, das jede Änderung gegen den vorhandenen Bestand hält, bevor sie übernommen wird.
Wohin die eingesparte Zeit in Entwicklungsteams wandert
Das DORA-Team beschreibt den Vorgang als versteckte Abgabe auf die Werkzeugnutzung: Was beim Erzeugen von Code an Zeit gewonnen wird, fließt in Kontrolle und Nachvollzug zurück. Ein in der Analyse zitierter Ingenieur beschreibt es so, dass er weniger Zeit mit Schreiben und mehr Zeit mit dem Beaufsichtigen des Werkzeugs verbringt.
Der Bericht vom September 2025 liefert dazu die Größenordnungen:
90 Prozent der Befragten nutzen KI bei der Arbeit.
Über 80 Prozent berichten von einer gestiegenen eigenen Produktivität.
30 Prozent haben wenig oder kein Vertrauen in den erzeugten Code.
Grundlage sind rund 5.000 Fachleute aus der Technologiebranche und über 100 Stunden qualitatives Material.
Warum höherer Durchsatz die Auslieferung instabiler machen kann
Laut dem DORA-Bericht hängt eine stärkere Werkzeugnutzung im Jahrgang 2025 erstmals positiv mit dem Durchsatz in der Softwareauslieferung zusammen, also mit der Menge an Änderungen, die ein Team in Produktion bringt. Mit der Stabilität der Auslieferung bleibt der Zusammenhang dagegen negativ: Es geht mehr durch, und es geht mehr schief.
Das Forschungsprogramm ordnet KI deshalb nicht als Beschleuniger ein, sondern als Verstärker vorhandener Stärken und Schwächen. Ein Team mit belastbarer Prüfkette liefert schneller. Ein Team ohne sie liefert schneller Fehler aus. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern in dem, was zwischen Erzeugung und Produktion steht.
Was der Token-Verbrauch über die Arbeit eines Teams aussagt
Ein am 2. Juni 2026 veröffentlichter DORA-Beitrag warnt davor, den Verbrauch an Tokens zur Leistungskennzahl zu machen. Tokens sind die Abrechnungseinheit von Sprachmodellen, und ihr Verbrauch misst Aktivität, nicht Ergebnis. Wo Bestenlisten den Verbrauch belohnen, steigt der Verbrauch, und die Aussagekraft der Zahl sinkt.
Wer die tatsächlichen Kosten einer Modellnutzung vorab abschätzen will, findet dafür einen Rechner für die Kosten von Sprachmodell-Schnittstellen, der Anfragemengen und Tokenzahlen gegen die Preise gängiger Anbieter stellt. Die betriebswirtschaftliche Frage bleibt davon unberührt: Kosten sind eine Eingangsgröße, kein Erfolgsnachweis.
„Wer den Tokenverbrauch als Fortschritt liest, misst den Kraftstoffverbrauch und nennt ihn Fahrtstrecke. Interessant ist allein, wie viel geprüfte Änderung am Ende in Produktion steht“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Welche Prüfschritte Entwicklungsteams jetzt fest einplanen
Die 30 Prozent ohne Vertrauen in den erzeugten Code sind laut dem Bericht kein Argument gegen die Werkzeuge, sondern eine Beschreibung der Arbeitslage: Misstrauen kostet Zeit, solange es von Hand abgearbeitet wird. Wo KI-generierter Code in Produktion geht, lässt sich der mechanische Teil dieser Arbeit maschinell erledigen. Gemeint ist der Abgleich einer Änderung mit dem übrigen Bestand, mit den Aufrufern einer geänderten Funktion und mit den Stellen, an denen dieselbe Logik bereits steht.
Nach Angaben des DORA-Teams entscheidet weniger die Einführung eines Werkzeugs über das Ergebnis als die Frage, ob die Organisation ihre Kontrollpunkte an die höhere Änderungsrate anpasst. Der nächste Jahresbericht des Programms steht noch aus. Bis dahin bleibt die Empfehlung aus der Analyse vom März 2026 bestehen: Den Prüfaufwand einplanen, statt ihn als Nebenwirkung zu behandeln.
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