
Mehr als 150 Gäste folgten der Einladung von DIE FAMILIENUNTERNEHMER Niederrhein Düsseldorf zum traditionellen Jahresempfang im Industrie-Club Düsseldorf – zwei Tage vor Ausbruch des Iran-Israel-USA-Krieges. Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie Europa auf eine zunehmend instabile Weltlage reagieren sollte und die damit verbundenen ökonomischen Risiken.
Die Friedens- und Konfliktforscherin Prof. Dr. Nicole Deitelhoff ordnete die geopolitische Lage als tiefgreifende Zeitenwende ein und verwies zwei Tage vor Ausbruch des Krieges weitsichtig auch auf die Bedrohungslage im Nahen Osten. Die weltweit wachsenden Konfrontationen zeigten exemplarisch, wie volatil internationale Ordnungsstrukturen geworden seien – mit direkten Auswirkungen auf Energiepreise, Lieferketten und Investitionsentscheidungen.
Europa stehe vor einem sicherheitspolitischen Dilemma: Transatlantische Verlässlichkeit sei weniger selbstverständlich, multilaterale Regeln verlören an Bindungskraft. „Die Komfortzone der Nachkriegsordnung ist Vergangenheit“, so Prof. Deitelhoff. Europa müsse strategisch eigenständiger, resilienter und innovationsstärker werden – sicherheitspolitisch wie wirtschaftlich.
Gleichzeitig beobachteten wir zunehmenden Nationalismus – auch innerhalb Europas -, Handelskonflikte und Zölle statt Freihandel, die Aufkündigung multilateraler Abkommen (Klima, Entwicklung, nukleare Rüstungskontrolle), eine Erosion internationaler Normen, inklusive des Schutzes von Zivilbevölkerung sowie brüchiger werdende Bündnisse wie NATO und Europäische Union. „Die zentrale Frage ‚Wer ist Freund, wer ist Feind?‘ wird zunehmend erratisch“, befand die Konfliktforscherin und setzte hinzu: „Selbst hohe ökonomische Kosten schrecken Staaten nicht mehr vor Eskalation ab.“ Die Folge: steigende Konfliktbereitschaft.
„Die USA sind kein verlässlich kalkulierbarer Sicherheitsgarant mehr“, erklärte sie. „Europas eigene Verteidigungsfähigkeit jedoch ist weder konventionell noch nuklear ausreichend.“ Zudem habe es seit 2013 nicht eine neue UN-Friedensmission gegeben.
Es brauche somit einen Paradigmenwechsel, sowohl verteidigungspolitisch, wirtschaftspolitisch als auch politisch-strategisch. „Europa muss von der reaktiven in die aktive Rolle wechseln.“ Europa dürfe sich nicht nur als Wirtschaftsraum verstehen, sondern müsse sich auch als geopolitischer Akteur positionieren.
Deitelhoff forderte eine Stärkung des europäischen Zusammenhalts, des „Wir“ als „Team Europa“ als strategische Ressource. Wirtschaftspolitisch müsse man auf Diversifizierung durch neue Handelsabkommen setzen – etwa mit Indien, Mercosur-Staaten und asiatischen Volkswirtschaften –, um geopolitische Risiken zu streuen.
Die gute Nachricht: Es gebe Hoffnung: „Die Mehrheit der Staaten hat Interesse an regelbasierter Ordnung und vor allem: An wirtschaftlicher Entwicklung und Stabilität“, erklärte die Professorin. Auf der Basis von Kernregelwerken ließen sich Partner finden. Dazu gehörten auch neue Bündnisse außerhalb klassischer EU-Strukturen (z. B. „Allianz der Willigen“ mit Großbritannien und Kanada).
Zudem gelte es, den eigenen Wirtschaftsraum durch massive Investitionen in Infrastrukturen und Ressourcen (Bildung und Forschung, Digitalisierung und KI, Umwelttechnologien) zu stärken. Und: Schlüsselindustrien und -techniken zu identifizieren und zu schützen. Deitelhoff: „Europa muss handlungsfähiger, resilienter, variabler und eigenständiger werden – sicherheitspolitisch wie wirtschaftlich.“
Den unternehmerischen Schwerpunkt setzte der Regionalvorsitzende Lothar Grünewald in seiner fulminanten Eröffnungsrede. Angesichts globaler Krisen formulierte er einen klaren Appell an die Familienunternehmer:
„Nehmen Sie Ihr Geschick selbst in die Hand und warten Sie nicht darauf, bis die Politik die dringend erforderlichen Rahmenbedingungen verbessert.“
Familienunternehmen seien es gewohnt, generationenübergreifend zu denken, Risiken zu steuern und unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Resiliente Lieferketten, diversifizierte Märkte und strategische Investitionen seien keine Option, sondern Pflicht.
Auch Dr. Philipp Stallknecht von DIE JUNGEN UNTERNEHMER Niederrhein Düsseldorf betonte die Bedeutung des regionalen Zusammenhalts: Gerade in geopolitisch angespannten Zeiten werde Vernetzung zur strategischen Ressource.
Die zentrale Botschaft des Jahresempfangs: Globale Unsicherheit ist Realität – unternehmerische Verantwortung und Eigeninitiative sind die Antwort.
Prof. Dr. Nicole Deitelhoff ist Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnung im Exzellenzcluster „Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Frankfurter Goethe-Universität und Geschäftsführende Direktorin des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung, PRIF.
DIE FAMILIENUNTERNEHMER folgen als politische Interessenvertretung für mehr als 180.000 Familienunternehmen den Werten Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung. Die Familienunternehmer in Deutschland beschäftigen in allen Branchen rund acht Millionen Mitarbeiter und erwirtschaften jährlich einen Umsatz in Höhe von 1.700 Milliarden Euro.
DIE JUNGEN UNTERNEHMER sind das Forum für junge Familien- und Eigentümerunternehmer bis 40 Jahre. Unter dem Motto Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung bezieht der Verband klar Stellung für eine wettbewerbsorientierte und soziale Marktwirtschaft sowie gegen überflüssige Staatseingriffe. Die Verbandsmitglieder sind Inhaber oder Gesellschafter eines Unternehmens oder Gesellschafter eines Unternehmens.
