
Nach den schwersten Luftangriffen gegen die libanesische Bevölkerung seit Kriegsbeginn zeigt sich die israelische Regierung zu direkten Verhandlungen mit der libanesischen Regierung bereit – auf Ersuchen aus Beirut, wie es von israelischer Seite heißt. Die israelische Armee hat die militärisch machtlose Regierung in Beirut förmlich an den Verhandlungstisch gebombt. Nun wird Israels starker Mann Benjamin Netanjahu die Spielregeln diktieren und kraft militärischer Übermacht die Bedingungen setzen, will der Libanon nicht in Schutt und Asche versinken und unter israelischer Besatzung leben.
Dass sich niemand dieser Politik der verbrannten Erde entgegenstellt, ist das wahre Dilemma einer Weltgesellschaft, die die amtierende israelische Führung gewähren lässt, sei es im Libanon, im Gazastreifen oder im Iran, und die Brutalisierung der internationalen Beziehungen mehr oder weniger passiv hinnimmt.
Die angekündigten direkten Gespräche sollen in Washington stattfinden, unter der Ägide der US-Regierung, aber nur auf Botschafter-Ebene. Worauf das hinausläuft, kann man sich leicht ausmalen: Mit der von Israel ultimativ geforderten Entwaffnung der schiitischen Hisbollah-Miliz dürfte auch eine gesellschaftliche Marginalisierung der schiitischen Bevölkerungsgruppe einhergehen, die geschätzt immerhin 27 Prozent der libanesischen Gesamtbevölkerung von 5,5 Millionen Menschen ausmacht. Das wird zu sozialen Spannungen im Lande führen, schon heute zählen die mehrheitlich im Süden und in der nordöstlich gelegenen Bekaa-Ebene lebenden Schiiten zu den ärmeren Schichten.
Die massive militärische Gewalt der israelischen Armee gegen die Hisbollah fordert viele unschuldige Menschenleben und treibt die Konfessionen weiter auseinander. Israel setzt dabei wie in der Vergangenheit auf die Christen – beste Voraussetzungen für einen erneuten Bürgerkrieg.
Hisbollah-Chef Naim Qasem hat bereits „Widerstand wird bis zum letzten Atemzug“ angekündigt. Die israelischen Waffen und Bedrohungen schüchterten die Hisbollah nicht ein. „Wir sind die rechtmäßigen Besitzer dieses Landes“, sagte er mit Blick auf das Vorrücken der israelischen Truppen im Südlibanon. „Wir werden unsere Souveränität wieder herstellen und den Besatzer vertreiben.“ Das erinnert an 1982, als Israel den Südlibanon besetzte und 18 Jahre lang blieb. Die Hisbollah wurde als Widerstandsbewegung gegen diese Invasion gegründet.
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