Wärme auf Knopfdruck: Beheizbare Jacken, Socken und Co. sicher nutzen

Wärme auf Knopfdruck: Beheizbare Jacken, Socken und Co. sicher nutzen
 

Heizjacken, -handschuhe und -socken werden per Lithium-Ionen-Akku gewärmt. Das ist bequem, birgt aber Brand- und Verbrennungsrisiken, wenn Akkus oder Heizdrähte beschädigt sind. TÜV-Verband gibt Tipps für Kauf und Nutzung.

Statt drei Pullover übereinander: Beheizbare Kleidung verspricht kuschelige Wärme auf Knopfdruck, und zum Start der kalten Jahreszeit greifen viele Menschen zu Heizjacken, Heizhandschuhen oder Heizsocken. In die Textilien sind feine Heizelemente eingearbeitet, je nach Modell erreichen diese 60 Grad Celsius und mehr. „Die Heizdrähte sind oft kaum dicker als ein Haar und werden beim Tragen tausendfach geknickt und gedehnt“, sagt Dr. Hermann Dinkler, Experte für Brand- und Explosionsschutz beim TÜV-Verband. „Brechen einzelne Drähte, muss der Strom durch den verbleibenden Rest fließen, und dort wird es dann heißer als vorgesehen. Die Kleidung heizt also nicht schwächer, sondern an einer Stelle gefährlich stark.“ Den Strom liefert meist ein Lithium-Ionen-Akku. Auch die Akkus bergen Risiken. Bei Beschädigung, Überhitzung oder falschem Laden können sie einen Brand verursachen.

So funktioniert beheizbare Kleidung

Zwischen den Stoffschichten sind metallische Heizdrähte oder andere leitfähige Heizelemente eingearbeitet. Fließt Strom hindurch, erwärmen sie sich und geben die Wärme über den Stoff an den Körper ab. Der Akku ist je nach Modell fest eingebaut, steckt in einer eigenen Tasche oder wird als separate Powerbank per Kabel angeschlossen. Die Wärme lässt sich meist in mehreren Stufen regeln, per Taste am Kleidungsstück oder per App. Je höher die Heizstufe, desto schneller leert sich der Akku.

Bei ungewöhnlicher Hitze Heizfunktion ausschalten

Bei der Temperatureinstellung sollten Verbraucher:innen zunächst mit der niedrigsten Heizstufe starten und erst höher schalten, wenn es nicht warm genug wird. Die Heizelemente sind zwar durch mehrere Stofflagen geschützt. Ist das Material aber beispielsweise beschädigt oder zu dünn, kann die Wärme punktuell stärker auf die Haut einwirken. Dauerhaft hohe Temperaturen, die sich zunächst angenehm anfühlen, können bei längerem Hautkontakt zu Reizungen oder Verbrennungen führen. „Schon ab etwa 44 Grad auf der Haut kann bei mehrstündiger Einwirkung Gewebe geschädigt werden“, sagt Dinkler. „Fühlt sich eine Stelle unangenehm heiß an, sollte die Heizfunktion sofort ausgeschaltet und das Kleidungsstück ausgezogen werden.“ Besondere Vorsicht gilt für Menschen, die Hitze schlechter wahrnehmen oder nicht rechtzeitig reagieren können. Dazu gehören unter anderem kleine Kinder und ältere Menschen, aber auch Menschen mit Diabetes und Nervenschäden an den Füßen. Im Schlaf sollte beheizbare Kleidung niemals eingeschaltet getragen werden.

Regelmäßig auf Schäden prüfen

Die Textilien sind im Alltag ständiger Belastung ausgesetzt: Die Jacke wird im Koffer zusammengedrückt, Handschuhe werden durch die Bewegungen der Hände und Finger beansprucht und Heizsocken bei jedem Schritt belastet. Mit der Zeit können Kabel, Anschlüsse oder Heizelemente Schaden nehmen. Beschädigte Heizelemente oder Leitungen können dazu führen, dass sich einzelne Bereiche stärker erwärmen als vorgesehen. Wird eine Stelle plötzlich ungewöhnlich heiß oder funktioniert eine Heizzone nicht mehr, sollte das Produkt nicht weiterverwendet werden.

Auch der Akku sollte regelmäßig kontrolliert werden. „Warnzeichen sind ein aufgeblähtes oder verformtes Gehäuse, sichtbare Beschädigungen, ungewöhnlich starke Wärmeentwicklung oder ein auffälliger Geruch“, sagt Dinkler. Ein solcher Akku nicht wieder benutzt oder geladen werden. Defekte Akkus sollten außerdem nicht geöffnet oder eigenständig repariert, sondern entsorgt werden – nicht im Hausmüll, sondern auf einer Sammelstelle im Handel oder auf dem Wertstoffhof.

Akku richtig laden und lagern

Die Lebensdauer und Funktion des Akkus hängt vom richtigen Ladevorgang ab. „Geladen werden sollte nur mit dem mitgelieferten oder einem vom Hersteller empfohlenen Ladegerät“, sagt Dinkler. „Wichtig ist, dass Spannung und Stecker zum Akku passen. Ein Ladegerät mit falscher Spannung kann den Akku überlasten.“ Der Akku sollte auf einer nicht brennbaren Unterlage liegen und beim Laden nicht unbeaufsichtigt bleiben, also nicht über Nacht auf dem Bett oder Sofa. Kommt der Akku aus der Kälte, sollte er erst Raumtemperatur annehmen, bevor er an den Strom geht. Wird die beheizbare Kleidung den Sommer über nicht genutzt, sollte der Akku etwa halb geladen und kühl und trocken gelagert werden. Bei sehr hohen oder sehr niedrigen Ladezuständen laufen im Inneren des Akkus chemische Prozesse ab, die die Zellen auf Dauer stärker altern lassen.

Heizkleidung waschen: Akku vorher entfernen

Vor dem Waschen muss der herausnehmbare Akku oder die Powerbank entfernt werden. Auf dem Pflegeetikett beziehungsweise in der Gebrauchsanleitung steht, welches Waschprogramm, ob Handwäsche oder Waschmaschine, erlaubt ist und bei welcher Temperatur gewaschen werden darf. Ein Wäschenetz schützt fest verbaute Heizdrähte und Kabel in der Maschine zusätzlich. Die Textilien sollten anschließend an der Luft trocknen. In den Wäschetrockner gehören sie nicht. „Nach dem Waschen ist wichtig, dass das Kleidungsstück und insbesondere die Anschlüsse vollständig getrocknet sind, bevor der Akku wieder eingesetzt und die Heizfunktion eingeschaltet wird“, sagt Dinkler.

Vorsicht bei Nässe

Heizkleidung soll vor allem draußen wärmen, beim Wandern, Skifahren oder auf dem Weihnachtsmarkt. Regen, Schnee und Schweiß lassen sich dabei kaum vermeiden. Verbraucher:innen sollten deshalb beim Kauf darauf achten, für welche Bedingungen das Produkt ausgelegt ist. Wasserabweisende Kleidung hält beispielsweise leichten Regen für eine gewisse Zeit ab, ist aber nicht automatisch wasserdicht. Wer Heizkleidung bei längeren Outdoor-Aktivitäten in Regen oder Schnee tragen möchte, sollte auf einen entsprechend ausgewiesenen Schutz achten.

Besondere Vorsicht gilt, wenn Stecker oder Anschlüsse nass geworden sind. „Dringt Feuchtigkeit in Stecker, Anschlüsse oder beschädigte elektrische Bauteile ein, kann es zu einem Kurzschluss kommen“, sagt Dinkler. Feuchte Stecker oder Anschlüsse sollten deshalb nicht mit dem Akku beziehungsweise der Powerbank verbunden werden. Die Heizfunktion sollte erst wieder eingeschaltet werden, wenn alles vollständig getrocknet ist.

Beim Kauf auf geprüfte Sicherheit achten

Beim Kauf sollten Verbraucher:innen auf die CE-Kennzeichnung und verständliche Angaben zur Nutzung, zum Laden und zur Pflege achten. Mit der CE-Kennzeichnung erklärt der Hersteller, dass das Produkt die geltenden europäischen Anforderungen erfüllt. Eine unabhängige Prüfung ist damit nicht verbunden. Mehr Sicherheit bieten das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“ oder Prüfzeichen einer TÜV-Organisation. Grundlage solcher Prüfungen ist unter anderem die Norm DIN EN 60335-2-17. Sie legt unter anderem fest, wie beheizte Kleidung gegen elektrische, thermische und mechanische Risiken geschützt sein muss.

Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.

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Maurice Shahd
Pressesprecher
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