
13. Oktober 2026 – Flexiblere Arbeitsmodelle könnten Produktivitätsgewinne in Milliardenhöhe erschließen. Denn sie helfen Unternehmen dabei, Talente zu gewinnen und zu binden sowie kritisches Wissen zu schützen. Dies geht aus einer neuen modellbasierten Studie von Arup und der International Workplace Group (IWG) hervor, der weltweit größten Arbeitsplattform mit Marken wie Spaces und Regus.
Da Unternehmen um wichtige Fachkräfte konkurrieren und ihre Produktivität steigern wollen, wird die Gewinnung und Bindung der richtigen Mitarbeiter zu einer immer wichtigeren Priorität in den Führungsetagen. Die neue Analyse zeigt, dass hybrides Arbeiten diese Herausforderung in greifbaren wirtschaftlichen Wert verwandeln kann, wobei allein die verbesserte Mitarbeiterbindung in den USA über einen Zeitraum von fünf Jahren einen Wert von rund 204,7 Mrd. US-Dollar und im Vereinigten Königreich von 10,8 Mrd. Pfund darstellt. Für Deutschland zeigen konservative Berechnungen eine Einsparung von rund 86 Milliarden Euro an direkten und indirekten Fluktuationskosten über denselben Zeitraum.
Eine Untersuchung von IWG ergab zudem, dass 81 % der Personalvorstände (CHROs) hybrides Arbeiten als entscheidend für die Bindung von Top-Talenten ansehen, während 86 % flexible Arbeitsmodelle als den von potenziellen Mitarbeitern am meisten nachgefragten Vorteil identifizieren. Mittlerweile nennt mehr als ein Drittel der US-Arbeitnehmer Remote-Arbeit als wichtigsten Faktor bei der Wahl eines neuen Arbeitsplatzes und damit noch vor dem Gehalt.
Flexibilität wird zum entscheidenden Faktor für Fachkräfte
Fast drei Viertel (72 %) der Führungskräfte geben an, dass hybride oder flexible Arbeitsmodelle ausschlaggebend sind, um jüngere Führungskräfte zu gewinnen. Diese schätzen es, dass sie ihre Arbeit genauso produktiv oder sogar noch produktiver erledigen können, wenn sie nicht täglich mehrere Stunden pendeln müssen. Sie erklären außerdem, dass hybrides Arbeiten mittlerweile die häufigste Strategie im Wettbewerb um die besten Tech-Talente ist (37 %) und damit noch vor wettbewerbsfähigen Gehältern (35 %) liegt. Mehr als drei Viertel (78 %) sind der Ansicht, dass Unternehmen, die hybrides oder flexibles Arbeiten anbieten, einen klaren Vorteil gegenüber solchen haben, die dies nicht tun.
Durch mehr Flexibilität und den Wegfall geographischer Barrieren ermöglichen hybride Modelle den Arbeitgebern den Zugang zu einem breiteren Bewerberpool und den Aufbau effizienterer Betriebsmodelle. Dies ist von zentraler Bedeutung für die „neue Talentgleichung“, bei der Flexibilität, Technologie und ein breiterer Zugang zu qualifizierten Fachkräften zusammenwirken, um messbaren Produktivitätsgewinn zu erzielen.
Mitarbeiterbindung ist der größte Produktivitätshebel
Eine verbesserte Mitarbeiterbindung ist dabei der wichtigste Einzelfaktor für Produktivitätssteigerungen. Sie könnte über einen Zeitraum von fünf Jahren zu einem potenziellen Gewinn von rund 204,7 Mrd. US-Dollar in den USA, 10,8 Mrd. Pfund in Großbritannien und 86 Mrd. Euro in Deutschland führen.
Eine Verringerung der Personalfluktuation könnte Unternehmen zudem dabei helfen, erhebliche Verluste zu vermeiden, die sich in den USA auf bis zu 40,9 Mrd. US-Dollar und im Vereinigten Königreich auf 2,2 Mrd. Pfund an entgangener Bruttowertschöpfung (BWS) pro Jahr belaufen. Für Deutschland lässt sich der BWS-Verlust laut Zahlen des Beratungshauses Gallup auf durchschnittlich rund 118 bis 167 Mrd. Euro pro Jahr beziffern, wobei hier auch die Einbußen durch innerliche Kündigung und mangelnde emotionale Bindung an den Arbeitgeber mitberücksichtigt werden. Unterm Strich bleibt aber klar: Wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, verlieren die Unternehmen nicht nur die betreffende Person selbst, sondern auch an Dynamik, Fachwissen und Leistungsfähigkeit.
Die Bindung erfahrener Mitarbeiter hat zudem einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie schützt das institutionelle Wissen. Die Schätzungen gehen davon aus, dass 65,5 Mrd. US-Dollar an Produktivitätsgewinnen in den USA und 5,7 Mrd. Pfund im Vereinigten Königreich auf die Verringerung wissensbedingter Störungen zurückzuführen sind, was den betrieblichen Wert der Verhinderung des Verlusts von Fachwissen unterstreicht. In Deutschland zeigen vergleichende Hochrechnungen auf Basis des Bruttoinlandsproduktes, dass rund 10 Mrd. Euro Produktivitätsgewinne erzielt werden könnten.
Eine stärkere Anziehungskraft für Talente spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie trägt über einen Zeitraum von fünf Jahren zu weiteren 98,3 Mrd. US-Dollar in den USA und 6,5 Mrd. Pfund in Großbritannien bei, während für Deutschland konservativ mit rund 10 Mrd. Euro gerechnet werden kann. Effizienzsteigerungen bei der Personalbeschaffung und der Einarbeitung tragen zusätzlich etwa 9,4 Mrd. US-Dollar, 0,6 Mrd. Pfund und rund 2 Mrd. Euro bei.
Zusammengenommen zeigen diese Erkenntnisse, dass Flexibilität am Arbeitsplatz nicht nur ein Vorteil für die Mitarbeiter ist, sondern ein strategischer Hebel für Wachstum, Widerstandsfähigkeit und Produktivität.
KI vergrößert den Vorteil
KI könnte diese Vorteile noch weiter verstärken. Vier von fünf CEOs (80 %) geben an, dass KI in Verbindung mit hybridem Arbeiten die Produktivität steigert, während rund 60 % der Arbeitnehmer in den USA und 68 % der Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich sagen, dass KI ihre Erfahrungen mit hybridem Arbeiten bereits verbessert.
Christian Schmitz, CEO der International Workplace Group, erklärt: „Für jedes Unternehmen ist es für den Erfolg unerlässlich, die richtigen Mitarbeiter zu haben. Diese Studie unterstreicht, was viele Führungskräfte bereits wissen: Erfahrene Mitarbeiter zu binden, Talente aus einem größeren Pool zu gewinnen und ihnen die Flexibilität zu geben, ihr Bestes zu geben, kann sich erheblich auf die Produktivität auswirken.
Technologie erweitert diese Möglichkeiten zusätzlich. KI verändert, wie und wo Arbeit erledigt wird, während flexiblere Arbeitsformen Unternehmen den Zugang zu Mitarbeitern ermöglichen, unabhängig davon, wo diese sich befinden. Zusammen können sie Unternehmen dabei helfen, agilere und produktivere Organisationen aufzubauen.“
Quellen:
Modellrechnung von Arup und IWG
Interne Berechnungen auf Basis der Wirtschaftsindikatoren von USA, UK und Deutschland
Gallup Engagement Index Deutschland 2026