TÜV-Verband präsentiert TrustCenter-Konzept für Zugang zu Fahrzeugdaten

Grundlage für Sicherheits- und Umweltprüfungen vernetzter
Fahrzeuge +++ Datenzugang Voraussetzung für hoch automatisiertes Fahren +++
IT-Sicherheit und Datenschutz rücken in den Mittelpunkt +++ Rechtliche
Voraussetzungen schaffen +++

Der TÜV-Verband hat ein Konzept für den diskriminierungsfreien, sicheren und
datenschutzkonformen Zugang zu Daten vernetzter Fahrzeuge vorgelegt. Ziel ist
es, die technische Sicherheit und die Umwelteigenschaften der Fahrzeuge auch in
Zukunft während ihrer gesamten Lebensdauer gewährleisten zu können. “Die
technische Sicherheit moderner Fahrzeuge hängt zunehmend von digital gesteuerten
Funktionen wie Notbrems- oder Spurhalteassistenten ab”, sagte Dr. Joachim
Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV). “Zudem besteht die Gefahr,
dass kriminelle Hacker digital vernetzte Fahrzeuge manipulieren oder die darin
erhobenen Daten abgreifen.” Das Konzept des “Automotive TrustCenters” sieht eine
im staatlichen Auftrag handelnde Stelle vor, die berechtigen Organisationen den
Zugang zu bestimmten Fahrzeugdaten ermöglicht. So dürfen Prüforganisationen,
Versicherungen oder Behörden Fahrzeugdaten nutzen, um bei der Hauptuntersuchung
(HU) digitale Komponenten zu prüfen oder Haftungsfragen bei Unfällen zu klären.
Laut dem TÜV-Konzept speichert und verarbeitet das Automotive TrustCenter selbst
keine Daten, sondern vergibt Zugriffsrechte für bestimmte Datenpakete an die
jeweiligen Nutzer. Möglich wird das durch eine starke Verschlüsselung der Daten
im Fahrzeug und eine sichere Übertragung an so genannte Datentreuhänder. Sie
speichern die Daten für bestimmte Zwecke, zum Beispiel Diagnosedaten für die HU.
Das gleiche Verfahren kann auch für die Speicherung von Fahrmodusdaten beim
automatisierten Fahren und für den so genannten Ereignisdatenspeicher angewendet
werden. Die Regulierung des Fahrmodusspeichers und des Ereignisdatenspeichers
werden im Jahr 2020 abgeschlossen. Sie sind Voraussetzung für automatisiertes
Fahren nach Level 3.

Hintergrund des TrustCenter-Konzepts ist die zunehmende Digitalisierung und
Automatisierung von Fahrzeugen. “Der Softwareanteil in Fahrzeugen nimmt stetig
zu”, sagte Bühler. “Algorithmen und Künstliche Intelligenz nehmen den Fahrern
immer mehr Aufgaben ab.” Trotz aufwändiger Qualitätssicherung könnten jedoch
nicht alle Schwachstellen während der Software-Entwicklung erkannt und behoben
werden. Bühler: “Fahrzeuge müssen auch nach der Auslieferung immer wieder mit
Sicherheits-Updates versorgt werden.” Dabei werden zunehmend online neue oder
verbesserte Funktionen aufgespielt, die für die Sicherheit relevant sein können.
Notwendig wird daher die regelmäßige Überprüfung dieser Online-Updates auf deren
Zulässigkeit und Integrität vor allem mit Blick auf die Sicherheit,
Umweltverhalten der Fahrzeuge und/oder Konformität zum Datenschutz. “Die
Prüfverfahren der periodisch technischen Überwachung müssen aufgrund dieser
neuen Anforderungen weiterentwickelt werden”, sagte Bühler. Auch in Zukunft
dürften sich im Straßenverkehr nur Fahrzeuge mit zulässiger und
nicht-manipulierter Software bewegen. “Voraussetzung einer sogenannten
Remote-Überprüfung ist der diskriminierungsfreie Zugang zu originären
Fahrzeugdaten”, sagte Bühler. “Nur so kann die Betriebssicherheit moderner
Fahrzeuge im digitalen Zeitalter effizient bewertet werden.”

Aus Sicht des TÜV-Verbands muss die Politik die gesetzliche Grundlage für einen
diskriminierungsfreien Zugang zum Kraftfahrzeug über eine standardisierte
Datenschnittstelle schaffen. Bisher werden die in den Fahrzeugen anfallenden
Daten per Mobilfunk an die Rechenzentren der Hersteller übertragen. Die bisher
vorliegenden Datenzugangskonzepte in der jeweiligen Serverlandschaft einzelner
Automobilhersteller decken aus Sicht des TÜV-Verbands die Anforderungen an
Cybersecurity und Datenschutz aber nur unzureichend ab. Bühler: “Das
TrustCenter-Konzept verhindert Datenmonopole und garantiert die Authentizität
der Fahrzeugdaten.”

Das TrustCenter-Konzept kann auch für die Kommunikation zwischen Fahrzeugen
(Car-to-Car, Vehicel-to-Vehicle) und für die Kommunikation der Fahrzeuge mit der
Infrastruktur (Car-to-Infrastructure) genutzt werden. “Hoch automatisierte
Fahrzeuge werden ständig mit anderen Fahrzeugen und mit der
Verkehrsinfrastruktur in Verbindung stehen und Informationen austauschen”, sagte
Bühler. Dafür müssten künftige Fahrzeuggenerationen über einheitliche
Kommunikationsplattformen und Sicherheitsarchitekturen verfügen. Bühler: “Die
zunehmende Konnektivität, die Konvergenz von Hard- und Software, die Verbreitung
smarter Sensoren und die wachsende Bedeutung von Big Data erfordern neue Ansätze
für die Datennutzung”, sagte Bühler. “Das TrustCenter-Konzept liefert eine
praxisgerechte Lösung für eine verbraucherfreundliche Einwilligung in die
Nutzung von Fahrzeugdaten und schafft die Voraussetzung für die digitale
Fahrzeugprüfung der Zukunft. Cybersecurity und Datenschutz werden dabei zum
Dreh- und Angelpunkt einer zuverlässigen, nachhaltigen und sicheren Mobilität.”

Das Positionspapier des TÜV-Verbands ist abrufbar unter:
https://www.vdtuev.de/news/position-trustcenter.

Über den TÜV-Verband:

Der Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) vertritt die politischen und fachlichen
Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Verwaltung, Wirtschaft und
Öffentlichkeit. Der Verband setzt sich für technische und digitale Sicherheit
bei Produkten, Anlagen und Dienstleistungen durch unabhängige Prüfungen und
qualifizierte Weiterbildung ein. Mit seinen Mitgliedern verfolgt der TÜV-Verband
das Ziel, das hohe Niveau der technischen Sicherheit in unserer Gesellschaft zu
wahren und Vertrauen für die digitale Welt zu schaffen.

Pressekontakt:

Maurice Shahd
Pressesprecher
Verband der TÜV e.V. (VdTÜV)
Friedrichstraße 136 | 10117 Berlin
presse@vdtuev.de
www.vdtuev.de | www.twitter.com/vdtuev_news

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/65031/4473006
OTS: VdTÜV Verband der TÜV e.V.

Original-Content von: VdTÜV Verband der TÜV e.V., übermittelt durch news aktuell

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