Gut verdient und trotzdem schlecht vorgesorgt: Diese Geldfehler machen Selbstständige

Volle Auftragsbücher, ein gutes Einkommen und trotzdem kaum finanzielle Sicherheit fürs Alter: Gerade Selbstständige können jahrelang erfolgreich arbeiten, ohne systematisch Vermögen für den Ruhestand aufzubauen. Anders als viele Angestellte sind sie häufig nicht automatisch über die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert – und müssen ihre Altersvorsorge deshalb stärker selbst organisieren.

Besonders riskant wird es, wenn der geplante Unternehmensverkauf irgendwann die komplette Rentenstrategie ersetzen soll – denn welchen Preis die Firma später tatsächlich erzielt, weiß heute niemand. In diesem Beitrag wird erklärt, welche Geld- und Vorsorgefehler Selbstständige besonders häufig machen und wie Unternehmer ihre Altersvorsorge frühzeitig breiter aufstellen können.

Irrtümer rund um die Altersvorsorge

In vielen Unternehmen läuft es gut. Also könnte man meinen, auch die Altersvorsorge sei gesichert. Das ist allerdings ein Trugschluss. Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens sagt zunächst wenig darüber aus, wie gut dessen Inhaber persönlich für die Zukunft abgesichert ist. Denn während laufende Einnahmen den aktuellen Lebensstandard finanzieren, entsteht langfristige Sicherheit erst durch den gezielten Aufbau von Vermögen. Genau diese Unterscheidung gerät im unternehmerischen Alltag jedoch häufig aus dem Blick.

So fließen bei vielen Selbstständigen nahezu sämtliche Gewinne zurück in den eigenen Betrieb. Zwar kann das Kapital dort hohe Renditen erzielen, doch wenn die Firma an Wert verliert, ist gleichzeitig die Altersvorsorge gefährdet. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viel ein Unternehmer verdient, sondern welcher Teil seines Einkommens langfristig in unabhängiges Privatvermögen fließt.

Hinzu kommt, dass vielen Selbstständigen eine feste Sparroutine fehlt. Während bei Angestellten die Rentenbeiträge automatisch vom Gehalt abgezogen werden, müssen Unternehmer ihre Rücklagen eigenständig organisieren. Steuernachzahlungen, Investitionen oder schwächere Geschäftsmonate führen jedoch häufig dazu, dass geplante Einzahlungen ausfallen. Ein weiterer Irrtum besteht darin, steuerliche Vorteile mit finanzieller Vorsorge gleichzusetzen. So reduziert beispielsweise ein geleaster Dienstwagen zwar den steuerpflichtigen Gewinn, schafft aber kein langfristiges Vermögen.

Warum vor allem der Unternehmensverkauf keine sichere Rente ist

Besonders problematisch wird eine fehlende private Vorsorge, wenn Unternehmer darauf setzen, ihren Betrieb später gewinnbringend zu verkaufen. Denn ob sich tatsächlich ein Käufer findet und welchen Preis dieser bezahlt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen ist der wirtschaftliche Erfolg häufig eng mit der Person des Inhabers verbunden. Kundenbeziehungen, Fachwissen und wichtige Geschäftsprozesse lassen sich dann nur schwer übertragen, wodurch die Attraktivität für potenzielle Käufer sinkt.

Darüber hinaus bestimmen die Marktlage, die Branchenentwicklung und das Zinsumfeld maßgeblich die Verkaufsbedingungen. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt in den Ruhestand gehen möchte, gerät im schlimmsten Fall unter Druck, ungünstige Angebote anzunehmen. Außerdem steht der vereinbarte Betrag selbst bei einem erfolgreichen Verkauf nicht zwangsläufig sofort vollständig zur Verfügung. Sogenannte Earn-out-Regelungen können Teile des Kaufpreises an zukünftige Unternehmensergebnisse knüpfen. Der Verkauf sollte daher allenfalls einen zusätzlichen Vorsorgebaustein darstellen.

Wie Selbstständige ihre Altersvorsorge breiter aufstellen können

Eine solide Altersvorsorge setzt darauf, Vermögen schrittweise außerhalb des Unternehmens aufzubauen und unterschiedliche Anlageformen miteinander zu kombinieren. Den Ausgangspunkt bildet eine Basisabsicherung, die unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs besteht. Dafür kann beispielsweise eine Rürup-Rente infrage kommen. Ebenso wichtig ist die Absicherung der eigenen Arbeitskraft, da eine längere Berufsunfähigkeit erhebliche finanzielle Folgen haben kann.

Ergänzend empfiehlt sich ein liquider Vermögensaufbau, etwa durch breit gestreute Wertpapiere. Regelmäßige, automatisierte Einzahlungen helfen dabei, auch bei schwankenden Einnahmen kontinuierlich Kapital anzusparen. Für Unternehmer mit einer GmbH kann zudem die Frage relevant sein, ob Investitionen privat oder über eine Holding erfolgen. Je nach Gestaltung ergeben sich unterschiedliche steuerliche Rahmenbedingungen. Weitere Möglichkeiten bieten betriebliche Altersversorgungslösungen wie Direktversicherungen oder Unterstützungskassen. Auch Immobilien können das Vermögen ergänzen, allerdings sind sie vergleichsweise unflexibel und mit Verwaltungsaufwand verbunden.

Warum sich ein früher Beginn auszahlt

Idealerweise beginnen Selbstständige bereits dann mit ihrer Altersvorsorge, wenn ihr Unternehmen erstmals stabile Überschüsse erwirtschaftet. Denn je länger das Kapital angelegt bleibt, desto stärker kann sich der Zinseszinseffekt auswirken. Wer dagegen erst mit 50 Jahren startet, muss für ein vergleichbares Vorsorgeziel deutlich höhere monatliche Beträge zurücklegen als jemand, der bereits mit 30 beginnt.

Für Unternehmer mit bislang geringen Rücklagen steht zunächst eine ehrliche Bestandsaufnahme an. Wie hoch ist das vorhandene Privatvermögen, welche Rentenansprüche bestehen bereits und wie viel Geld wird später benötigt? Aus diesen Angaben lässt sich die individuelle Versorgungslücke ermitteln.

Anschließend gilt es, eine realistische Sparquote festzulegen und entsprechende Einzahlungen möglichst zu automatisieren. Auch steuerlich geeignete Vorsorgelösungen sollten geprüft werden. Parallel dazu lohnt es sich, den Betrieb unabhängiger von der eigenen Person aufzustellen. Das verbessert nicht nur die Chancen auf einen späteren Verkauf, sondern erhöht auch die unternehmerische Stabilität. Letztlich entscheidet nicht die Höhe des laufenden Einkommens über die finanzielle Sicherheit im Ruhestand, sondern das Vermögen, das Selbstständige während ihrer Erwerbsjahre unabhängig vom eigenen Unternehmen aufbauen.

Über Tobias Vetter:

Tobias Vetter ist Finanzberater und Geschäftsführer der Vetter Group. Er unterstützt Selbstständige, Unternehmer und GmbH-Geschäftsführer dabei, ihre Steuerlast legal zu minimieren und ihre Finanzen strategisch zu strukturieren. Mit einem ganzheitlichen Ansatz verbindet er Vertragsgestaltung, Vorsorge und Vermögensaufbau zu einer durchdachten Steuerstrategie. Sein Credo: „Steuern sparen ist kein Trick – es ist eine Frage der Struktur.“ Weitere Informationen unter www.vetter-consulting.de

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