
Der deutsche Stellenmarkt verlangt KI-Kompetenzen inzwischen quer durch die Berufsgruppen. Die Berliner Personalmarktforschung Index Research hat am 29. Juli 2026 die Auswertung ihres KI-Kompetenzmonitors für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Danach nannten Arbeitgeber entsprechende Fähigkeiten im Anforderungsprofil von fast 44.800 ausgeschriebenen Stellen. Wer das eigene Grundwissen belegen will, findet dafür ein Kursangebot mit abschließender Wissensprüfung.
Was Arbeitgeber im zweiten Quartal 2026 unter KI-Kenntnissen verstanden
Hinter dem Sammelbegriff stehen sehr unterschiedliche Anforderungen. Laut der Auswertung von Index Research war maschinelles Lernen die am häufigsten genannte Technologie: Arbeitgeber verlangten sie in rund 11.100 Stellenangeboten des zweiten Quartals 2026. Maschinelles Lernen bezeichnet Verfahren, bei denen ein Programm Regeln aus Beispieldaten ableitet, statt sie vorgegeben zu bekommen.
Allgemein gehaltene Angaben folgen auf dem zweiten Platz. Nach Angaben der Personalmarktforschung tauchten unspezifische Kenntnisse rund um künstliche Intelligenz in mehr als 9.200 Anzeigen auf, generative Verfahren in fast 6.400. Der Abstand zwischen der breiten und der eng gefassten Anforderung ist damit klein.
Welche Berufsgruppen die Arbeitgeber am häufigsten ansprachen
Die Nachfrage bleibt nicht auf die Informationstechnik beschränkt. Zwar richteten sich die meisten Ausschreibungen mit KI-Bezug an Informatiker, doch technische und kaufmännische Berufe folgen mit deutlichem Gewicht. Drei Berufsfelder und drei Bundesländer bestimmten das Bild des zweiten Quartals 2026:
Für Informatiker schrieben Arbeitgeber fast 13.100 Stellen mit KI-Bezug aus.
Auf technische Entwicklung, Konstruktion und Produktsteuerung entfielen rund 9.300 Stellen.
Auf Unternehmensführung und Unternehmensorganisation entfielen etwa 5.900 Stellen.
Bayern führte das Länderranking mit rund 11.100 Stellen an.
Nordrhein-Westfalen folgte mit knapp 7.600, Baden-Württemberg mit fast 7.100 Stellen.
Die Verteilung auf Berufsgruppen ist der eigentliche Befund. Eine Anforderung, die in der Unternehmensorganisation ebenso auftaucht wie in der Konstruktion, lässt sich nicht mehr allein über ein Informatikstudium abdecken.
Wie sich die Nachfrage seit dem Jahr 2024 entwickelt hat
Der Anstieg verlief über zwei Jahre hinweg stetig. Laut Index Research veröffentlichten Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen im zweiten Quartal 2024 rund 22.400 Stellen mit KI-Bezug, im zweiten Quartal 2025 knapp 27.100 und im zweiten Quartal 2026 fast 44.800. Grundlage der Auswertung ist die Stellenanzeigen-Datenbank des Instituts.
Der Sprung des zurückliegenden Jahres fällt größer aus als der davor. Zwischen den beiden ersten Vergleichsquartalen lagen rund 4.700 zusätzliche Stellen, zwischen dem zweiten und dem dritten Quartalspaar rund 17.700. Für Beschäftigte, die eine solche Anforderung erfüllen wollen, stellt sich damit die Frage nach einem prüfbaren Beleg. Was ein Einstieg abdecken sollte, zeigt eine frei zugängliche Vorschau auf das erste Kurskapitel.
Warum sich KI-Kompetenzen über eine Stellenanzeige hinaus schwer belegen lassen
Eine Stellenanzeige beschreibt einen Wunsch, keinen Standard. Sie nennt Werkzeuge und Verfahren, legt aber weder ein Niveau noch eine Prüfform fest. Für Bewerber bleibt damit offen, woran ein Arbeitgeber die geforderte Fähigkeit im Auswahlverfahren tatsächlich misst.
„Eine Anzeige, die maschinelles Lernen verlangt, sagt noch nichts darüber, welches Niveau gemeint ist. Solange dafür kein anerkannter Nachweis existiert, entscheidet im Bewerbungsgespräch der Eindruck und nicht die geprüfte Fähigkeit“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Für Betriebe hat das eine praktische Folge. Wer intern qualifiziert, braucht eine eigene Beschreibung dessen, was am Ende gekonnt sein soll, weil der Stellenmarkt sie nicht mitliefert.
Welche Quartalszahl den nächsten Vergleich für die KI-Nachfrage liefert
Der KI-Kompetenzmonitor erscheint quartalsweise und liefert damit den nächsten Vergleichswert. Die Auswertung für das dritte Quartal 2026 steht im Herbst 2026 an und zeigt, ob sich der Zuwachs im gleichen Tempo fortsetzt. Erst zwei aufeinanderfolgende Quartale beantworten die Frage, ob es sich um einen Trend oder um einen Ausschlag handelt.
Ein zweiter Beobachtungspunkt liegt bei den Berufsgruppen außerhalb der Informationstechnik. Steigt der Anteil der Ausschreibungen für Unternehmensführung und Organisation weiter, verschiebt sich der Qualifizierungsbedarf von den Fachabteilungen in die Breite der Belegschaft.
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