
Die Hochsee ist internationales Gewässer und gehört daher anders als die Küstengewässer je nach Lesart keinem Staat oder allen. Dieser rechtliche Status hat der Plünderung durch Fischfang in industriellem Stil Tür und Tor geöffnet. Auch sind die Ozeane der massiven Plastikvermüllung bisher genauso schutzlos ausgeliefert wie der menschengemachten Erderwärmung.
Daher ist es ein wirklich positives Signal, dass das UN-Abkommen zum Schutz der Hochsee an diesem Samstag in Kraft treten kann. Zum ersten Mal überhaupt wird ein völkerrechtlicher Rahmen für den Meeresschutz dieser Gebiete geschaffen, die immerhin 40 Prozent der Erdoberfläche ausmachen. Nun können auch in der Hohen See Schutzgebiete eingerichtet werden. Und damit steigen die Chancen auf Erreichen des UN-Ziels, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der weltweiten Land-, Süßwasser- und Meeresflächen unter wirksamen Schutz zu stellen und die Artenvielfalt zu erhalten.
Doch zunächst ist das UN-Abkommen nicht viel mehr als Papier. Die Einhaltung zu überwachen und Verstöße zu ahnden, ist in dem riesigen Gebiet der Hochsee einerseits kompliziert, andererseits dürften sich wichtige Staaten mit riesigen Fischfangflotten nicht daran gebunden fühlen. Außerdem stehen Schutzziele den wirtschaftlichen Interessen im Wege, auf dem Meeresboden strategisch-wichtige Rohstoffe abzubauen, was technisch in nicht ferner Zukunft machbar wäre. Und den Klimawandel kann man mit Meeresschutzgebieten allein natürlich auch nicht stoppen.
Gesunde maritime Ökosysteme sind jedoch extrem wichtig für die Menschheit. Sie bilden die größte Klimaanlage der Welt, sind relevant für die globale Ernährung und stellen die Existenzgrundlage für Millionen lokale Fischer in Küstengebieten dar. Das wird zunehmend auf politischer Ebene eingesehen. Fast 150 Staaten haben das UN-Abkommen unterzeichnet, und die notwendige Anzahl von 60 Ratifikationen wurde trotz der schwierigen geopolitischen Lage innerhalb von nur 27 Monaten geschafft. „Es gibt eindeutig die deutliche Bereitschaft vieler Nationen, etwas zu tun“, kommentiert die Humangeografin Kimberly Peters zu Recht. Das Inkrafttreten des UN-Abkommens ist nicht weniger, aber erst mal auch nicht mehr.
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