
Silke Mekat über Hustle Culture, permanente Erreichbarkeit und die Frage, was nachhaltige Leistungsfähigkeit wirklich ausmacht
München, 20. Oktober 2026. „Ich arbeite übrigens auch am Wochenende.“ Dieser Satz fiel kürzlich in einem Seminar von Silke Mekat, Trainerin und Coachin für mentale Gesundheit, Stressprävention und Selbstmanagement. Andere Teilnehmende berichteten, dass sie selbst im Urlaub erreichbar seien oder 60 Stunden pro Woche arbeiteten. Die Aussagen wurden beiläufig formuliert, als gehörten lange Arbeitszeiten und permanente Verfügbarkeit selbstverständlich zum Berufsleben.
Für Mekat werfen solche Aussagen eine grundsätzliche Frage auf: Wann ist hohe Arbeitsleistung tatsächlich Ausdruck von Engagement und wann wird Arbeitsbelastung zum Statussymbol?
„Mich beeindruckt nicht, wer 60 Stunden in der Woche arbeitet. Mich beeindruckt, wer gute Arbeit leistet und gleichzeitig noch Zeit und Energie für das eigene Leben hat“, sagt die Trainerin, die seit 2015 für die Haufe Akademie tätig ist und auf mehr als 400 Seminare zurückblickt.
Wenn Beschäftigung mit Leistung verwechselt wird
Volle Kalender, Überstunden und die Aussage „Ich habe gerade unglaublich viel zu tun“ gelten in vielen Arbeitskontexten noch immer als Zeichen besonderer Einsatzbereitschaft. Dabei sagt die Zahl der geleisteten Stunden allein wenig darüber aus, welche Ergebnisse tatsächlich entstehen, wie konzentriert gearbeitet wird und ob die Arbeitsweise langfristig tragfähig ist.
Wer ständig erreichbar ist, häufig zwischen Aufgaben wechselt und regelmäßig eigene Pausen verschiebt, kann sehr beschäftigt sein, ohne die entscheidenden Aufgaben voranzubringen. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass Erholung zu kurz kommt und die verfügbare Energie dauerhaft sinkt.
Aus Sicht von Mekat sollte deshalb nicht allein die individuelle Belastbarkeit im Mittelpunkt stehen. Ebenso wichtig sind klare Prioritäten, realistische Arbeitsmengen, störungsarme Arbeitsphasen und eine Unternehmenskultur, in der nicht die längste Anwesenheit, sondern die Qualität der Arbeit zählt.
Ambitioniert arbeiten, ohne das Leben auf später zu verschieben
Mekat plädiert ausdrücklich nicht dafür, Wochenendarbeit grundsätzlich zu vermeiden. Selbstständige, Führungskräfte und Beschäftigte können gute Gründe haben, zeitweise abends oder am Wochenende zu arbeiten. Entscheidend sei, ob diese Arbeitszeiten bewusst gewählt werden, einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen und mit ausreichenden Erholungsphasen vereinbar bleiben.
„Ich arbeite selbst manchmal abends oder am Wochenende. Für mich ist der entscheidende Unterschied, ob ich mich bewusst dafür entscheide oder ob ich glaube, ständig mehr leisten zu müssen, um meinen Wert zu beweisen“, erklärt Mekat.
Für Unternehmen ergeben sich daraus konkrete Ansatzpunkte: Führungskräfte können Prioritäten eindeutiger setzen, unnötige Unterbrechungen reduzieren und Erwartungen an die Erreichbarkeit transparent vereinbaren. Mitarbeitende können lernen, Aufgaben realistischer zu planen, Grenzen zu kommunizieren und zwischen dringenden Anforderungen und tatsächlich wichtigen Tätigkeiten zu unterscheiden.
Solche Veränderungen ersetzen keine angemessene Personalausstattung oder gute Arbeitsbedingungen. Sie können jedoch dazu beitragen, dass individuelle Selbstorganisation und betriebliche Verantwortung besser zusammenspielen.
Leistung braucht Perspektive
Die entscheidende Frage lautet für Mekat deshalb nicht, wie viele Stunden Menschen arbeiten, sondern wie sie dauerhaft gute Ergebnisse erzielen können, ohne Gesundheit, Beziehungen und persönliche Lebensqualität aus dem Blick zu verlieren.
„Wir sollten aufhören, Überlastung und volle Kalender als Statussymbol zu betrachten. Ambitioniert zu arbeiten und das eigene Leben ernst zu nehmen, muss kein Widerspruch sein.“
Über Silke Mekat
Silke Mekat ist Trainerin und Coachin für mentale Gesundheit, Stressprävention und Selbstmanagement. Sie begleitet Unternehmen, Führungskräfte und Teams mit praxisorientierten Trainings zu gesunder Leistungsfähigkeit, Stressprävention, Zeitmanagement und Selbstorganisation. Seit 2015 arbeitet sie als Trainerin für die Haufe Akademie.
Weitere Informationen: https://silke-mekat.de/
Pressekontakt
Silke Mekat
Trainerin und Coachin für mentale Gesundheit, Stressprävention und Selbstmanagement
E-Mail: Silke.Mekat@Silke-Mekat.de
Website: https://silke-mekat.de/