
Darmstadt – Wenn Märkte unsicher werden, reagieren viele Unternehmen mit neuen Initiativen: zusätzliche Produkte, neue Märkte, neue Projekte. Die Strategierunden werden intensiver, die Maßnahmenlisten länger. Doch genau hier beginnt nach Ansicht des Darmstädter Strategieberaters Tom Hill (Viewfromthehill) ein grundlegender Denkfehler.
„Viele Strategiediskussionen beginnen mit der falschen Frage: _Was sollten wir tun?_“, sagt Hill. „Neue Produkte, neue Märkte, neue Initiativen – das klingt nach Bewegung. Doch ohne klare Richtung entsteht nur Aktivität.“
Die Folge: Unternehmen entwickeln einen strategischen „Bauchladen“. Viele Ideen wirken plausibel, viele Maßnahmen sinnvoll. Am Ende steht ein Plan mit zahlreichen Projekten – aber ohne klare Priorität.Der Denkfehler liege dabei nicht in den Maßnahmen selbst, sondern in der Logik davor.
Nach Beobachtung des Strategieberaters scheitern viele Strategieprozesse an drei typischen blinden Flecken:
Nutzen
Strategie konzentriert sich häufig auf interne Maßnahmen statt auf den tatsächlichen Nutzen für Kunden und Markt. Dadurch entstehen Aktivitäten, die intern logisch erscheinen, aber extern wenig Wirkung entfalten.
Widerstand
Strategie wird oft geplant, als gäbe es keine Reibung. Doch jede Veränderung erzeugt Unsicherheit, Zweifel und Gewohnheiten, die Veränderungen bremsen.
Umsetzung
Strategie wird als Plan formuliert – statt als Orientierung für Entscheidungen im Alltag. Ohne diesen Rahmen bleibt Strategie ein Dokument, statt ein praktisches Werkzeug.
„Strategie scheitert selten an der Analyse“, sagt Hill. „Sie scheitert an Orientierung und Umsetzung.“
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sei deshalb eine klare strategische Richtung entscheidend. Erst wenn diese Richtung sichtbar wird, lassen sich Prioritäten sinnvoll setzen.
„Dann entsteht eine andere Frage“, erklärt Hill. „Was zahlt auf dieses Bild ein? Was verstärkt es? Und was verwässert es? Strategische Entscheidungen würden dadurch nicht komplexer – sondern klarer.
Hill arbeitet mit Unternehmern und Führungsteams an sogenannten unternehmerischen Zukunftsbildern – konkreten Beschreibungen einer gewünschten Zukunft. Sie sollen Orientierung schaffen und strategische Entscheidungen im Alltag erleichtern.
„Strategie wird dann nicht zur Sammlung plausibler Ideen“, so Hill. „Sondern zu einer klaren Richtung.“ Gerade in unsicheren Zeiten.