Umweltmanagementsysteme: 1.301 deutsche Organisationen sind extern begutachtet– ihre Standortzahl hat sich seit dem Jahr 2023 mehr als verdreifacht

Umweltmanagementsysteme: 1.301 deutsche Organisationen sind extern begutachtet– ihre Standortzahl hat sich seit dem Jahr 2023 mehr als verdreifacht
 

Extern begutachtete Umweltmanagementsysteme verbreiten sich in Deutschland, aber nicht so, wie es die Kopfzahl vermuten lässt. Die Geschäftsstelle des Umweltgutachterausschusses hat ihre Statistik zum Stichtag 1. September 2026 fortgeschrieben. Danach sind 1.301 deutsche Organisationen mit 7.974 Standorten im freiwilligen europäischen Umweltmanagementsystem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) eingetragen. Welche Umweltthemen ein solches System abdecken sollte, beschreibt eine Einordnung zum Beitrag von Umweltmanagement zur Artenvielfalt.

Drei Zahlen beschreiben den deutschen Bestand im September 2026

Der Bestand lässt sich an drei Größen ablesen. Laut der Statistik des Umweltgutachterausschusses waren am 1. September 2026 genau 1.301 deutsche Organisationen eingetragen, sie umfassten 7.974 Standorte, und in ihnen arbeiteten 1.524.267 Menschen. Die drei Werte stammen aus derselben Auswertung und beziehen sich auf denselben Stichtag.

Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt zwei sehr verschiedene Kurven. Die Zahl der Organisationen stieg von 1.115 im Jahr 2023 über 1.122 im Jahr 2024 und 1.228 im Jahr 2025 auf die aktuellen 1.301. Die Zahl der Standorte kletterte im selben Zeitraum von 2.501 über 4.579 und 5.550 auf 7.974.

Warum die Zahl der Standorte schneller steigt als die der Organisationen

Der Unterschied liegt in der Zählweise und nicht in einem plötzlichen Zulauf. Bis zum Jahr 2001 erfasste die Statistik einzelne Standorte, seither zählt sie Organisationen, die aus mehreren Standorten bestehen können. Seit dem Jahr 2010 lassen sich zudem mehrere Standorte in einer Sammelregistrierung zusammenfassen, die in der Standortzahl vollständig aufgeht.

Ein einziges Bundesland macht den Effekt sichtbar. In Nordrhein-Westfalen stehen 185 eingetragene Organisationen für 4.620 standortbezogene Einträge, während Baden-Württemberg mit 313 Organisationen auf 1.032 Standorte kommt. Eine große Organisation mit vielen Betriebsstätten verschiebt die Standortzahl daher stärker als ein Dutzend mittelständischer Neuzugänge. Wie ein solches System in einem Konzern mit bundesweitem Netz aufgebaut ist, zeigt eine Darstellung des Umweltmanagements eines Verkehrskonzerns.

„Eine Standortzahl, die sich in drei Jahren verdreifacht, während die Zahl der Organisationen um ein Sechstel wächst, beschreibt keine neue Bewegung in der Fläche. Sie beschreibt, dass wenige große Häuser ihre Struktur vollständig eintragen lassen“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wie sich die Registrierungen auf die Bundesländer verteilen

Der Süden trägt die Statistik, aber nicht allein. Nach Angaben des Umweltgutachterausschusses verteilen sich die eingetragenen Organisationen zum Stichtag 1. September 2026 sehr ungleich über das Bundesgebiet. Vier Bundesländer markieren die Spannweite:

Bayern führt mit 333 eingetragenen Organisationen und 897 Standorten.

Baden-Württemberg folgt mit 313 Organisationen und 1.032 Standorten.

Nordrhein-Westfalen kommt auf 185 Organisationen und 4.620 Standorte.

Mecklenburg-Vorpommern weist drei Organisationen mit vier Standorten aus.

Der Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Rang beträgt damit mehr als das Hundertfache. Für Anbieter von Managementsoftware bedeutet das einen sehr unterschiedlich dichten Markt je Region.

Wodurch sich eine Registrierung von einer Zertifizierung unterscheidet

Beide Wege prüfen ein Managementsystem, enden aber verschieden. Eine Zertifizierung nach ISO 14001 (Umweltmanagementnorm der Internationalen Organisation für Normung) bestätigt, dass ein Umweltmanagementsystem den Anforderungen der Norm entspricht; das Ergebnis ist ein Zertifikat der Zertifizierungsstelle. Eine Eintragung in das EMAS-Register verlangt zusätzlich einen zugelassenen Umweltgutachter, eine veröffentlichte Umwelterklärung und die Aufnahme in ein öffentlich einsehbares Register bei der zuständigen Kammer.

Der Umweltgutachterausschuss weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die Zahlen beider Wege nicht direkt vergleichen lassen. Für solche Zertifikate gibt es keine gemeinsame Registrierung, sodass eine deutschlandweite Gesamtzahl aus derselben Quelle nicht vorliegt.

Praktisch bauen beide Wege aufeinander auf. Wer das Umweltmanagement bereits nach der Norm führt, hat den größten Teil der Systemarbeit erledigt und ergänzt für die Eintragung vor allem die Begutachtung und die veröffentlichte Erklärung.

Was die monatliche Fortschreibung des Registers bis zum Jahresende zeigt

Die Statistik wird monatlich fortgeschrieben und liefert damit einen engmaschigen Verlauf. Zwischen März und September 2026 stieg die Zahl der Organisationen von 1.271 auf 1.301, die der Standorte von 7.599 auf 7.974. Ob das Wachstum aus neuen Anmeldungen oder aus weiteren Sammelanmeldungen stammt, zeigt erst der Vergleich beider Reihen über mehrere Monate.

Ein zweiter Beobachtungspunkt liegt bei den kleinen Ländern. Bleiben Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland auf ihrem Niveau, verstärkt sich das regionale Gefälle weiter, unabhängig davon, wie schnell die bundesweite Standortzahl steigt.

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