
Das Handwerk feiert kommenden Freitag 631 neue Meisterinnen und Meister auf der Meisterfeier in Stuttgart. Mit viel Motivation, Können und Fleiß haben sie ihre Meisterausbildung in der Region Stuttgart absolviert. Das intensive Training und Lernen hat sie alle geprägt, sechs stellen wir in kurzen Portraits vor.
Charlotte Handler, Maler- und Lackierermeisterin aus Esslingen
Christian Aeby, Müllermeister aus Utzenstorf in der Schweiz
Niels Maria Hoffelner, Metallbaumeister aus Meßkirch
Leonie Blank, Sattler- und Feintäschnermeisterin aus Stuttgart
Kai Zangl, Fahrzeuglackierermeister aus Pleidelsheim
Julian Kugler, Installateur- und Heizungsbaumeister aus Gebenweiler
1. Wenn Handwerk auf Ballett trifft
Über ein Praktikum entdeckte Charlotte Handler aus Esslingen ihre Leidenschaft für das Maler- und Lackiererhandwerk und entschied sich bewusst gegen ein Studium. „Ich wollte etwas Handwerkliches machen“, erinnert sie sich. Diese Entscheidung war genau richtig: Die 23-Jährige ist heute Bestmeisterin ihres Gewerkes und breit qualifiziert. Innerhalb von zwei Jahren absolvierte sie an der Akademie für Betriebsmanagement in Stuttgart neben der Meisterausbildung zusätzlich die Abschlüsse zur Betriebsmanagerin sowie zur Gebäude- und Energieberaterin.
Ihr Meisterstück hat eine persönliche Note: Die Innenraumgestaltung einer Ballettschule in der Farbe rosa. „Als Kind habe ich jahrelang Ballett getanzt. Mit der Farbe rosa möchte ich ganz bewusst ein Zeichen setzen: Auch Eigenschaften, die traditionell als weiblich gelten, haben ihren festen Platz im Handwerk. Die Branche ist längst keine Männerdomäne mehr. Frauen sind mit ihren Stärken und Fähigkeiten in der Handwerkswelt genauso erfolgreich und qualifiziert wie Männer.“ Im Mittelpunkt befindet sich eine marmorierte Fläche mit einem vergoldeten Ballettschuh als Blickfang. Die beiden weiteren Platten zeigen dieselbe Ornamentik in Positiv- und Negativdarstellung und schaffen so spannende Kontraste. In der Prüfungswoche musste nicht nur das Meisterstück gebaut, sondern auch ein Angebot ausgearbeitet, ein Fachgespräch geführt und die Nachkalkulation erstellt werden. „Das Meisterstück hat mir dabei am meisten Spaß gemacht. Hier waren wir sehr frei und konnten kreativ sein.“ In den nächsten Jahren möchte sich die ambitionierte Handwerkerin in den Bereichen Farbgestaltung und -beratung weiter spezialisieren. Auch die Selbstständigkeit reizt die Bestmeisterin, doch davor möchte sie jetzt erst mal Erfahrung sammeln.
2. Ein Jahr, zwei Abschlüsse
Für Christian Aeby aus Utzenstorf in der Schweiz gehört der Müllerberuf schon von klein auf zum Leben dazu. So arbeitet schon sein Vater als Müller und besitzt sogar eine kleine Mühle in seinem Heimatort. Nachdem er einige Jahre als Konstrukteur gearbeitet hat, zog es Christian Aeby doch auch ins Müllerhandwerk.
Zunächst machte er eine Ausbildung zum Müller in der Fachrichtung Lebensmittel in der Schweiz. Durch die Schweizerische Müllereifachschule St. Gallen stieß der 27-jährige auf die Kooperation mit der Gewerblichen Schule im Hoppenlau in Stuttgart. Das Angebot sprach ihn sofort an: In nur einem Jahr konnte er hier sowohl den deutschen Meisterbrief als auch den schweizerischen diplomierten Müllereitechniker erwerben.
Durch den Unterricht an gleich zwei Schulen konnte sich Aeby noch breiteres und vertiefteres Fachwissen aneignen. „Es war auch unglaublich bereichernd, sich mit so vielen unterschiedlichen Leuten aus der DACH-Region zu vernetzen. Hier sind wertvolle Kontakte und Freundschaften entstanden“, so Aeby. Große Freude bereitete ihm auch die praktische Arbeit und die Anfertigung seines Meisterstücks am Prüfungstag. Hier produzierte der junge Müller seine eigene Haferkeks-Backmischung. In der Zukunft hat Aeby mit seinen beiden Abschlüssen viel vor. Für seinen jetzigen Arbeitgeber in Uzwil nimmt er weltweit Mühlen in Betrieb. So führt ihn sein nächster Einsatz nach Nigeria.
3. Herz, Feuer, Handarbeit
Kein einziger rechter Winkel, keine Zeichnung am Computer und ein Herz, das zur Lampe wird: Das Meisterstück von Niels Maria Hoffelner aus Meßkirch zeigt, wie formbar Metall ist. Aus Baustahl fertigte er einzelne Wirbel und verband sie mit Bandscheiben aus Schmiedebronze zu einer Wirbelsäule. Jede Rippe hat er einzeln geschmiedet und geformt, damit ein stimmiger Brustkorb entstand. Im Brustkorb ist ein Herz eingesetzt, in dem eine flackernde Glühbirne verbaut ist. „Ich wollte in meinem Meisterstück meine Leidenschaft für das Schmiede-Handwerk darstellen“, erzählt der Metallbaumeister.
Angefacht wurde seine Liebe bei der Handwerkerwoche an der Walldorfschule. Seine Eltern förderten das Interesse, sodass er sich zuhause in Oberlenningen eine Werkstatt einrichten konnte, um sich im Schmieden zu üben. Nach dem Realschulabschluss 2020 startete er dann in Nürtingen seine Ausbildung zum Metallgestalter. Ihn begeistert, dass man beim Schmieden mit allen Elementen arbeitet: „Ich kann das Metall formen wie Knete, sodass man das Anfangsmaterial nicht mehr erkennt. Und natürlich ist mit Feuer arbeiten einfach cool“, so der 25-Jährige.
Als frisch gebackener Meister arbeitet Niels Maria Hoffelner heute festangestellt als Schmied auf dem Campus Galli in Meßkirch, wo der St. Galler Klosterplan mit Werkzeugen und Techniken aus dem 9. Jahrhundert nachgebaut wird. Langfristig möchte er sich historischen Arbeitsfeldern wie Restaurierung und Gestaltung widmen und irgendwann eine eigene Werkstatt führen, mit Schwerpunkt auf Restaurationen, Rekonstruktionen und Kunst. Sein Meisterstück steht nun in seinem Wohnzimmer. Er hofft, dass er in 50 Jahren noch stolz auf die Lampe sein wird.
4. Vom Landessieg zum Meistertitel
Stolz auf ihre „meisterliche“ Karriere im Handwerk kann Leonie Blank aus Stuttgart sein: Nach ihrem Sieg auf Landesebene bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk (DMH) im Jahr 2024 hat sie nun auch den Meistertitel im Sattler- und Feintäschner-Handwerk erreicht. Kreativ sein, Dinge gestalten, daran hatte sie schon von klein auf großes Interesse. Ihr Meisterstück: ein Renault Frégate aus dem Jahr 1955, bei dem sie den Innenraum komplett neu ausgestattet hat. „Die Arbeit an einem so alten Auto war besonders spannend, weil immer wieder neue Überraschungen aufgetaucht sind und meistens nichts nach Plan lief. Trotzdem hat mir die Arbeit unglaublich viel Spaß bereitet“, berichtet die 24-jährige Handwerkerin.
Das Fahrzeug, das ihr gehört, wird sie immer an die prägende Meisterausbildung erinnern, für die sie sich jederzeit wieder entscheiden würde. „Man lernt viele neue Menschen kennen und erlebt eine unglaublich spannende Zeit.“ Weiterhin in Teilzeit zu arbeiten und noch genügend Zeit für das Privatleben zu finden, sei für sie die größte Herausforderung gewesen. Jetzt freut sich Leonie Blank erst mal über die Möglichkeit, mit ihrem Meistertitel als qualifizierte Fachkraft Verantwortung zu übernehmen. Auch eine Selbstständigkeit kann sich die engagierte Handwerkerin in der Zukunft gut vorstellen.
5. Next Level: Handwerksmeister
Gaming und nostalgische Kindheitserinnerungen kombiniert der Fahrzeuglackierermeister Kai Zangl aus Pleidelsheim in seinem Meisterstück zur bunten Welt der Spielfigur Mario. Wie er auf diese besondere Idee gekommen ist? Zum Start der Meisterausbildung bastelte ihm seine Mutter eine Schultüte – mit einem Schlüsselanhänger des Videospielhelden.
Aufgewachsen in einer Handwerkerfamilie stand für ihn schon früh fest, welchen Berufsweg er später einschlagen würde. Seine Leidenschaft für Autos entdeckte er bereits als Kind. „Mit der Ausbildung zum Fahrzeuglackierer habe ich dieses Interesse zum Beruf gemacht.“ Nach Stationen bei namhaften Automobilherstellern und der Bundeswehr wuchs in ihm der Wunsch, sich fachlich weiterzuentwickeln. „Ich eigne mir gerne neues Wissen an und möchte möglichst alles über mein Handwerk verstehen.“
Während er im Berufsalltag vor allem Autos zu neuem Glanz verhilft, gestaltete er als Meisterstück drei in einer übergroßen Spielekonsole eingesetzte Platten, die ein Gesamtkunstwerk ergeben. Die Highlights sind der Schriftzug im Spieldesign, ein Regenbogen, der nur aus Lasur und transparenter Farbe besteht und ein Zeppelin mit mehreren Gestaltungselementen. Bei der Präsentation des Meisterstücks war der Jungmeister sogar mit Latzhose, Mütze und natürlich dem dazugehörigen Schnauzer gekleidet. Jetzt mit dem Meistertitel in der Tasche möchte sich der 34-Jährige auf die Nachwuchsarbeit konzentrieren: „Mir macht die Arbeit mit Auszubildenden sehr viel Spaß. Ich möchte ihnen mein Handwerk beibringen und zeigen, wie man es richtig macht. Dabei fühlt man sich auch selbst jung.“
6. Am Herzen der Energiewende
„Mit unserem Handwerk arbeiten wir am Herzen des Gebäudes. Ziel ist es, die Energieversorgung so effizient wie möglich zu gestalten“, betont der diesjährige Bestmeister im Installateur- und Heizungsbauerhandwerk Julian Kugler. Für den 24-Jährigen aus Gebenweiler im Rems-Murr-Kreis ist die Energiewende nicht nur beruflicher Alltag, sondern auch Thema seiner Meisterprüfung. In der theoretischen Aufgabe plante er die energetische Altbausanierung von zwei Gebäuden, die über ein gemeinsames Gebäudenetz und einen Hackgutkessel versorgt werden. „Ich habe das gesamte Versorgungskonzept entwickelt, von der Heiztechnik über die Lüftungsanlage bis hin zur Trinkwasserversorgung.“
Gerade die Sanierung bestehender Gebäude sei für die Branche von zentraler Bedeutung. „Wir können nicht ausschließlich neu bauen. Für eine nachhaltige Zukunft müssen wir dafür sorgen, dass auch bestehende Gebäude beim Energieverbrauch einen nachhaltigen Standard erreichen“, sagt der Bestmeister. Die Vorbereitung auf die Meisterprüfung sei sehr anspruchsvoll und zeitintensiv gewesen. „Die Arbeit daran hat mir aber große Freude bereitet. Ich habe einen hohen Anspruch an meine Arbeit und möchte für meine Kunden stets das bestmögliche Ergebnis erzielen.“
Erste Erfahrungen in der Branche sammelte er bereits als Kind im elterlichen Unternehmen: „Für mich kam nie etwas anderes in Frage. Am Handwerk liebe ich vor allem die Vielseitigkeit. Nur im Büro zu sitzen, das kann ich mir nicht vorstellen.“ Perspektivisch soll er das Familienunternehmen in die nächste Generation führen. Schon heute ist Julian Kugler im Betrieb in zentrale Aufgaben eingebunden: „Ich übernehme Projekte und Planungsaufgaben, führe Kundenberatungen durch und begleite die Umsetzung vor Ort.“
Zur Meisterfeier 2026
Mit Stolz und großer Anerkennung feiert die Handwerkskammer Region Stuttgart unter dem Motto „Nacht der Meister – Dein Handwerk. Dein Moment.“ im Internationalen Congresscenter Stuttgart (ICS) die neuen Leistungsträgerinnen und -träger im Handwerk. Von den 631 Handwerkerinnen und Handwerkern können sich jetzt 125 Frauen und 506 Männer offiziell Meisterinnen und Meister nennen. Der älteste Meister ist 46 Jahre und der jüngste Meister 20 Jahre alt. Bei den Gewerken ist die Kraftfahrzeugtechnik mit 98 Absolventinnen und Absolventen Spitzenreiter, danach teilen sich Maler:in und Lackierer:in sowie Installateur:in und Heizungsbauer:in den zweiten Platz mit jeweils 52. Auf Platz drei folgt die Elektrotechnik mit 45 neuen Meisterinnen und Meistern. Sechs Frauen und sechs Männer werden außerdem als Bestmeister:in ausgezeichnet.
Die Bestmeister:innen 2026
Bäcker-Handwerk: Hanna Borho, 71364 Winnenden
Friseur-Handwerk: Anton Kieselbach, 88477 Schwendi
Installateur und Heizungsbau-Handwerk: Julian Kugler, 73667 Kaisersbach
Klempner-Handwerk: Patrick Jäckle, 88400 Biberach an der Riß
Land- und Baumaschinenmechatronik-Handwerk: Josia Hoster, 72221 Haiterbach
Maler und Lackierer-Handwerk: Charlotte Marie Handler, 73734 Esslingen
Maßschneider-Handwerk: Celine Schrader, 64295 Darmstadt
Müller-Handwerk: Christian Albert Aeby, CH-3427 Utzenstorf
Orgel- und Harmoniumbauer-Handwerk: Sarah Rebecca Keßler, 65618 Selters
Raumausstatter-Handwerk: Sarah Sophie Bürklin, 79211 Denzlingen
Schilder- und Lichtreklamehersteller-Handwerk: Paula Kösler, 70372 Stuttgart
Zimmerer-Handwerk: Nikolai Lang, 73529 Schwäbisch Gmünd