
Die Entscheidung des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommern, die Wahl eines stellvertretenden Landrats im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wegen fehlender fachlicher Voraussetzungen nicht zu bestätigen, hat eine intensive öffentliche Debatte ausgelöst. Schnell ist von politischer Einflussnahme die Rede, von Missachtung kommunaler Entscheidungen und parteipolitischen Motiven.
Doch der Vorgang ist komplexer – und grundsätzlicher.
Demokratische Systeme leben von Wahlen. Sie funktionieren jedoch durch Führung, Verantwortung, Qualifikation und institutionelle Sicherungen. Gerade dort, wo es um sicherheitsrelevante Verwaltungsbereiche wie Ordnung, Sicherheit und Katastrophenschutz geht, ist Kompetenz keine optionale Eigenschaft, sondern eine zwingende Voraussetzung.
Die rechtliche Prüfung des Innenministeriums bezog sich ausdrücklich nicht auf politische Positionen oder persönliche Integrität des gewählten Kandidaten, sondern auf eine klar umrissene Frage: Ob die in der Stellenausschreibung geforderten sofort einsetzbaren Fach- und Rechtskenntnisse bei Amtsantritt vorlagen. Diese Unterscheidung ist zentral – und sie verdient eine sachliche Betrachtung.
In der öffentlichen Debatte wird häufig übersehen – oder bewusst vermischt -, dass stellvertretende Landräte, Beigeordnete und Dezernenten keine politischen Mandatsträger im klassischen Sinne sind. Sie sind Teil der Verwaltungsleitung. Ihre Aufgabe ist nicht politische Willensbildung, sondern rechtskonforme, handlungsfähige Führung in sensiblen Bereichen.
In solchen Führungspositionen darf nicht gelten: _Man wächst schon hinein._
Sondern: _Man muss es können._
Als Kreistagsmitglied der Mecklenburgischen Seenplatte habe ich die Wahl miterlebt und von Beginn an für eine klare Kompetenzorientierung plädiert – unabhängig von Parteizugehörigkeiten oder politischen Mehrheiten. Diese Haltung bleibt für mich unverändert.
Fachliche Eignung ist kein politisches Machtinstrument. Sie ist Ausdruck von Verantwortung gegenüber Bürgerinnen und Bürgern.
Demokratie gerät nicht dann in Gefahr, wenn rechtliche Standards angewendet werden.
Sie gerät dann in Gefahr, wenn fachliche Anforderungen relativiert werden, um politische Mehrheiten oder symbolische Erfolge zu bedienen.
Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung braucht es Leadership, das erklärt, abwägt und transparent entscheidet – auch dann, wenn Entscheidungen unbequem sind. Macht zeigt sich nicht darin, Entscheidungen durchzusetzen, sondern darin, Verantwortung für ihre Folgen zu übernehmen. Autorität entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Kompetenz und Respekt.
Verwaltung darf kein Spielfeld parteipolitischer Symbolik sein. Sie muss handlungsfähig, rechtssicher und kompetent bleiben. Demokratie braucht Wahlen.
Und sie braucht Führung, Leadership, Verantwortung – und fachliche Substanz.
Zur Autorin
Sandra Weckert ist Leadership-Speakerin, Beraterin und Kommunalpolitikerin.
In ihren Vorträgen und Beiträgen arbeitet sie an der Schnittstelle von Führung, Macht, Autorität und Verantwortungskultur. Ihr Fokus liegt auf transparenten, kompetenzbasierten Entscheidungsprozessen in Politik, Verwaltung und Organisationen.