
Hersteller müssen tierversuchsfreie Tests anwenden
Das Europäische Parlament hat einen entscheidenden Sieg für den Tierschutz und die moderne Wissenschaft errungen. Mit der am 20.01.2026 verabschiedeten Überarbeitung der EU-Detergenzienverordnung wird ein umfassendes Verbot von Tierversuchen für Wasch- und Reinigungsmittel sowie deren Inhaltsstoffe eingeführt. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) begrüßt diesen Schritt als längst überfälligen Systemwechsel hin zu einer sicheren, humanrelevanten Testung.
Bisher mussten unzählige Tiere in qualvollen Tests für die Zulassung von Haushaltschemikalien leiden. Das neue Verbot stellt sicher, dass für Endprodukte ab 2029 keine Tierversuche mehr durchgeführt werden dürfen. Besonders bedeutsam: Auch für einzelne Inhaltsstoffe gilt nun das strikte Gebot, auf tierversuchsfreie Methoden zurückzugreifen – ein Prinzip, das den Weg für eine vollständig tierfreie Sicherheitsbewertung ebnet.
Bereits im Juni 2025 war das Regelwerk mit dem Europäischen Rat abgestimmt worden. Das Tierversuchsverbot war auf Initiative des EU-Parlaments eingeflossen, um den über 1,2 Millionen Stimmen der Europäischen Bürgerinitiative „Save Cruelty Free Cosmetics“ Rechnung zu tragen. „Die Entscheidung der EU-Abgeordneten ist ein klares Signal gegen veraltete und unzuverlässige Methoden“, erklärt Dr. Tamara Zietek, Geschäftsführerin Wissenschaft bei ÄgT. „Tierversuche sind kein Goldstandard für die menschliche Gesundheit, denn sie scheitern an der mangelnden Übertragbarkeit auf den Menschen. Wirkliche Sicherheit für die menschliche Gesundheit bieten nur moderne, tierversuchsfreie Technologien, die gezielt menschliche Reaktionen abbilden, anstatt auf irreführende ‚Tiermodelle zu vertrauen.“
Nach der formalen Bestätigung durch den Rat tritt die neue Verordnung 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft. Für die praktische Anwendung sieht das Gesetz eine Übergangsfrist von 42 Monaten vor, sodass die neuen Regeln ab Mitte 2029 verbindlich gelten. Diese Zeitspanne soll es den Herstellern ermöglichen, ihre Teststrategien vollständig auf tierversuchsfreie Methoden umzustellen.
Dieser Erfolg zeigt, dass ein Ausstieg aus dem Tierversuch politisch machbar ist, wenn der Wille zur Innovation vorhanden ist. Trotz dieses Teilerfolgs kritisiert Ärzte gegen Tierversuche, dass viele Inhaltsstoffe unter der Chemikalien-Verordnung REACH weiterhin in grausamen Versuchen getestet werden dürfen. „Gemeinsam mit unserem Dachverband, der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), setzen wir uns daher aktiv dafür ein, die anstehende Überarbeitung von REACH so zu gestalten, dass diese Schlupflöcher konsequent beseitigt werden“, erläutert Zietek.
Als Resultat der europäischen Bürgerinitiative für ein tierversuchsfreies Europa, die von der ECEAE mit initiiert wurde, wird derzeit von der Europäischen Kommission eine Roadmap erarbeitet, um den Umstieg auf eine tierversuchsfreie Chemikalientestung zu beschleunigen. Nur so kann nachhaltig und konsequent verhindert werden, dass Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln z.B. unter dem Vorwand des Arbeitsschutzes doch noch an Tieren getestet werden. „Diesen Schwung müssen wir nutzen, um ähnliche Verbote auch in der Chemikalienverordnung (REACH) und in der Arzneimittelentwicklung konsequent umzusetzen“, fordert Dr. Zietek, die die ECEAE bei der EU repräsentiert. Nötig sind zudem eine konsequente Umlenkung öffentlicher Forschungsmittel hin zu ausschließlich tierversuchsfreien Methoden und eine beschleunigte Validierung tierfreier Verfahren. Nur durch den Fokus auf humanrelevante Methoden können sowohl der Tierschutz als auch der Gesundheits- und Umweltschutz in Europa nachhaltig gestärkt werden.
Quelle
Detergents: MEPs revise rules to improve environmental and health protection | News | European Parliament. European Parliament, News, 22.01.2026