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Unveröffentlichte Verdi-Studie: Friseurazubis arbeiten zu viel und lernen zu wenig / „Report Mainz“, heute, 29. August 2017, 21:45 Uhr im Ersten

Putzen, einkaufen für den Chef und Überstunden, das
ist für Friseurauszubildende eher die Regel als die Ausnahme. Das ist
das Ergebnis einer unveröffentlichten Studie der
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die dem ARD-Politikmagazin „Report
Mainz“ vorliegt. 7.000 Auszubildende des Friseurhandwerks hat Verdi
in 83 Berufsschulen deutschlandweit befragt. „Wir haben auf unserer
Tour den Eindruck gewonnen, dass hinter der Salontür keine Gesetze
gelten“, erklärt Marvin Reschinsky, Verdi-Jugendsekretär.

Vier von fünf Azubis arbeiten mehr als 40 Stunden pro Woche im
Friseurhandwerk. Drei von fünf Azubis machen regelmäßig unbezahlte
Überstunden. Und zwei von fünf verrichten häufig ausbildungsfremde
Tätigkeiten. „Report Mainz“ hat mit Auszubildenden gesprochen und
stößt auf dramatische Zustände. „Häufig arbeite ich zehneinhalb
Stunden – meistens ohne Pause. Die Überstunden muss ich dem Hotel
schenken“, sagt eine Hotelfach-Auszubildende. Auszubildende fühlen
sich häufig mehr als Hilfsarbeiter denn als Lehrling: „Man wird nicht
angeleitet, man bekommt keine Unterstützung, ist einfach nur der
Lückenfüller im Dienstplan“, beklagt sich ein Auszubildender im
Pflegebereich.

Schlecht ist zum Teil auch die Qualität der Ausbildung. Eine
Friseurauszubildende im dritten Lehrjahr traut sich nicht mal einen
Frauenhaarschnitt zu. „Meine Haupttätigkeit ist Putzen und ich spiele
Postbote für meine Chefin.“ Sie habe Angst, ihre Prüfung nicht zu
bestehen, da ihr sehr viel Lehrstoff fehle.

Der Arbeitsrechtler Peter Schüren von der Universität Münster hält
das sogar für kriminelles Verhalten: „Wenn keine Ausbildung mehr
stattfindet, sondern schlicht eine billige Arbeitskraft benutzt
wird.“ Er erklärt, dass die Kammern, also Industrie- und
Handelskammern und Handwerkskammern, nach dem Berufsbildungsgesetz
eine Aufsichtsfunktion haben. „Sie müssen diese Ausbilder, die solche
krummen Sachen machen, aus dem Verkehr ziehen und ganz deutlich
brandmarken, dass das nicht geht.“

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben erklärt gegenüber
„Report Mainz“: „Wir machen insgesamt auf dem Ausbildungsthema einen
guten Job. Dazu gehört auch die Überwachung.“ Tatsächlich führen
Meldungen der Industrie- und Handelskammern bei 52 Betrieben im
Jahresschnitt dazu, dass sie nicht mehr ausbilden dürfen – bei
200.000 IHK-Ausbildungsbetrieben insgesamt. Der Zentralverband des
Deutschen Handwerks (ZDH) konnte auf Nachfragen von „Report Mainz“
keine Zahlen zu Kontrollen liefern.

Der DGB hält es für einen Systemfehler im Berufsbildungsgesetz,
dass die Kammern ihre eigenen Mitglieder sanktionieren sollen. „Also
die Kammern sind ja in einer Doppelfunktion“, kritisiert Manuela
Conte, DGB-Jugendsekretärin. Sie fordert daher, ein unabhängiges
Institut solle künftig die Prüfung der Ausbildungsbetriebe
übernehmen. Dazu müsste allerdings das Berufsbildungsgesetz geändert
werden. Doch Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) lehnt das strikt
ab, erklärt gegenüber „Report Mainz“: „Das BMBF hält an der
grundsätzlichen Zuständigkeit der Kammern für die Überwachung der
beruflichen Bildung fest.“

Zitate gegen Quellenangabe frei. Weitere Informationen der
Internet-Seite www.SWR.de/report Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
„Report Mainz“, Tel. 06131 929 33351 oder -33352.

Original-Content von: SWR – Das Erste, übermittelt durch news aktuell

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