Leseförderprogramm Lesestart 1-2-3 vor dem Aus: Stiftung Lesen wirbt bei Bundestagsabgeordneten um 2,5 Millionen Euro im Jahr für 600.000 Kinder

Leseförderprogramm Lesestart 1-2-3 vor dem Aus: Stiftung Lesen wirbt bei Bundestagsabgeordneten um 2,5 Millionen Euro im Jahr für 600.000 Kinder
 

Das Leseförderprogramm Lesestart 1-2-3 soll nach 15 Jahren enden. Das hat die Stiftung Lesen am 2. September 2026 mitgeteilt und zugleich eine E-Mail-Aktion an Bundestagsabgeordnete gestartet. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sehe eine Weiterfinanzierung nicht vor, so die Stiftung. Mit 2,5 Millionen Euro im Jahr lasse sich eine Geburtskohorte von rund 600.000 Kindern mit Büchern versorgen, rund 4 Euro je Kind. Die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen betreibt mit Wimolino ein kostenloses Lernportal für Kinder von drei bis zehn Jahren; ein Altersleitfaden zu den ersten Kritzeleien und Malvorlagen zeigt dort, wann Stift und Bilderbuch zusammenfinden.

Lesestart 1-2-3 verbindet seit 2011 die Vorsorgeuntersuchungen U6 und U7 mit einem Buchgeschenk. Kinderarztpraxen überreichen Eltern von Ein- und Zweijährigen ein Set mit Bilderbuch und Vorlesetipps, das dritte Set für Dreijährige liegt in der Bibliothek vor Ort. Laut der Stiftung Lesen beteiligen sich bundesweit über 6.000 Praxen und mehr als 5.500 Bibliotheken.

Wo die Buchgeschenke nach dem Vorlesemonitor 2024 den größten Unterschied machen

Nach dem Vorlesemonitor 2024, den die Wochenzeitung DIE ZEIT, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung am 8. Oktober 2024 vorgestellt haben, wird 32,3 Prozent der ein- bis achtjährigen Kinder selten oder nie vorgelesen. Befragt wurden 815 Eltern. Derselben Erhebung zufolge lesen Eltern mit formal niedriger Bildung häufiger vor, wenn sie sich an Buchgeschenke aus Praxen oder Bibliotheken erinnern. Für Erzieherinnen, die Bilderbuch und Stift im Kita-Alltag verbinden wollen, hält das Lernportal der Provimedia GmbH Anregungen zum Einsatz von Ausmalbildern in der Kita bereit.

Warum die Leseverbände den Ausstieg des Bundes zum falschen Zeitpunkt sehen

Der Bundesverband Leseförderung hat am 24. Juni 2026 kritisiert, dass Ende 2026 eines der wenigen bundesweiten Programme endet, das Familien in den ersten Lebensjahren erreicht. Mit dem Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen verwies der Verband am 26. August 2026 auf die IGLU-Studie 2021: Rund ein Viertel der Viertklässler erreicht demnach die Mindeststandards im Lesen nicht.

„Ein Bilderbuch aus der Kinderarztpraxis ist die niedrigste Schwelle in der Leseförderung, und genau deshalb erreicht es Familien, die sonst kein Angebot erreicht. Fällt dieser Baustein weg, verschiebt sich die Aufgabe auf Kitas, Bibliotheken und digitale Angebote. Malvorlagen und Lernspiele ersetzen das Vorlesen nicht, aber sie halten Kinder in dem Alter am Papier, in dem die Lesebiografie beginnt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Welche Termine für Familien und Bildungseinrichtungen bis zum Jahresende anstehen

Bis Ende 2026 laufen laut Stiftung Lesen vier Dinge parallel:

Die Lesestart-Sets für die U6 und U7 werden in den teilnehmenden Praxen bis Ende 2026 weiter ausgegeben.

Der Bundesweite Vorlesetag findet am 20. November 2026 zum 23. Mal statt, unter dem Motto „Ich lese vor – du auch?“.

Der nächste Vorlesemonitor ist für den Herbst 2026 angekündigt, er erscheint im zweijährigen Rhythmus.

Die E-Mail-Aktion an Abgeordnete läuft, bis der Bundestag über den Haushalt 2027 entschieden hat.

Ob Lesestart 1-2-3 über den Jahreswechsel hinaus finanziert wird, entscheidet sich mit dem Bundeshaushalt 2027 im Deutschen Bundestag. Eltern, deren Kinder im November 2026 zur U6 oder U7 gehen, können das Buchgeschenk in der Praxis erfragen.

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