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Studie: Diese drei Krisenindikatoren weisen frühzeitig auf eine mögliche Insolvenz hin

– Stetig sinkende Profitabilität bei europäischen KMU ist
wichtigster Indikator für Unternehmenskrisen
– Umsatzentwicklung insbesondere in Deutschland oft kein geeigneter
Frühindikator
– Eigenkapitalquote und Zinsdeckung sind die beiden weiteren
wichtigsten Kennzahlen
– Mit Eigenkapital sterben: Deutsche Unternehmen rutschen oft mit
vergleichsweise guter Kapitalisierung in die Insolvenz
– Rechnungen und Zinsen lassen sich nicht aus Eigenkapital begleichen
– Liquidität in Bilanz nur schwer sichtbar

Nicht etwa ein Umsatzeinbruch, sondern eine über Jahre stetig
sinkende Profitabilität ist der wichtigste Indikator für
Unternehmenskrisen, der auf eine mögliche spätere Insolvenz von
kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) [1] hindeutet. Die
Eigenkapitalquote sowie die Zinsdeckung sind die beiden weiteren
Kenngrößen, die Unternehmen bei ihren Abnehmern im Auge behalten
sollten. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des weltweit
führenden Kreditversicherers Euler Hermes und TRIB Rating, dem
Rating-Service von Euler Hermes Rating in Zusammenarbeit mit Moody–s
Investors Service für europaweit einheitliche Ratings für
mittelständische Unternehmen. Die Experten haben dazu Datensätze von
mehr als 250.000 kleinen und mittelständischen Unternehmen in
Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ausgewertet und dabei
insbesondere die letzten vier Jahre vor einer Insolvenz betrachtet.

Umsatz nicht die beste Messgröße: Umfangreiche Vertriebsprogramme
steuern dagegen

„Der klassische Verlauf von Unternehmenskrisen aus dem Lehrbuch
besagt, dass auf die nach außen hin in der Regel unsichtbaren
Strategiekrise ein stetiger Umsatzrückgang folgt“, sagt Kai Gerdes,
Direktor Analyse bei Euler Hermes Rating. „Unsere Analyse zeigt für
Deutschland jetzt allerdings das komplette Gegenteil. Im Schnitt
stiegen die Umsätze in den letzten vier Jahren vor der Insolvenz von
KMU in Deutschland sogar. Das hat einen einfachen Grund: Die
Unternehmen versuchen mit umfangreichen Verkaufsoffensiven
gegenzusteuern und so die Auslastung der Kapazitäten quasi künstlich
hoch zu halten. Doch da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn
diese Maßnahmen gehen auf die Marge und die Profitabilität. Deshalb
ist auch die Profitabilität der wichtigste Indikator für
Unternehmenskrisen.“

Bei KMU in Frankreich, Spanien und Italien sanken die Umsätze in
den vier Jahren vor der Insolvenz im Durchschnitt nur sehr leicht –
aber auch hier war kein deutlicher Umsatzeinbruch zu erkennen, der
für die notwendige Trennschärfe für diese Finanzkennzahl im Verlauf
der Unternehmenskrise sprechen würde.

Brenzlig wird es, wenn es über Jahre abwärts geht – Liquidität in
Bilanz schwer sichtbar

„Wir begleiten sehr viele Unternehmen in schwierigen Zeiten“, sagt
Ron van het Hof CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und
der Schweiz. „Eine Delle bei der Profitabilität sehen wir
beispielweise durch konjunkturelle Veränderungen sehr häufig. Das ist
meistens nicht weiter beunruhigend. Erst wenn es Jahr für Jahr
abwärts geht wird es langsam brenzlig, denn die sinkende
Profitabilität beeinflusst unmittelbar die Liquidität. Und diese
Kennzahl wiederum ist für Außenstehende nur schwer sichtbar. Die
Bilanz gibt meistens keine genaue Angabe darüber, wie viel Geld
wirklich noch da ist und wie viele Mittel gebunden sind. Hinschauen
sollte man also deutlich früher – bevor die Abwärtsspirale so richtig
einsetzt.“

Vier Jahre vor der Insolvenz liegt die Profitabilität [2] bei
pleitegegangenen deutschen KMU im Durchschnitt bei relativ schwachen
7%. In Frankreich (etwa 6%), Spanien (unter 4%) und Italien (fast 0%)
ist sie allerdings noch niedriger und fällt im weiteren Krisenverlauf
deutlich ab, meist in den tiefroten Bereich. Zum Vergleich: Die
durchschnittliche Profitabilität von allen KMU in diesen Ländern
liegt bei 10-14%.

Zwei weitere aussagekräftige Indikatoren für Unternehmenskrisen:
Eigenkapitalquote und Zinsdeckung

Neben der Profitabilität sind nach Analyse von Euler Hermes und
TRIBRating die Eigenkapitalquote [3] und die Zinsdeckung [4] die
beiden weiteren wichtigen Indikatoren für Unternehmenskrisen, die auf
eine möglicherweise drohende Insolvenz von europäischen KMU hindeuten
könnten. Die Eigenkapitalquote sinkt in den meisten Ländern analog
zur Ertragsentwicklung, allerdings deutlich langsamer. Erst im
letzten Jahr vor der Insolvenz findet ein drastischer Abfall statt,
der zu einer Überschuldung der KMU führt – außer in Deutschland.

Kein Allheilmittel: Rechnungen und Zinsen lassen sich nicht aus
dem Eigenkapital bezahlen

„Deutsche KMU sind im europäischen Vergleich auch beim
Eigenkapital das –kleine gallische Dorf–, das weiterhin tapfer
Widerstand leistet“, sagt Van het Hof. „Allerdings hilft Ihnen auch
das meist wenig, wenn die Abwärtsspirale erst einmal voll im Gang
ist. Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern rutschen
deutsche KMU mit einer wesentlich besseren Kapitalisierung in die
Pleite. Das zeigt einmal mehr: Zinsen oder Rechnungen lassen sich
nicht aus dem Eigenkapital bezahlen. Insofern ist es auch wenig
verwunderlich, dass in Deutschland nicht die Überschuldung, sondern
die Zahlungsunfähigkeit der häufigste Grund für eine Insolvenz ist.“

Die Eigenkapitalquote bei deutschen KMU liegt im letzten
Bilanzjahr vor der Insolvenz bei durchschnittlich 16,1%. Damit ist
sie im Krisenverlauf nur um gut vier Prozentpunkte gesunken. Die
durchschnittliche Eigenkapitalquote aller KMU i den vier europäischen
Ländern liegt mit 30% also deutlich höher. In Italien hingegen liegt
die Eigenkapitalquote im letzten Bilanzjahr vor der Insolvenz bereits
weit im roten Bereich mit -36,6%. Französische KMU haben ihr
Eigenkapital auch weitestgehend aufgebraucht (0%) und Spanien ist mit
-4,8% ebenfalls im Negativbereich bei der Eigenkapitalquote.

Der dritte aussagekräftige Frühindikator bei kriselnden KMU ist
die Zinsdeckung. Diese war über alle vier untersuchten Länder hinweg
bereits drei Jahre vor der Insolvenz sehr schwach.

Schon drei Jahre vor Insolvenz: Operativer Gewinn kann Zinsaufwand
kaum noch decken

„Die operativen Gewinne der später insolventen KMU waren also
bereits vier Jahre vor der Insolvenz kaum noch oder bereits nicht
mehr ausreichend, um die Zinsaufwendungen zu decken“, sagt Gerdes.
„Im weiteren Verlauf der Unternehmenskrise nimmt dies noch rapide
weiter ab. Die KMU nehmen weitere Schulden auf, um ihre Kosten zu
decken. Zusammen mit der rückläufigen Profitabilität macht sie das
noch instabiler und sehr gefährdet für jegliche negative Entwicklung
von außen.“

Strategiekrise ist nach außen unsichtbar: Managementfehler spielen
immer eine Rolle

Die Phasen einer klassischen Unternehmenskrise aus dem Lehrbuch
lassen sich in der Praxis nach Analysen der Studie von Euler Hermes
nicht immer trennscharf anwenden. Wirklich gut in der Bilanz
sichtbar, ist eigentlich nur der Mittelteil: Die
Profitabilitätskrise. Die vorangegangene Strategiekrise und die
folgende Liquiditätskrise sind hingegen nur schwer von außen
sichtbar.

„Die Strategiekrise ist für Außenstehende zunächst meist gar nicht
sichtbar“, sagt Van het Hof. „Häufig sind das Managementfehler oder
eine falsche Geschäftsstrategie. Aber auch Veränderungen beim
Kundenverhalten, bei den Kaufgewohnheiten, technologische oder
strukturelle Veränderungen, der Markteintritt von neuen
Wettbewerbern, politische oder rechtliche Veränderungen können hier
eine große Rolle spielen. Allerdings liegt eigentlich immer eine
strategische Fehleinschätzung dieser externen Faktoren vor. Je länger
diese unerkannt bleibt, desto drastischer der anschließende Verlauf
der Unternehmenskrise.“

Definitionen:

[1] KMU: Kleine und mittelständische Unternehmen werden definiert
als Unternehmen mit einem Umsatz 500 Millionen Euro pro Jahr.

[2] Messgröße ist Return on Capital Employed (ROCE): EBIT / Netto
Finanzschulden + Eigenkapital

[3] Eigenkapitalquote: Eigenkapital / Bilanzsumme

[4] Zinsdeckung: EBIT / Zinsaufwand

Die vollständige Studie von Euler Hermes und TRIB Rating „Three
indicators can reveal SME insolvency risk up to four years in
advance“ finden Sie beigefügt sowie hier:
https://www.ehrg.de/ver/studien/Studie_20190924.pdf

TRIBRating ist eine neue Dienstleistung für Akteure im Umfeld von
KMU und MidCap-Finanzierungen. TRIBRating bietet mit einer
detaillierten, maßgeschneiderten und transparenten Methodik eine
solide Bewertung der Kreditwürdigkeit von kleinen und
mittelständischen Unternehmen (KMU) und Mid Caps.

Die unabhängigen, weltweit vergleichbaren Ratings ermöglichen es
kleinen und mittleren Unternehmen, ein breiteres Spektrum an
Finanzierungsquellen zu erschließen. Die TRIBRating-Methoden sind in
Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien verfügbar. Euler Hermes
Rating hat diese in Zusammenarbeit mit Moody–s Investors Service
entwickelt, einer führenden globalen Ratingagentur mit langjähriger
Erfahrung in der Entwicklung von Ratingmethoden. In Verbindung mit
dem umfassenden Kreditrisiko- und Branchenwissen von Euler Hermes
identifiziert, analysiert und überwacht TRIBRating die spezifischen
Kreditmerkmale von KMU und MidCaps.

Euler Hermes ist weltweiter Marktführer im
Kreditversicherungsgeschäft und anerkannter Spezialist für Kaution
und Garantien, Inkasso sowie Schutz gegen Betrug oder politische
Risiken. Das Unternehmen verfügt über mehr als 100 Jahre Erfahrung
und bietet seinen Kunden umfassende Finanzdienstleistungen an, um sie
im Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu unterstützen.

Über das unternehmenseigene Monitoring-System verfolgt und
analysiert Euler Hermes täglich die Insolvenzentwicklung von mehr als
40 Millionen kleiner, mittlerer und multinationaler Unternehmen.
Insgesamt umfassen die Expertenanalysen Märkte, auf die 92% des
globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen.

Mit dieser Expertise macht Euler Hermes den Welthandel sicherer
und gibt den weltweit über 66.000 Kunden das notwendige Vertrauen in
ihre Geschäfte und deren Bezahlung. Als Tochtergesellschaft der
Allianz und mit einem AA-Rating von Standard & Poor–s ist Euler
Hermes im Schadensfall der finanzstarke Partner an der Seite seiner
Kunden.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris ist in über 50 Ländern
vertreten und beschäftigt rund 5.800 Mitarbeiter weltweit. 2018 wies
Euler Hermes einen konsolidierten Umsatz von EUR 2,7 Milliarden Euro
aus und versicherte weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von EUR
962 Milliarden.

Weitere Informationen auf www.eulerhermes.de

Social Media

CEO Blog Ron van het Hof http://eulerhermes-blog.de/

Linkedin Euler Hermes Deutschland
https://de.linkedin.com/company/euler-hermes-deutschland

XING Euler Hermes Deutschland http://ots.de/8CDh3e

Youtube Euler Hermes Deutschland
https://www.youtube.com/channel/UClM6TBY3iFJVXDX76FH8-cA

Twitter @eulerhermes

Hinweis bezüglich zukunftsgerichteter Aussagen:

Die in dieser Meldung enthaltenen Informationen können Aussagen
über zukünftige Erwartungen und andere zukunftsgerichtete Aussagen
enthalten, die auf aktuellen Einschätzungen und Annahmen der
Geschäftsführung basieren, und bekannte und unbekannte Risiken sowie
Unsicherheiten beinhalten, aufgrund derer die tatsächlichen
Ergebnisse, Entwicklungen oder Ereignisse von den hier gemachten
Aussagen wesentlich abweichen können. Neben zukunftsgerichteten
Aussagen im jeweiligen Kontext spiegelt die Verwendung von Wörtern
wie „kann“, „wird“, „sollte“, „erwartet“, „plant“, „beabsichtigt“,
„glaubt“, „schätzt“, „prognostiziert“, „potenziell“ oder „weiterhin“
ebenfalls eine zukunftsgerichtete Aussage wider. Die tatsächlichen
Ergebnisse, Entwicklungen oder Ereignisse können aufgrund
verschiedener Faktoren von solchen zukunftsgerichteten Aussagen
beträchtlich abweichen. Zu solchen Faktoren gehören u.a.: (i) die
allgemeine konjunkturelle Lage einschließlich der
branchenspezifischen Lage für das Kerngeschäft bzw. die Kernmärkte
der Euler-Hermes-Gruppe, (ii) die Entwicklung der Finanzmärkte
einschließlich der ?Emerging Markets? einschließlich
Marktvolatilität, Liquidität und Kreditereignisse, (iii) die
Häufigkeit und das Ausmaß der versicherten Schadenereignisse
einschließlich solcher, die sich aus Naturkatastrophen ergeben;
daneben auch die Schadenkostenentwicklung, (iv) Stornoraten, (v)
Ausmaß der Kreditausfälle, (vi) Zinsniveau, (vii)
Wechselkursentwicklungen einschließlich des Wechselkurses EUR-USD,
(viii) Entwicklung der Wettbewerbsintensität, (ix) gesetzliche und
aufsichtsrechtliche Änderungen einschließlich solcher bezüglich der
Währungskonvergenz und der Europäischen Währungsunion, (x) Änderungen
der Geldpolitik der Zentralbanken bzw. ausländischer Regierungen,
(xi) Auswirkungen von Akquisitionen, einschließlich der damit
verbundenen Integrationsthemen, (xii) Umstrukturierungsmaßnahmen,
sowie (xiii) allgemeine Wettbewerbsfaktoren jeweils in einem
örtlichen, regionalen, nationalen oder internationalen Rahmen. Die
Eintrittswahrscheinlichkeit vieler dieser Faktoren kann durch
Terroranschläge und deren Folgen noch weiter steigen. Das Unternehmen
übernimmt keine Verpflichtung, zukunftsgerichtete Aussagen zu
aktualisieren.

Pressekontakt:

Euler Hermes Deutschland
Antje Wolters
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0)40 8834-1033
Mobil: +49 (0)160 899 2772
antje.wolters@eulerhermes.com

Original-Content von: Euler Hermes Deutschland, übermittelt durch news aktuell

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