
Es sind nicht die sichtbaren Krisen, die Unternehmen heute am härtesten treffen – es sind die unsichtbaren Turbulenzen dazwischen. Technische Abhängigkeiten, Cyberangriffe, brüchige Lieferketten oder der Ausfall kritischer Infrastrukturen können innerhalb weniger Stunden aus einem funktionierenden Betrieb einen Krisenfall machen. Für Leadership und Unternehmer liegt die eigentliche Gefahr deshalb nicht nur im Ereignis selbst, sondern in der Illusion, alles im Griff zu haben.
Oft bleiben Risiken lange unsichtbar, bis sie Unternehmen mit voller Wucht treffen. Ein Beispiel dafür ist das große britische Einzelhandelsunternehmen Marks & Spencer: Im Jahr 2025 führte ein gezielter Cyberangriff nicht nur zu Störungen der digitalen Abläufe, sondern sorgte laut Unternehmensangaben auch für einen erwarteten Gewinnrückgang von rund 300 Millionen Pfund. Das operative Geschäft litt über Wochen unter diesem Angriff. Die Schließung des Flughafens Heathrow nach einem Brand mit Stromausfall im März 2025 ist ein weiteres Beispiel, aber auch Nissans Produktionsdrosselung im Herbst 2025 wegen Chipengpässen. All diese Ereignisse zeigen, wie schnell externe Störungen komplexe Systeme ins Wanken bringen können. „In der Luftfahrt können unerwartete Krisen von sogenannten Clear-Air-Turbulenzen (CAT) ausgelöst werden. Solche Krisen sind ähnlich unvorhersehbar wie die oben genannten Vorfälle und eignen sich daher gut als Metapher für die Wirtschaft. Gerade in solch schwierigen Situationen zeigt sich, wie wichtig gute Führung ist. Denn heutzutage besteht diese nicht nur darin, auf Krisen zu reagieren, sondern auch darin, auf das Unerwartete vorbereitet zu sein. Seit Längerem weisen auch führende Wirtschaftsexperten darauf hin, dass Unternehmen in einer volatilen Welt vor allem Anpassungsfähigkeit, Widerstandskraft und Voraussicht benötigen. Genau hier kann die Wirtschaft von der Luftfahrt lernen!“, sagt der Unternehmensberater, Firmengründer und ehemalige Flugkapitän Bruno Dobler.
Clear-Air-Turbulenzen (CAT) sind Turbulenzen in wolkenfreier Luft. Sie sind weder mit bloßem Auge noch mit dem Wetterradar an Bord erkennbar, da es dabei keine Wolken oder Niederschlagspartikel gibt, die eine Warnung auslösen könnten. Gerade das macht sie für Piloten zur Herausforderung: Sie kündigen sich oft erst mit einem plötzlichen harten Schlag an – und können vor allem für nicht angeschnallte Passagiere schwere Folgen haben. Deshalb nutzt der Schweizer Keynote-Speaker Dobler in seinem Vortrag „Leadership like a Pilot“ dieses Phänomen gerne als Inspiration für Führungskräfte. Diese sollten trotz Selbstvertrauen und Transparenz im Unternehmen stets auf das Unerwartete vorbereitet sein. „Selbst bei einem Routineflug unter besten Flugbedingungen kann sich eine mögliche Krise anbahnen. Dann heißt es, mit Selbstbewusstsein entschlossen zu handeln. Gleiches gilt für die Wirtschaft“, betont der Schweizer Keynote-Speaker und ehemalige Flugkapitän.
Bei CAT verlassen sich Piloten nicht auf Sicht – sie bereiten sich gründlich vor. Sie nutzen Wetterkarten, Turbulenzprognosen und beobachten ständig Wind, Temperatur und Strecke. Ganz entscheidend sind dabei die Meldungen anderer Crews, die auf derselben Strecke unterwegs sind, an die Flugsicherung, denn so können nachfolgende Flüge entsprechend gewarnt werden. Genau darin liegt auch die Lehre fürs Leadership: Unsichtbare Risiken lassen sich nicht immer verhindern. Aber es ist möglich, Systeme zu schaffen, die solche Risiken früher erkennbar machen: „Durch klare Kommunikation, funktionierende Frühwarnsignale, belastbare Prozesse und Teams, die auf Störungen vorbereitet sind, bevor sie spürbar werden“, resümiert Unternehmensberater Bruno Dobler.