
Eine Freigabe kann heute richtig sein. Diese Entscheidung gehört jedoch wieder auf den Tisch, wenn sich System, Nutzung oder Risikolage wesentlich verändern.
Ein KI-System ist geprüft und freigegeben. Einige Monate später hat der Anbieter neue Funktionen ergänzt. Der Fachbereich nutzt das System inzwischen für weitere Aufgaben. Zusätzliche Daten fließen ein.
Die Freigabe besteht noch.
Aber stützt sich die heutige Nutzung noch auf die Entscheidung von damals?
Diese Frage wird für Unternehmen wichtiger, sobald KI-Systeme den Pilotbetrieb verlassen und dauerhaft eingesetzt werden. Denn eine Risikoprüfung beschreibt immer einen bestimmten Kenntnisstand. Sie berücksichtigt das System, seinen vorgesehenen Einsatz, bekannte Risiken und die Schutzmaßnahmen zu genau diesem Zeitpunkt.
Verändert sich diese Grundlage, passt die damalige Entscheidung unter Umständen nicht mehr.
Eine gute Entscheidung hat Voraussetzungen
Risikoprüfungen liefern Führungskräften Informationen aus den beteiligten Fachbereichen. Entscheidend ist, was tatsächlich geprüft wurde und für welchen Einsatz.
Auch muss erkennbar sein, wodurch die Entscheidung erneut auf den Tisch kommt. „Mich interessiert nach einer Freigabe nicht nur, was entschieden wurde“, sagt Uta-Alexandra Kral, Sparringspartnerin für Führung unter Druck und ehemalige Leiterin Unternehmenssicherheit. „Mich interessiert auch, was sich ändern müsste, damit diese Entscheidung wieder auf den Tisch kommt. Denn eine Entscheidung bleibt nur so lange sinnvoll, wie ihre Voraussetzungen noch stimmen.“
Bei KI können diese Voraussetzungen schneller veralten, als es die Freigabe vermuten lässt.
Ein Anbieter erweitert Funktionen. Daten werden anders verarbeitet. Weitere Beschäftigte erhalten Zugriff. Aus einem begrenzten Anwendungsfall entsteht Schritt für Schritt ein breiterer Einsatz. Auch neue Erkenntnisse über Schwachstellen, Datenschutzfolgen oder andere Risiken können die ursprüngliche Bewertung verändern.
Unternehmen sollten erkennen können, welche Änderung groß genug ist, um eine erneute Prüfung auszulösen.
Wann die Entscheidung wieder auf den Tisch gehört
Bei der Einführung richtet sich viel Aufmerksamkeit auf Prüfungen, Freigaben und Dokumentation.
Danach wird es oft leiser.
Das System läuft. Die Führung hat ihr „Go“ gegeben. Andere Themen drängen nach vorn.
Genau hier kann aus einer bewussten Entscheidung allmählich eine ungeprüfte Selbstverständlichkeit werden.
Deshalb reicht es nicht, lediglich festzuhalten, dass ein KI-System zu einem bestimmten Zeitpunkt geprüft und freigegeben wurde. Genauso wichtig sind die Voraussetzungen, die damals galten. Auslöser für eine neue Bewertung können beispielsweise ein Sicherheitsvorfall oder Erkenntnisse über Risiken sein.
Damit erweitert sich auch die Führungsfrage.
Aus „Dürfen wir nutzen?“ wird:
„Unter welchen Voraussetzungen gilt unsere Entscheidung weiterhin?“
Denn eine Entscheidung von gestern darf nicht unbemerkt zur Selbstverständlichkeit für morgen werden.
Executive Briefing für Führungskräfte
Das Executive Briefing „KI einführen, ohne das Steuer aus der Hand zu geben“ von Uta-Alexandra Kral richtet sich an Führungskräfte und Schlüsselrollen an den Schnittstellen von Business, IT, Compliance und Security.
Es bündelt Entscheidungsfragen, mit denen sich Informationen aus den beteiligten Fachperspektiven zusammenführen lassen. Führungskräfte können damit erkennen, welche Informationen für ihre Entscheidung noch fehlen und an welchem Punkt aus fachlicher Prüfung eine Unternehmensentscheidung wird.
Weitere Informationen zum Executive Briefing unter:
www.kral-kommunikation.de/ki-einfuehren-executive-briefing
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