Studie: Nur 11,9 Prozent nachhaltiger Fonds sind vollständig frei von kontroversen Branchen

Studie: Nur 11,9 Prozent nachhaltiger Fonds sind vollständig frei von kontroversen Branchen
Greenvest | Nachhaltige Investmentfonds (© Greenvest)
 

Analyse von 1.718 nachhaltigen Investmentfonds zeigt deutliche Unterschiede bei Ausschlusskriterien und Transparenz

Viele Anleger gehen davon aus, dass nachhaltige Investmentfonds konsequent auf Investitionen in kontroverse Branchen verzichten. Eine aktuelle Analyse der unabhängigen Fondsplattform Greenvest zeigt jedoch: In der Praxis unterscheiden sich nachhaltige Fonds deutlich bei ihren Ausschlusskriterien.

Für die Untersuchung wurden 1.718 nachhaltige Investmentfonds und ETFs ausgewertet. Die Analyse umfasst Aktien-, Misch- und Anleihenfonds mit Nachhaltigkeitsstrategie, die in Deutschland für Privatanleger verfügbar sind.

Grundlage der Untersuchung ist die Nachhaltigkeitskennzahl EDA (Ethisch Dynamischer Anteil), die Fonds anhand ihrer tatsächlichen Investments in Unternehmen und Staaten hinsichtlich verschiedener Nachhaltigkeitskriterien bewertet.

Zentrales Ergebnis der Analyse

Nur 11,9 Prozent der Fonds mit verfügbaren Nachhaltigkeitsdaten sind vollständig frei von allen analysierten Negativkriterien.

Damit enthalten fast neun von zehn nachhaltigen Fonds zumindest geringe Anteile an Unternehmen aus kontroversen Geschäftsfeldern.

Die Analyse zeigt damit deutliche Unterschiede zwischen den Nachhaltigkeitsstrategien einzelner Fonds.

Zu den untersuchten Negativkriterien zählen unter anderem Rüstung, Atomenergie, Kohleenergie, Fracking, Tierversuche sowie Verstöße gegen Menschenrechte.

Besonders häufig enthaltene kontroverse Branchen

Besonders häufig enthalten nachhaltige Fonds kleinere Beteiligungen an Unternehmen aus folgenden Bereichen:

* Atomenergie: in 68,2 Prozent der Fonds enthalten
* Rüstungsunternehmen: in 63,7 Prozent der Fonds enthalten
* Gentechnik: in 60,0 Prozent der Fonds enthalten
* Tierversuche: in 48,6 Prozent der Fonds enthalten
* Spezielle Rüstung: in 35,6 Prozent der Fonds enthalten
* Menschenrechtskontroversen: in 21,8 Prozent der Fonds enthalten
* Fracking: in 21,3 Prozent der Fonds enthalten
* Kohleenergie: in 11,8 Prozent der Fonds enthalten

Dabei handelt es sich in der Regel um vergleichsweise kleine Portfolioanteile.
Im Durchschnitt investieren nachhaltige Fonds beispielsweise rund 1,2 Prozent ihres Vermögens in Rüstungsunternehmen und etwa 2,3 Prozent in Unternehmen mit Bezug zur Atomenergie.

Nachhaltige Unternehmen spielen dennoch eine wichtige Rolle

Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass nachhaltige Fonds häufig auch positive Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

So investieren die untersuchten Fonds im Durchschnitt rund 46 Prozent ihres Kapitals in Unternehmen, die den Prinzipien des UN Global Compact folgen.

Unternehmen mit einem klaren Fokus auf erneuerbare Energien machen im Durchschnitt 4,3 Prozent der Portfolios aus.

„Nachhaltige Fonds sind kein einheitlicher Standard. Unsere Analyse zeigt, dass viele Fonds zwar nachhaltige Kriterien berücksichtigen, gleichzeitig aber kleine Anteile kontroverser Branchen enthalten können. Für Anleger wird Transparenz deshalb immer wichtiger“, sagt Daniel Arbeiter, Gründer und Geschäftsführer von Greenvest.

„Wer nachhaltig investieren möchte, sollte deshalb genauer hinschauen, welche Kriterien ein Fonds tatsächlich anwendet.“

Transparenz bei Nachhaltigkeitsdaten

Die Analyse zeigt außerdem, dass 74,3 Prozent der untersuchten Fonds über auswertbare EDA-Nachhaltigkeitsdaten verfügen.

Bei 25,7 Prozent der Fonds lagen im Rahmen der Untersuchung keine ausreichenden EDA-Daten vor, sodass eine vollständige Bewertung einzelner Nachhaltigkeitskriterien nicht möglich war.

Greenvest analysiert nachhaltige Investmentfonds systematisch anhand verschiedener Nachhaltigkeitskennzahlen und stellt Anlegern die Ergebnisse transparent zur Verfügung.

Auf der Fondsplattform Greenvest können Anleger nachhaltige Investmentfonds vergleichen, Nachhaltigkeitsdaten analysieren und gezielt Fonds auswählen, die zu ihren persönlichen Nachhaltigkeitskriterien passen.

Methodik der Analyse

Die Auswertung basiert auf verfügbaren Nachhaltigkeitsdaten zu Investmentfonds, insbesondere der Kennzahl EDA (Ethisch Dynamischer Anteil), einer von Mountain-View Data entwickelten Methode zur Bewertung nachhaltiger Investments auf Portfolioebene.

Untersucht wurden 1.718 nachhaltige Investmentfonds und ETFs, die für Privatanleger in Deutschland verfügbar sind.

Für 1.277 Fonds lagen auswertbare EDA-Nachhaltigkeitsdaten vor.
441 Fonds konnten mangels ausreichender EDA-Daten nicht in die Detailauswertung einzelner Negativkriterien einbezogen werden.

Die vollständige Studie mit weiteren Auswertungen und Hintergrundinformationen ist abrufbar unter:
https://www.greenvest.de/studie-nachhaltige-fonds/