
EU-AML-Paket erhöht die Anforderungen an die Risikobewertung
Terrorismusfinanzierung unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von klassischer Geldwäsche. Während bei Geldwäsche die Verschleierung der illegalen Herkunft von Vermögenswerten im Vordergrund steht, können zur Terrorismusfinanzierung auch Gelder aus legalen Quellen verwendet werden. Diese Besonderheit erschwert die Identifikation verdächtiger Transaktionen und erfordert spezifische Risikoindikatoren.
Das europäische Regelwerk zur Geldwäschebekämpfung sowie die Vorgaben und Empfehlungen von BaFin, Europäischer Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und Financial Action Task Force (FATF) bilden wichtige Grundlagen für die Bewertung entsprechender Risiken.
Für Finanzinstitute bedeutet dies, dass die Risikoanalyse Terrorismusfinanzierung nicht ausschließlich als Bestandteil der allgemeinen Geldwäscheprävention betrachtet werden sollte. Vielmehr müssen spezifische Bedrohungsszenarien, Finanzierungswege und Risikofaktoren systematisch untersucht und dokumentiert werden.
Risikofaktoren und Überwachungsmaßnahmen systematisch bewerten
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, unterschiedliche Risikodimensionen miteinander zu verknüpfen. Hierzu gehören insbesondere Länder-, Kunden-, Produkt- und Transaktionsrisiken.
Neben der Identifikation potenzieller Gefährdungen kommt es auf eine nachvollziehbare Bewertungsmethodik an. Interne und externe Datenquellen, aktuelle Typologien der Terrorismusfinanzierung sowie institutionsspezifische Geschäftsmodelle müssen in die Analyse einbezogen werden.
Auf dieser Grundlage lassen sich geeignete Sicherungsmaßnahmen ableiten. Dazu zählen risikoorientierte Monitoring-Verfahren, verstärkte Sorgfaltspflichten bei Hochrisikokonstellationen und die regelmäßige Überprüfung bestehender Kontrollmechanismen.
Ein weiterer Bestandteil ist die Ermittlung des Residualrisikos. Dabei wird bewertet, welche Risiken nach Berücksichtigung der implementierten Sicherungsmaßnahmen verbleiben. Die Ergebnisse sind für die Weiterentwicklung der Präventionsstrategie und die Beurteilung der Wirksamkeit interner Kontrollen relevant.
Online-Seminar behandelt Methodik und praktische Umsetzung
Mit dem Online-Seminar „Risikoanalyse Terrorismusfinanzierung“ am 16. November 2026 greift die Akademie Heidelberg diese fachlichen und regulatorischen Fragestellungen auf.
Im Mittelpunkt stehen die methodische Erstellung und Aktualisierung einer risikoorientierten Analyse sowie die Ableitung geeigneter Präventions- und Überwachungsmaßnahmen.
Das Seminar behandelt unter anderem folgende Themen:
– Regulatorische Grundlagen auf nationaler und internationaler Ebene sowie Anforderungen von EU, EBA und FATF
– Unterschiede zwischen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie das Drei-Phasen-Modell der Terrorismusfinanzierung
– Identifikation und Bewertung von Länder-, Kunden-, Produkt- und Transaktionsrisiken
– Nutzung interner und externer Datenquellen sowie Definition relevanter Risikoszenarien
– Typologien der Terrorismusfinanzierung anhand von Fallstudien und Praxisbeispielen
– Entwicklung geeigneter Monitoring-Indikatoren und
– Umsetzung verstärkter Sorgfaltspflichten
– Bewertung von Überwachungshandlungen und Ermittlung des Residualrisikos
Darüber hinaus werden dokumentarische und prozessuale Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung einer Risikoanalyse Terrorismusfinanzierung behandelt.
Relevanz für Compliance, Geldwäscheprävention und Risikomanagement
Die fachlichen Fragestellungen richten sich insbesondere an Mitarbeitende und Verantwortliche aus der Geldwäscheprävention, der Compliance, dem Risikomanagement sowie der internen Revision von Finanzinstituten.
Auch für Geldwäschebeauftragte und Fachkräfte, die an der Entwicklung, Durchführung oder Überprüfung von Risikoanalysen und internen Sicherungsmaßnahmen beteiligt sind, sind die behandelten Methoden relevant.
Referent des Seminars ist Oliver Hecker, Director im Competence Team Compliance bei BearingPoint Finance & Risk. Sein beruflicher Schwerpunkt liegt in der Geldwäscheprävention, Sanktions-Compliance und der Umsetzung von Anti-Financial-Crime-Projekten für Unternehmen der Finanzindustrie. Darüber hinaus verfügt er über Erfahrung in der Prüfung von Geldwäschepräventionssystemen und ist seit vielen Jahren als Dozent tätig.
Das Online-Seminar „Risikoanalyse Terrorismusfinanzierung“ findet am 16. November 2026 von 9:00 bis 13:30 Uhr statt.