Europa will neue eigene Bezahllösungen: Deutschland kennt sie kaum

Europa will neue eigene Bezahllösungen: Deutschland kennt sie kaum
 

Europa entwickelt eigene Antworten auf eine zunehmend digitale Zahlungswelt: Mit Wero steht eine europäische Alternative zu US-amerikanischen Diensten bereit, der digitale Euro nimmt als Projekt der Europäischen Zentralbank weiter Gestalt an. Doch in der deutschen Bevölkerung sind beide Bezahllösungen kaum bekannt. Das zeigt die aktuelle, repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. Beim digitalen Bezahlen fühlen sich die Menschen hierzulande im Vergleich mit den europäischen Nachbarn abgehängt.

Wero weitgehend unbekannt

Vor rund zwei Jahren ist mit Wero eine privatwirtschaftliche Zahlungslösung für den europäischen Markt gestartet. Trotzdem hat die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) noch nie von dem Bezahlsystem gehört. 45 Prozent kennen Wero, doch selbst unter ihnen überwiegt die Zurückhaltung: Lediglich fünf Prozent haben das System bereits genutzt, weitere vier Prozent haben es immerhin freigeschaltet. Circa die Hälfte (46 Prozent) der Wero-Kenner:innen kann sich eine Nutzung grundsätzlich vorstellen, drei von zehn (30 Prozent) sagen, es sei nichts für sie. Unter denjenigen, die von Wero zum ersten Mal gehört haben, lehnt eine klare Mehrheit (61 Prozent) eine Nutzung ab. Nur 13 Prozent fänden es interessant, das neue System kennenzulernen. Besonders groß ist die Skepsis unter den älteren Befragten: Acht von zehn (80 Prozent) der über 60-Jährigen, die Wero noch nicht kannten, sagen, es sei nichts für sie.

Digitaler Euro: Wenige wollen ihn nutzen

Etwas bekannter als Wero ist der digitale Euro: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) hat vom digitalen Euro gehört. Jedoch erwächst aus dem Wissen um die digitale Währung kaum Interesse: Nur sieben Prozent würden ihn wahrscheinlich nutzen, weitere 23 Prozent könnten es sich zumindest vorstellen. Demgegenüber schließt rund ein Drittel der Befragten (31 Prozent) die Nutzung gänzlich aus. Jede:r Fünfte (20 Prozent) gibt an, sich eine Nutzung eher nicht vorstellen zu können. Ebenso viele (20 Prozent) zeigten sich in der Befragung unentschieden. Deutlich fallen die Unterschiede zwischen den Generationen aus: Von den 16- bis 29-Jährigen würden 17 Prozent den digitalen Euro wahrscheinlich nutzen, bei den über 60-Jährigen sind es nur zwei Prozent. In dieser Altersgruppe schließt knapp die Hälfte (47 Prozent) eine Nutzung gänzlich aus.

Deutschland sieht sich beim digitalen Bezahlen abgehängt

Beim bargeldlosen Bezahlen spielt Deutschland nach Einschätzung der Befragten nicht in der europäischen Spitzengruppe: Nur fünf Prozent halten das Land beim bargeldlosen Bezahlen für führend in Europa. Vier von zehn (41 Prozent) meinen, andere europäische Länder seien deutlich weiter vorn, drei von zehn (29 Prozent) sehen sie zumindest etwas voraus. Besonders kritisch fällt das Urteil zu Deutschlands Position bei denjenigen aus, die selbst bevorzugt mit Karte oder Smartphone zahlen: Circa die Hälfte der Befragten (48 bzw. 49 Prozent) sieht Deutschland klar abgehängt. Ob sich darin persönliche Erfahrungen mit der Akzeptanz bargeldloser Zahlungen im Alltag widerspiegeln, lässt die Umfrage offen.

girocard auch digital am weitesten verbreitet

Während neue Bezahllösungen noch um Aufmerksamkeit werben müssen, hat sich die Debitkarte der Deutschen Kreditwirtschaft, die girocard, längst etabliert. 98 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren besitzen eine girocard oder eine andere Debitkarte – die Verbreitung reicht damit nahezu lückenlos über alle Einkommens- und Altersgruppen hinweg. Über eine Kreditkarte verfügen nach eigenen Angaben 57 Prozent der Befragten. Beim Kartenbesitz zeigt sich ein deutlicher Einkommenseffekt: In Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.000 Euro besitzen lediglich 32 Prozent eine Kreditkarte, in Haushalten ab 4.000 Euro sind es 71 Prozent.

Auch beim mobilen Bezahlen hat die girocard eine führende Rolle. Unter denjenigen, die bereits mit einem Smartphone oder einer Smartwatch gezahlt haben, haben drei Viertel (74 Prozent) ihre girocard hinterlegt. Eine digitale Kreditkarte nutzen 33 Prozent, eine andere Debitkarte haben zehn Prozent mit Smartphone oder Smartwatch verknüpft.

Bezahlen in fünf Jahren: Karte weiter vorn

Welche Zahlungsmittel werden die Menschen in fünf Jahren häufig nutzen? Die Antworten zeichnen ein eindeutiges Bild: Die deutliche Mehrheit (78 Prozent) erwartet, häufig per Karte zu zahlen – mit großem Abstand vor allen anderen Optionen. Bargeld folgt mit 55 Prozent, das Smartphone liegt mit 49 Prozent auf dem dritten Platz. Auf andere Zahlungslösungen wie Wero will jede:r Vierte setzen (39 Prozent). Den digitalen Euro sehen nur zwölf Prozent als Zahlungsmittel, das sie in fünf Jahren häufig nutzen werden. Krypto- oder Digitalwährungen wie Bitcoin benennen die wenigsten Befragten (vier Prozent) als ihr Zahlungsmittel der Zukunft.

Ingo Limburg, Vorsitzender der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V., ordnet die Ergebnisse ein: „Die Zahlen belegen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher beim Bezahlen vor allem eines suchen: Verlässlichkeit und Stabilität. Neue europäische Bezahlwege können künftig eine wichtige Rolle spielen, doch das Vertrauen der Verbraucher und Verbraucherinnen müssen sich Wero und der digitale Euro erst erarbeiten. Die girocard zeigt, wie es geht: durch jahrzehntelange Präsenz, nahezu lückenlose Akzeptanz und ein hohes Sicherheitsniveau. Das ist der Maßstab, an dem sich neue Systeme messen lassen müssen.“

Mehr Ergebnisse der Studie finden Sie im Exposé (https://www.initiative-deutsche-zahlungssysteme.de/media/2026_idz_allensbach-studie_exposee.pdf) auf der Website der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V.

Zur Studie

Die Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. stützt sich auf insgesamt 1.039 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren. Die Interviews wurden zwischen dem 1. Juli und 13. August 2026 mündlich-persönlich durchgeführt.

Zur Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V.

Die Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. mit Sitz in Berlin versteht sich als Netzwerk für Unternehmen und Institutionen, die die bargeldlosen Bezahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft akzeptieren oder die notwendige Infrastruktur bereitstellen. Dazu gehört unter anderem auch die girocard als meist genutzte Debitkarte Deutschlands. Als Verein bündelt die Initiative Interessen von rund 80 Mitgliedern und vertritt sie gegenüber Politik und Medien. Seit knapp 20 Jahren beschäftigt sich die Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. mit dem Bezahlen in Deutschland.

Über die girocard

Mit der Marke „girocard“ bündelt die Deutsche Kreditwirtschaft ihr eigenständiges, unabhängiges Debitkarten-Bezahlsystem und das Deutsche Geldautomaten-System. Mit rund 100 Millionen Karten und rund 8,3 Milliarden Transaktionen im Jahr 2025 ist sie das meistgenutzte Zahlungssystem in Deutschland. Ob kontaktlos, mobil oder klassisch mit PIN – die girocard garantiert einen sicheren, einfachen und schnellen Bezahlvorgang. Der Name und das Logo girocard wurden 2007 von der Deutschen Kreditwirtschaft eingeführt.

Pressekontakt:

Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V.
Pierre Du Bois
Tel.: +49 30 509313-305
pierre.dubois@initiative-dz.de
www.initiative-dz.de

Publik. Agentur für Kommunikation GmbH
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