„nd.DerTag“: Kein Bock auf Kommiss – Kommentar zur wachsenden Zahl von Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung

„nd.DerTag“: Kein Bock auf Kommiss – Kommentar zur wachsenden Zahl von Anträgen auf Kriegsdienstverweigerung
 

Es ist bedeutsam und ermutigend: Immer mehr Menschen werden aktiv und stellen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung (KDV). Sie tun damit also gegenüber dem deutschen Staat kund, dass sie nicht bereit sind, für ihn mit der Waffe in der Hand zu kämpfen. Die Zahl derer, die es tun, ist in beachtlicher Weise nach oben gegangen: Allein im ersten Halbjahr 2026 reichten fast 5900 Personen einen Antrag ein und damit dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Das ist gerade angesichts des medialen Diskurses nach der „Zeitenwende“ beachtlich.

Zwar werden in die Talkshows auch junge Männer eingeladen, die begründen dürfen, warum sie nicht für ihr Land und für „unsere Demokratie“ töten und sterben wollen. Doch vielfach dienen sie den übrigen Diskutant*innen als eine Art Prügelknabe. Denn tonangebend in der öffentlichen Debatte sind vermeintliche Liberale, die in hohem moralischen Ton fordern, „unsere Werte“ und „unsere Freiheit“ vor dem angeblich bald einmarschierenden Russen zu schützen. Im selben Atemzug beschimpfen sie junge Verweigerer als „wohlstandsverwahrlost“ oder „asozial“.

Der eine oder andere von denen, die nun den geläuterten und verantwortungsbewussten Staatsbürger geben, räumt zwar durchaus ein, dass Angriffe wohl kaum in Form einer militärischen Invasion passieren werden, sondern eher in Form von Cyber-Attacken auf Infrastrukturen wie Strom- und Wasserversorgung. Was bedeuten würde: Zur Landesverteidigung wären eben nicht mehr Panzerfahrer und Schützen nötig. Entscheidend wäre eher ein angemessener Zivil- und Katastrophenschutz.

Ungeachtet dessen mehren sich Appelle für mehr Wehrbereitschaft insbesondere aus dem sogenannten linksliberalen Milieu. Der Wald steil erhobener Zeigefinger wächst und ebenso die Zahl der Herren, die ihre Verweigerung von einst widerrufen. Im vergangenen Jahr taten das 780 Männer, zuletzt ging am Wochenende der Grünen-Politiker Janosch Dahmen diesen Schritt.

Von den 150.000 jungen Männern, die bislang ihren Fragebogen zur Wehrbereitschaft erhalten haben, erklärten demgegenüber nur 20 Prozent, sie könnten sich prinzipiell einen Dienst bei der Bundeswehr vorstellen. Und nur 530 von ihnen fangen demnächst tatsächlich bei der Truppe an.

Auf der anderen Seite wächst die Zahl derer, die sich direkt bei den Streitkräften bewerben. Im laufenden Jahr waren das laut Verteidigungsministerium rund 38.500 und damit ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Truppe bekommt also durchaus Zulauf, wenngleich der noch nicht den Vorstellungen des Ministeriums entspricht.

Von einer Massenbewegung gegen den Dienst an der Waffe kann also noch keine Rede sein. Doch die Schulstreiks gegen Wehrpflicht ziehen immer mehr Aktive an, und neue Beratungsangebote zum Thema Verweigerung etwa von der Linkspartei könnten die Zahl der KDV-Anträge weiter nach oben schnellen lassen. Das Glas ist halb voll.

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