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Interview zur Buchneuerscheinung „Feminine Standorte“ von Prof. Alexander Doderer und Dr. Sabine Hillebrand


 

Herr Professor Doderer, Sie haben gemeinsam mit Ihrer Co-Autorin, Dr. Sabine Hillebrand, Ihr zweites Marketing – Buch zum Thema „Feminine Standorte“ veröffentlicht. Was hat Ihnen den Impuls dazu gegeben?

Prof. Doderer : Impulsgeber für diese Publikation waren zwei Dinge: der Megatrend Feminisierung einerseits und andererseits die frappierende Ignoranz gegenüber emotionalen Standortfaktoren, die wir leider vielfach erleben.

Frau Dr. Hillebrand, welche Erfahrungen haben Sie während Ihrer Recherche zum Thema gemacht? Und: wie sind Sie ausgerechnet auf diesen doch recht außergewöhnlichen Titel gekommen?

Dr. Hillebrand: Sie sagen „außergewöhnlich“. Da stimme ich Ihnen zu. Der Titel „Feminine Standorte“ ist ganz offenkundig provokativ und polarisiert. Besonders Männer fühlen sich hiervon provoziert. Offenkundig spielt die Angst, einen traditionell eingenommenen Status zu verlieren eine eminente Rolle.

Können Sie dies spezifizieren?

Dr. Hillebrand: Ja, gerne. Maskuline Standorte sind vergleichsweise unattraktiv und unsexy. Sie weisen eine hohe Abwanderungsquote und zunehmende Leerstände auf. Solche Orte werden gemieden. Eine Art Dominoeffekt kommt in Gang, wenn etwa junge Menschen, v.a. junge Familien in Metropolen abwandern. Damit wandert ganz allgemein gesprochen zeitgemäßes Kompetenzpotential ab. Die Folgen hiervon sind klar: Kindergärten und Schulen werden geschlossen, der Einzelhandel stirbt… „Übrig“ bleiben zumeist alte Menschen. Sukzessive sterben solche Orte regelrecht aus. [ Bsp. Suhl???]
Dieses Faktum schlägt sich wiederum auf dramatisch sinkende Immobilienwerte nieder.

Womit wir beim Thema „Zielgruppe“ wären. An wen richtet sich Ihr Buch?

Prof. Doderer: Hauptsächlich richtet sich das Buch an Gemeinden. Also an die Verwaltung, Gemeinderäte. Aber auch an Tourismusfachleute, Marketer, Einzelhändler, überhaupt an jeden, der aktiv bei der Gestaltung eines Ortes mitwirken will.

Warum wurde in der Vergangenheit den sogenannten „weichen“ Standortfaktoren so wenig Bedeutung beigemessen?

Dr. Hillebrand: Eben weil „weich“ oftmals negativ konnotiert wird, nämlich im Sinne von „verweichlicht“. Ein grobes Missverständnis. Einer der Hauptgründe ist aber aus unserer Sicht die Ratio-Lastigkeit im Hinblick auf Standortqualität. Emotional-atmosphärische Aspekte werden dabei schlicht ausgeblendet.

„Emotional-atmosphärische Aspekte“ – auch hier die Frage: was verstehen Sie darunter konkret ?

Prof. Doderer: Die Frage möchte ich – rein interessehalber – zunächst mit einer Gegenfrage beantworten: Was verstehen SIE unter emotionalen Aspekten eines Standortes?

Nun ja, ich denke, es handelt sich um Dinge, um Eindrücke, die das Gefühl, die Sinne ansprechen.

Prof. Doderer: Genau. Eigentlich einfach. In der Umsetzung aber offenbar kompliziert, wie wir oftmals in Diskussionsrunden feststellen mussten.
Dabei liegt doch auf der Hand: Wenn Sie einen Ort durchqueeren, der ungepflegte Fassaden, fehlende oder zugewachsene Gehsteige etc. aufweist, was Sagt Ihnen da Ihr Gefühl?

Klar: nichts wie weg hier. Oder auch: wer mag in einem solchen Ort wohl leben?

Dr. Hillebrand: „Gestaltwahrnehmung“ heißt das Zauberwort zu diesem Phänomen.

Gestaltwahrnehmung?

Prof. Doderer: Ja! Ein Begriff aus der Psychologie. Gestaltwahrnehmung bedeutet, dass das menschliche Gehirn anhand seiner primären Wahrnehmung binnen Millisekunden entscheidet: hier bleibst Du! Oder: hier niemals!

Da geben Sie mir erneut ein Stichwort, das ich bei der Vorstellung Ihres Buches „Sale“ gehört habe. Sie sprachen dort von der Bedeutung des „limbischen Systems“ für alle unsere Entscheidungen. Erläutern Sie dies bitte kurz!

Prof. Doderer: Kurz? Ich versuche es! Das limbische System ist ein Teil unseres Gehirns, das maßgeblich unsere gefühlsmäßigen Reaktionen steuert. In diesem Teil lieg der nucleus accumbens. Ein wirklich rasend interessanter Bereich. Er ist unser unmittelbares Belohnungs- und Suchtzentrum. Nehmen wir ein banales Beispiel: das Feierabend-Bier. Hier funktioniert der nucleus accumbens als das, was er ist und schüttet das Hormon Oxytocin aus. Das Gehirn signalisiert: Wohlsein.
Genauso funktioniert das Angstzentrum, die Amygdala (Mandelkern). Auch hier reagiert das Gehirn innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde, also gleichsam automatisch, auf eine abweisende oder gar gefährliche Situation.

Interessant. Zum Abschluss die frage: Wie können wir uns Feminine Standorte konkret vorstellen?

Dr. Hillebrand: Da möchte ich noch kurz an das Thema „emotionale Aspekte eines Standortes“ anknüpfen.
Zu diesen Aspekten gehören etwa:
– ein sehr guter Pflegezustand
– attraktive Plätze und Straßen, Gassen
– mediterrane Begleitbegrünung
– Wasserläufe/ Wasserspiele (waterfront)
– ehrliche Gastfreundlichkeit
– erlebbare Infrastruktur
– kulturelle Angebote
– Erlebnisfaktoren, die unterschiedliche Bedürfnisse ansprechen
– Beleuchtungsqualität …

Das hört sich ja nach einem perfekten Ort an! Wo finden wir den etwa?

Prof. Doderer: Es gibt diese Orte, sie sind nicht utopisch. In unserem Buch geben wir konkrete Beispiele mit umfänglichem Bildmaterial. Wir wünschen eine interessante Lektüre!

Weitere Informationen unter:
http://www.standortmarketing.com


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