Es sind Bilder wie aus einem Bürgerkrieg:
Jugendliche randalieren, Straßenzüge brennen, Fußballspiele werden
abgesagt, und die Presse spricht von einer neuen »Schlacht um
England«. Die Plünderungen und Krawalle von London, Birmingham und
Liverpool erschüttern das Land und enthüllen die vielen sozialen und
wirtschaftlichen Probleme. Doch der britische Premierminister Cameron
verdrängt die Hintergründe der Krise, fordert mehr Polizist
Die ersten Ökonomen spielen mit dem Gedanken,
ein bisschen Inflation könne den Staaten in der Schuldenkrise helfen.
Dabei haben die Regierungen in den USA und Europa in der Praxis
längst genau diesen Weg eingeschlagen. Erst steigen die Zinsen für
Staatsanleihen, dann für Unternehmens- und Privatkredite, dann die
Preise. Für die Politiker ist Inflation gegenüber dem Wähler leichter
zu vertreten als eine rigide Sparpolitik und/oder Steuererhöhungen.
In London wütet der twitternde Mob, plündert,
raubt und brandschatzt der jugendliche Pöbel – aus Frust, aus Wut,
aus Spaß. Die Randale und Krawalle sind keine Proteste unterdrückter
Schichten. In Tottenham rotten sich kriminelle Energien zusammen, die
zerstören wollen. Ausnahmslos. Der Ruf nach politischen Angeboten ist
daher naiv. Es gibt nichts, wofür Verständnis aufgebracht werden
müsste. Die sinnlose Gewalt, die in Tottenham nicht zuletzt all
Die Bilder der Krawalle in London erinnern an
einen Bürgerkrieg. In der Tat zieht sich ein tiefer Riss durch die
britische Gesellschaft. Die Unterschiede sind allerdings nicht
politischer sondern sozialer Natur. Während in der Londoner City
Milliarden an den Finanzmärkten hin- und hergeschoben werden,
dominieren in vielen Randbezirken der Stadt Armut und
Arbeitslosigkeit. Hoffnung auf Besserung gibt es dort nicht. Die
Jugendlichen sehen schon bei ihren Eltern, was ihnen bev
Jetzt freilich stellt sich heraus, dass nicht alles
in Butter ist. Wenn in Sachsen-Anhalt bei bis zu fünf Prozent der
Befragten die Gefahr besteht, dass ihre Teilnahme an der Volkszählung
nicht ordnungsgemäß registriert wird, ist dies mehr als nur eine
Kleinigkeit. Die Betroffenen können nur mit großem Aufwand
schmerzhafte Geldbußen verhindern. Das ist nicht akzeptabel. Den
Volkszählung-Geschädigten muss nun rasch die bürokratische Last
Wo soll das Wachstum, das Elixier des Kapitalismus,
herkommen, wenn nicht aus den Investitionen der in Geld schwimmenden
Unternehmen? Überschuldete Verbraucher und überschuldete Staaten
fallen dafür aus. Doch die Unternehmer haben bereits vor dem Absturz
der Kurse zu wenig investiert, weil ihre Renditevorstellungen abstrus
hoch sind. So gerät das System aber an sein Ende. Genau das beginnen
die Aktionäre zu begreifen. Die rekordhohen Gewinne sind Geschichte,
die zw
Dass der Konflikt in England derzeit buchstäblich
explodiert, kann nicht allein der Polizei angelastet werden, die die
Sprengkraft des angestauten Konfliktpotenzials unterschätzt hat. Die
konservativ-liberale Regierungskoalition von Premierminister David
Cameron hat dem Land eine Rosskur verordnet, die man mit britischem
Understatement durchaus als sportlich bezeichnen kann. 91 Milliarden
Euro soll der Schatzkanzler bis 2015 einsparen. Da geraten natürlich
alle Ausgaben des
Wird der Polizist – für die Mehrheit Freund und
Helfer – für eine Minderheit brutaler Krimineller zum Feind und
Freiwild?
Zahlen zeigen, dass die Hemmschwellen sinken. Täter nehmen nicht
mehr Reißaus, wenn der Streifenwagen kommt, sondern prügeln und
stechen auf die Besatzung ein. Öfter locken sie Uniformierte in die
Falle – so wie wohl Dienstagnacht in Gelsenkirchen und zuvor in
Oberhausen, wie in Köln und anderswo.
Der Streik der Fluglotsen wurde in letzter Minute
doch noch abgewendet, weil die Arbeitgeber die Schlichtung angerufen
haben. Doch der Schaden für alle Beteiligten – Reiseveranstalter,
Fluggesellschaften, Flughäfen, Flugsicherung, Lotsen und nicht
zuletzt genervte Urlauber – ist trotzdem immens. Dieser Tarifstreit
ist zum Desaster geworden. Beide Tarifparteien haben versagt.
Das geht schon damit los, dass die Arbeitgeber den Konflikt vors
Gericht zerrten. Das ist zwar rechtli
Was steckt hinter den Unruhen in England? Eine erste
Parallele drängt sich fast auf: Mal wieder hat Großbritannien eine
konservative Regierung, die die Sozialausgaben zusammenstreicht – und
mal wieder brennt die Straße. David Camerons Tottenham kommt wie
Margaret Thatchers Brixton daher: So wie sich vor genau 30 Jahren der
Zorn junger Schwarzer in Südlondon auf die Metropolitan Police
entlud, so sieht es derzeit auch in Nordlondon aus.