Überlastung der Führungskräfte bedroht Wandel

Überlastung der Führungskräfte bedroht Wandel
Oliver M. Jacob im Gespräch mit Führungskräften, Foto: Timo Dietz
 

Eine kritische Betrachtung zeigt, dass die Überlastung von Führungskräften in deutschen Unternehmen die Erreichung von Transformationszielen gefährdet. Während die Politik aktuell die Arbeitsmoral der deutschen Arbeitnehmer:innen anprangert und Organisationen sich kontinuierlich verändern, leiden Führungskräfte unter struktureller Überlastung und führen dies zu stagnierenden Innovationsprojekten und zunehmenden Konflikten.

Strukturelle Überlastung: Ein systemisches Problem

Experten verweisen darauf, dass viele Unternehmen das Problem der Erschöpfung irrtümlicherweise als individuelles Versagen betrachten. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen systemischen Effekt. Führungskräfte haben mit einem erhöhten Erwartungsdruck zu kämpfen, der schnellere Entscheidungen und ständige Erreichbarkeit erfordert. Aufgrund dieser strukturellen Überlastung nehmen krankheitsbedingte Ausfälle aufgrund psychischer Belastungen kontinuierlich zu.

Verborgene Kosten der Überlastung

Die langfristigen Auswirkungen der Überlastung bleiben oft unbemerkt. Solange Führungskräfte funktionieren, bleiben die Probleme unsichtbar. Doch die Folgen sind nicht zu unterschätzen: Kurzfristige Entscheidungen, erhöhter Konflikt und mangelnde strategische Klarheit sind häufige Resultate. Obwohl Budgets existieren, geraten Veränderungsprojekte ins Stocken. Der wahre Engpass liegt in der Erschöpfung der menschlichen Energie, ohne die nachhaltige Transformation nicht möglich ist.

Insuffiziente Lösungsansätze

Aktuelle unternehmerische Gegenmaßnahmen beschränken sich auf Resilienz- und Achtsamkeitsprogramme, welche jedoch nur die Symptome anstatt der Ursachen adressieren. Die gegenwärtigen Arbeits- und Führungsmodelle wurden für eine andere wirtschaftliche Realität konzipiert und lassen die gestiegenen Komplexitäts- und Veränderungsanforderungen unberücksichtigt. Eine Anpassung an die aktuellen Bedürfnisse der Führungskräfte ist überfällig.

Neues Denkmodell für Führung und Gesundheit

Die Notwendigkeit, Führung nicht nur organisatorisch, sondern physisch neu zu definieren, wird zunehmend deutlich. Leistungsfähigkeit geht über mentale Stärke hinaus und ist untrennbar mit körperlichen Faktoren wie Schlaf, Bewegung und Stressregulation verbunden. Gesundheit sollte als strategische Infrastruktur betrachtet werden, um die Handlungsfähigkeit von Führungskräften und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in einer sich rasant verändernden Wirtschaft sicherzustellen.